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FAQ zur Ukraine Wer steckt hinter der Gewalt in der Ostukraine?


Durch den Tod Dutzender Zivilisten in der Ostukraine sind die diplomatischen Friedensbemühungen fast verpufft. Setzen die prowestliche Führung in Kiew und die moskautreuen Separatisten aufs Militär?

Bei der neuen Gewalteskalation in der Ostukraine werden zahlreiche Zivilisten getötet. Einem Raketenangriff auf ein Wohnviertel in der Hafenstadt Mariupol fallen am Samstag mindestens 20 Menschen zum Opfer.

Wer könnte hinter dem Angriff in Mariupol stecken? 


Die prowestliche Führung in Kiew macht moskautreue Separatisten für die Attacke verantwortlich. Russische Einheiten würden die Aufständischen unterstützen, behauptete der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Alexander Turtschinow. Russland weist solche Vorwürfe stets zurück. Die Separatistenführung gibt an, der Beschuss sei aus der nahe gelegenen Ortschaft Stary Krim gekommen, die von ukrainischen Truppen kontrolliert werde.

Der Militärführung in Kiew wird seit langem nachgesagt, freiwillige Kampfverbände, die neben den regulären Streitkräften einen Zerfall des Landes verhindern wollen, nicht kontrollieren zu können. Die Vereinten Nationen werfen diesen Gruppen willkürliche Verhaftungen und Misshandlungen vor.

Wie verläuft die Front in der Ostukraine?
Zuletzt hatten beide Seiten von Geländegewinnen berichtet. Im Lugansker Gebiet trennt der Fluss Sewersky Donez und im Donezker Gebiet der Kalmius weitgehend die verfeindeten Kräfte. Intensiv gekämpft wird um die Vororte von Donezk - Peski, Awedejewka und Gorlowka. Zudem versuchen die Aufständischen, die Regierungstruppen beim Verkehrsknotenpunkt Debalzewo einzukreisen. Den zerstörten Flughafen von Donezk kontrollieren die Separatisten nach eigener Darstellung zu großen Teilen. Der Airport bleibt aber umkämpft.

Wer hat welche Waffen in der Region stationiert?


Beide Seiten verfügen hauptsächlich über Waffen sowjetischer Bauart. Sie stehen sich mit Panzern, Mehrfachraketenwerfern verschiedener Reichweiten, Mörsern und Haubitzen schweren Kalibers gegenüber. Die ukrainische Armee verfügt zudem über Hubschrauber und Flugzeuge. Die prowestliche Führung in Kiew lässt rund um die Uhr neue Waffen produzieren, um ihre Truppen auszurüsten. Die Aufständischen sollen Nachschub über die offene Grenze zu Russland bekommen, was die Führung in Moskau dementiert.

Wem könnte eine Eskalation in der Ostukraine nützen?
Die neue Gewaltwelle im Bürgerkriegsgebiet Donbass macht die jüngsten diplomatischen Friedensansätze zunichte. Erst am Mittwoch hatte ein Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs in Berlin Hoffnungen auf eine Entspannung genährt. Doch nur Stunden später floss in der Ostukraine wieder Blut.

Vor allem Russland wirft einer "Partei des Krieges" in Kiew vor, den Konflikt militärisch lösen zu wollen. Präsident Petro Poroschenko, der sich häufig in Militäruniform im Krisengebiet zeigt, hatte der Armee in den vergangenen Wochen neue Kriegstechnik übergeben. Zudem begann eine Teilmobilmachung, bei der in diesem Jahr mehr als 100 000 Ukrainer bewaffnet werden sollen. Die Separatisten riefen nach der Gewalteskalation eine Großoffensive aus.

Thomas Körbel und Andreas Stein, DPA DPA

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