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Amtenthebungsverfahren: Schlüsselfigur Gordon Sondland: Donald Trumps Eine-Million-Dollar-Botschafter

In den Ermittlungen zur Amtsenthebung von Donald Trump sagt nun Gordon Sondland aus. Seinen Posten als US-Botschafter bei der EU verdankt er seiner eigenen Großzügigkeit. Nun ist ER die Schlüsselfigur in der Ukraine-Affäre. 

Gordon Sondland (l.) musste seine Version zur Ukraine-Affäre um Donald Trump bereits anpassen

Gordon Sondland (l.) musste seine Version zur Ukraine-Affäre um Donald Trump bereits anpassen, nachdem er seine "Erinnerung aufgefrischt" hatte

Getty Images / AFP

Bislang war es so: Wenn Gordon Sondland etwas angefangen hat, von seinem abgebrochenen Studium einmal abgesehen, dann hat er es auch durchgezogen. So war es, als er in den 80er-Jahren begann, sein Hotel-Imperium aufzubauen (Provenance Hotels). So war es, als er anfing, Filme zu produzieren ("Wild", "Thumbsucker"), so war es, als er als Spendeneintreiber die Nähe der großen Politik suchte (Mitt Romney). Und so hätte es auch sein sollen, als er in der Ukraine-Affäre Donald Trump beispringen wollte - doch dann seine Unterstützung kleinlaut zurückziehen musste.

Im Zentrum der Ukraine-Affäre

Als US-Botschafter bei der EU steht Sondland im Zentrum in der Ukraine-Affäre, die derzeit Washington in Aufregung versetzt. Hemdsärmelig, wie es seine Art ist, hatte er zur Aufgabe, die Wünsche des US-Präsidenten gegenüber dem Präsidenten in Kiew durchzusetzen. Konkret: Dafür zu sorgen, dass der frisch ins Amt gewählte Wolodimir Selenskyj öffentlich Ermittlungen gegen den Sohn von Joe Biden ankündigt, um dem aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu schaden. Darum geht es bei dem Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump, nämlich dass er die Ukraine mit einem "Quid-pro-quo-Deal" für den US-Wahlkampf einspannen wollte.

Am 8. September, rund zwei Monate nach Übernahme des "Projekts" war Sondland kurz davor, Vollzug zu melden. An dem Tag soll Selenskyj ihm gegenüber eingewilligt haben, in einem Interview mit dem US-Sender CNN, Korruptionsermittlungen gegen den ukrainischen Gaskonzern Burisma und damit gegen dessen Vorstandmitglied Hunter Biden, Joe Bidens Sohn, anzukündigen. So jedenfalls hat es sich nach Darstellung von William Taylor, US-Diplomat in Kiew zugetragen. Drei Tage später seien die bis dahin zurückgehaltenen US-Militärhilfen für die Ukraine freigegeben worden. Dass es einen Zusammenhang zwischen der Untersuchung und der Auszahlung (immerhin 400 Millionen Dollar) gebe, daran musste Gordon Sondland erst erinnert werden.

Vorwurf an Donald Trump eingeräumt

William Taylors Aussage habe seine "Erinnerung aufgefrischt", sagte Sondland Anfang November. Dem Botschafter ist dann doch noch eingefallen, einem Mitarbeiter des ukrainischen Präsidenten gesagt zu haben, dass die Auszahlung der Militärhilfe "wahrscheinlich" nicht erfolgen werde, solange die Ukraine nicht öffentlich eine "Anti-Korruptions-Erklärung" abgebe. Damit hat er im Grunde den Hauptvorwurf an Trump eingeräumt, weswegen seine öffentliche Aussage am Mittwoch mit großer (An)Spannung erwartet wird.

Sondland, gebürtig aus Seattle an der Westküste, ist seit März vergangenen Jahres Botschafter bei der EU und hat bislang verlässlich in Trumps Interesse agiert. In Brüssel machte er mit harschen Worten Druck gegen die umstrittene deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2: Wenn die EU an dem Projekt festhalte, werde der Präsident, also Donald Trump tätig werden, drohte Sondland unmissverständlich. Im schwelenden Handelsstreit hat er versucht, EU-Handelskommissarin Malmström zu diskreditieren, die Schwedin vertrete im transatlantischen Konflikt nicht die Wirtschaft, sie solle "abgeschossen" werden. Ungeachtet solcher Unhöflichkeiten jedoch versuchte er gleichzeitig, den giftigen Ton zwischen Washington und Brüssel zu entschärfen. "Ich denke, dass in den letzten Jahren durch Diskurse und politische Entscheidungen ein erheblicher Schaden entstanden ist", sagte er vor einiger Zeit.

Der Eine-Million-Dollar-Botschafter

Wie auch schon zahllose Diplomaten-Kollegen auch, verdankt Sondland seinen Job seiner eigenen Großzügigkeit. In den USA ist es nicht unüblich, dass Wahlspender mit Botschafter-Posten belohnt werden. Obwohl er zunächst die innerparteilichen Trump-Konkurrenten Jeb Bush und Marco Rubio unterstützt hatte, und Trump seine zweifelhafte Moral vorwarf wechselte er letztlich doch ins Team des jetzigen Präsidenten. Eine Million Dollar ließ er dessen Wahlkampfteam über vier seiner Firmen zukommen. Das ist der Preis dafür, einen engen Draht und viel Zugang zu Trump zu haben, wie durch die Anhörungen klar wurde. Es wird interessant zu sehen sein, wie eng ihr Verhältnis nach seiner Befragung sein wird.