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Globale Brennpunkte: Willkommen im Jahrzehnt der Aufrüstung

Schlechte Nachrichten für Pazifisten: Die Ausgaben für das Militär steigen weltweit wieder an. Zwar bremst der niedrigere Öl-Preis die russischen und arabischen Aufrüstungswünsche ein wenig. Doch dafür geben Staaten wie China, Indien umso mehr aus.

Leopard 2 Aufrüstung

Ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 A6 der Bundeswehr: Bis 2020 soll auch der deutsche Verteidigungsetat kontinuierlich wachsen.

Das Jahr 2016 markiert den Beginn eines neuen Jahrzehnts der Aufrüstung. Da ist sich der Branchendienst "Jane's" sicher. Ein Grund dafür sind die Spannungen im Südchinesischen Meer, ein anderer die Angst vor einem Russland, das seine außenpolitischen Interessen zunehmend wieder mit militärischen Mitteln durchsetzt.

Auch die anhaltende Instabilität in der arabischen Welt ist ein Faktor, der die Verteidigungsetats in die Höhe treibt. Allerdings stehen Algerien und die Golfstaaten vor dem gleichen Problem wie Russland: Der niedrige Öl-Preis setzt ihrem Drang nach modernen Waffen Grenzen. Bei Russland kommen außerdem noch die Sanktionen wegen der Krim-Annexion hinzu. Die Volkswirtschaften der arabischen Öl-Staaten leiden auch unter der politischen Unruhe, die ihre Region seit 2011 erfasst hat.

China und Indien geht es nicht mehr nur um Landesverteidigung

Nachdem die weltweiten Verteidigungsausgaben 2011 mit 1,59 Billionen US-Dollar (1,5 Billionen Euro) einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatten, gingen sie ab 2012 wieder zurück. Das lag auch an der globalen Finanzkrise. In diesem Jahr hat sich der Trend wieder umgekehrt. 2016 stiegen die Ausgaben für das Militär global um knapp 1,3 Prozent auf 1,57 Billionen US-Dollar. Für 2018 rechnen die Experten mit einem Anstieg auf 1,6 Billionen Dollar, 2020 sollen es sogar schon 1,63 Billionen Dollar sein.

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"Das hat auch damit zu tun, dass es Staaten wie China und Indien heute nicht mehr nur um Landesverteidigung geht oder darum, die Armee zur Bekämpfung von Aufständischengruppen einzusetzen", sagt Craig Caffrey von "Jane's". Beide Staaten träfen Rüstungsentscheidungen zunehmend auch in der Absicht, ihre Einflusszonen zu vergrößern und Handelswege zu schützen. Dies sei unter anderem an der Art der Kriegsschiffe und an der Zahl der Militärflugzeuge, die bestellt würden, zu erkennen.

Nato-Staaten investieren in Aufrüstung

Dafür dass die Nato-Staaten in diesem Jahr ihre Militärausgaben in diesem Jahr erstmals seit 2010 wieder erhöht haben, sehen die Experten zwei Hauptursachen - Islamistischer Terror und Russland. Caffrey vermutet: "Selbst wenn Russland künftig weniger für Verteidigung ausgibt, wird das nicht ausreichen, um alle Sorgen zu zerstreuen, die seit der russischen Annexion der Krim aufgetaucht sind."

Die Krise in der Ukraine hat in Lettland, Litauen und Estland jetzt schon zu einem dramatischen Anstieg der Verteidigungsausgaben geführt. In den baltischen Staaten wachsen die Militärbudgets stärker als in jeder anderen Region der Welt - wenn auch auf niedrigem Niveau. "Ihre Verteidigungsetats werden im Jahr 2018 alle oberhalb von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen", sagt "Jane's"-Expertin Fenella McGerty.

Deutscher Verteidigungsetat soll bis 2020 wachsen

Dagegen mutet der für die kommenden Jahre erwartete Anstieg der Verteidigungsausgaben von Frankreich und Deutschland noch moderat an. "Jane's" geht davon aus, dass der französische Verteidigungsetat von rund 44,3 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf knapp 45,5 Milliarden Dollar in 2020 ansteigen wird. Für Deutschland sagt der Branchendienst einen Anstieg von 35,5 Milliarden Dollar auf knapp 39,4 Milliarden Dollar voraus.

Dass die Europäer für die Verteidigung wieder mehr ausgeben, interpretieren die Experten in erster Linie als Reaktion auf den russischen Kurswechsel und, zu einem geringeren Teil, auch auf die Instabilität in vielen Staaten südlich des Mittelmeers. Seit November gibt es aus Sicht einiger Europäer noch einen weiteren Grund zur Beunruhigung: Den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Er hat erklärt, die europäischen Nato-Partner müssten für ihre Verteidigung in Zukunft wieder selbst mehr Geld in die Hand nehmen. 

Anne-Béatrice Clasmann, DPA