Gräueltaten Araber nach Enthauptung empört

Die Bilder von der barbarischen Enthauptung des US-Zivilisten Nick Berg im Irak haben auch die Menschen in der arabischen Welt tief schockiert.

Die Bilder von der barbarischen Enthauptung des US-Zivilisten Nick Berg im Irak haben auch die Menschen in der arabischen Welt tief schockiert. Vor allem Organisationen und Staaten, die sich selbst auf eine islamische Ideologie stützen, distanzieren sich von der brutalen Selbstjustiz der Extremisten.

Die vielleicht deutlichste Verurteilung der Tat, für die eine Gruppe aus dem Umfeld des Terrornetzwerks El Kaida verantwortlich gemacht wird, stammt von der pro-iranischen Hisbollah. "Die Leute, die diese Aktionen durchgeführt haben sind keine Menschen und keine Muslime", erklärte die von den USA als Terrororganisation eingestuft libanesische Gruppe. "Hisbollah verurteilt diese abscheuliche Tat einer Organisation, die von sich selbst behauptet islamisch zu sein, die aber stattdessen die Muslime und den Islam diffamiert", hieß es.

Kann vom Islam nicht akzeptiert werden

Issam el Arijan, ein Sprecher der in Ägypten offiziell verbotenen Muslimbruderschaft in Kairo, sieht in der Enthauptung des Amerikaners eine "barbarische Tat, die weder vom Islam, noch von irgendeiner anderen Religion akzeptiert werden kann".

Der Botschafter des islamischen Königreichs Saudi-Arabien in Washington, Prinz Bandar bin Sultan, erklärte die Enthauptung sei ein "krimineller Akt" gewesen. Er passe zu Methoden von El Kaida, einer Organisation, "die Operationen durchführt, die den Lehren unserer großartigen Religion Islam widersprechen", sagte er der saudiarabischen Zeitung "Okaz". Unerwähnt ließ er allerdings, dass in Saudi-Arabien verurteilte Mörder und Drogenschmuggler nach islamischem Recht öffentlich enthauptet werden.

Islamisten: Tat schade den Arabern

Gleichzeitig sind sich die Islamisten mit allen arabischen Zeitungskommentatoren einig, dass die Mörder von Nick Berg den Irakern und auch den anderen Arabern durch ihre grausame Tat sehr geschadet haben. Die Ermordung Bergs behindere die weltweite Kampagne gegen den Missbrauch irakischer Häftlinge durch US-Soldaten, meint die Muslimbruderschaft. "Nicht nur ein unschuldiger Zivilist hat durch das Messer, das Bergs Leben beendete, sein Leben verloren, sondern auch die Araber und Muslime wurden dadurch getroffen", kommentierte die libanesische Zeitung "Daily Star".

Keine Reaktion auf den von den Tätern auf Video aufgenommenen Mord gab es zumindest zunächst von den staatlichen Repräsentanten des Islams in der arabischen Welt, den Muftis und Religionsministern. Allerdings reagieren sie oft mit Verzögerung, da sie sich Erklärungen mit politischem Hintergrund vorher auf höherer Ebene absegnen lassen. Der frühere Erzbischof von Canterbury, Lord Carey, hatte muslimische Führer in aller Welt am Mittwoch aufgefordert, die Enthauptung des US-Bürgers zu verurteilen. ´ Anne-Beatrice Clasmann DPA


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