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Gefechte im Sudan: Nord und Süd kämpfen um Ölregion

Im Sudan eskaliert Wochen vor der geplanten Loslösung des Südens die Gewalt. Die nordsudanesische Armee übernahm am Samstag nach Gefechten die Kontrolle über die wichtigste Stadt in der umstrittenen Region Abyei.

Wenige Wochen vor der Unabhängigkeit des Südsudan hat sich der Konflikt um die ölreiche Region Abyei verschärft. Nach Angaben des Staatsfernsehens nahmen Regierungstruppen aus dem Norden am Samstagabend die Stadt Abyei ein, während sich die Kämpfer der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) aus dem Süden aus dem Hauptort der umstrittenen Grenzregion zurückzogen. Tausende Zivilisten ergriffen die Flucht.

Die beiden Landesteile streiten sich vor allem um die Erdöleinnahmen aus Abyei. Ein Vertreter einer Delegation des UN-Sicherheitsrats, die sich seit Samstag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum aufhält, bestätigte den Bericht des Staatsfernsehens. Ein Vertreter der UN-Mission im Sudan (UNMIS) berichtete, die nordsudanesischen Streitkräfte seien mit dutzenden Panzern in den Ort eingerückt und hätten die Soldaten der SPLA zur Flucht gezwungen.

SPLA-Sprecher Philip Aguer berichtete am Telefon von heftigen Gefechten. Der Norden habe zahlreiche Soldaten und Panzer in die Stadt geschickt und Ziele in der Stadt bombardiert. Die SPLA habe die Angriffe nicht abwehren können.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen flohen die Bewohner von Abyei vor den Kämpfen. "Die gesamte Bevölkerung von Abyei ist geflohen", hieß es am Sonntag in einer Erklärung der Organisation. In einer von ihr geleiteten Klinik im 40 Kilometer entfernten Agok seien am Samstagabend 42 Verletzte aufgenommen worden. Dort würden die Teams nun verstärkt, die Klinik in Abyei könne vorerst nicht weiter betrieben werden.

Die USA verurteilten den Vorstoß der sudanesischen Armee. Die Regierungstruppen müssten sich sofort zurückziehen, forderte das Weiße Haus. Die Regierung in Paris sprach von "einer schwerwiegenden Verletzung" des Friedensabkommens zwischen dem Norden und dem Süden.

Bei einem Referendum im Januar hatten sich die Südsudanesen mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit vom Norden ausgesprochen, für Juli ist die Staatsgründung vorgesehen. Ein ursprünglich ebenfalls für Januar geplantes Referendum in Abyei wurde dagegen abgesagt, weil sich der Norden und der Süden nicht über den Kreis der Wahlberechtigten einigen konnten. Beide Landesteile beanspruchen die Enklave an der Grenze für sich, vor allem die Aufteilung der Erdöleinnahmen ist heftig umstritten.

AFP/Reuters / Reuters