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Grenzstreit wegen Google Maps: Nicaragua und Costa Rica streiten um Insel

Große Aufregung in Lateinamerika: Nicaragua und Costa Rica streiten um eine kleine Insel. Schuld ist angeblich eine fehlerhafte Darstellung der Grenze in Googles Kartendienst Maps. Das Bildmaterial ist inzwischen korrigiert, der Konflikt verhärtet sich trotzdem.

Ein Grenzstreit zwischen Costa Rica und Nicaragua, in dem auch eine angeblich fehlerhafte Landkarte des Internetunternehmens Google eine Rolle spielt, hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) auf den Plan gerufen. Die costaricanische Regierung erhebt den Vorwurf, dass Soldaten aus dem Nachbarland die Grenze überquert, auf der Calero-Insel ein Zeltlager errichtet und dort die nicaraguanische Flagge gehisst hätten. Der Kommandeur des nicaraguanischen Militärtrupps sagte daraufhin in einem Interview, er habe sich auf eine Landkarte des Internetdienstes Google Maps gestützt, wonach die Gegend des Zeltlagers zu Nicaragua gehöre.

Google räumte aber in der vergangenen Woche einen Fehler in seiner Karte ein. Die Fehlermarge im Grenzverlauf liege bei bis zu 2,7 Kilometern, erklärte das kalifornische Unternehmen nach Gesprächen mit Vertretern des US-Außenministeriums. Das Ministerium habe eine korrigierte Version der Karte geliefert, auf dieser Grundlage solle die Karte bei Google Maps überarbeitet werden, kündigte der Google-Spezialist für Geopolitik, Charlie Hale, im Internet an. Die nicaraguanische Außenminister Samuel Santos wandte sich jedoch gegen eine Überarbeitung der Google-Karte und bezeichnete diese als "korrekt".

Sicherheitskräfte im Grenzgebiet

Trotz des Vermittlungsversuchs der OAS spitzt sich der Grenzstreit zu. Das nicaraguanische Parlament kündigte an, es wolle am Mittwoch in dem umstrittenen Gebiet am Grenzfluss San Juan tagen, um die territorialen Ansprüche des Landes zu unterstreichen. Die costaricanische Präsidentin Laura Chinchilla kündigte ihrerseits nach ihrem Treffen mit dem Vermittler Insulza an, dass sie die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat bringen wolle, sollte die OAS keine Lösung finden. Costa Rica, das über keine eigene Armee verfügt, hatte in der vergangenen Woche zusätzliche staatliche Sicherheitsleute in das Grenzgebiet entsandt. Chinchilla bezeichnete die Aktion als eine Invasion. Sie warf dem Nachbarland den "eklatanten Bruch" eines Grenzabkommens aus dem 19. Jahrhundert vor, demzufolge das von Flussarmen umgebene Landstück zu Costa Rica gehört.

Die Regierung des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega wies die Vorwürfe zurück. Die Insel im Delta des San Juan gehöre "eindeutig" zu Nicaragua, und es gebe deshalb auch keine Truppen auf dem Gebiet Costa Ricas.

bla/DPA/AFP / DPA