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Entschädigung für Zweiten Weltkrieg: Griechenland will deutsches Eigentum pfänden

Athener Attacke im Streit um Reparationszahlungen: Regierungschef Alexis Tsipras wirft Deutschland "Schweigen, juristische Tricks und Verzögerung" vor. Sein Justizminister legt noch einen drauf.

Das Parlamentsgebäude in Athen: Die griechische Regierung fordert milliardenschwere Ausgleichszahlungen von Deutschland für erlittenes Unrecht während des Zweiten Weltkriegs.

Das Parlamentsgebäude in Athen: Die griechische Regierung fordert milliardenschwere Ausgleichszahlungen von Deutschland für erlittenes Unrecht während des Zweiten Weltkriegs.

Der Streit um griechische Reparationsforderungen an Deutschland verschärft sich: Justizminister Nikos Paraskevopoulos erklärte sich am Mittwoch bereit, die Pfändung deutscher Immobilien in Griechenland zu erlauben, sollte es zwischen Athen und Berlin zu keiner Einigung über die griechischen Entschädigungsansprüche aus dem Zweiten Weltkrieg kommen. "Ich beabsichtige die Erlaubnis zu geben", sagte der parteilose Minister im griechischen Fernsehen. Die endgültige Entscheidung werde jedoch die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras treffen.

Der höchste Griechische Gerichtshof (Areopag) hatte im Jahr 2000 nach einer Klage der Hinterbliebenen eines Massakers der Wehrmacht im mittelgriechischen Distomo beschlossen, deutsches Eigentum in Griechenland dürfe beschlagnahmt und gepfändet werden, um die Kläger zu entschädigen. Zuvor hatte ein Landgericht in der Provinzstadt Livadeia den Hinterbliebenen der Opfer 28 Millionen Euro Entschädigungen zugesprochen. Bei dem Massaker im Jahr 1944 waren 218 Menschen von deutschen Soldaten ermordet worden.

Es geht um bis zu 332 Milliarden Euro

Bei dem Streit geht es allerdings um mehr als das Verbrechen in Distomo: Griechenland fordert milliardenschwere Ausgleichszahlungen für erlittenes Unrecht während des Zweiten Weltkriegs. Tsipras sagte am Dienstag, ein Parlamentsausschuss solle sich mit dem Thema befassen. "Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurden die rechtlichen und politischen Bedingungen geschaffen, um diese Frage zu klären", stellte der Premier in einer Parlamentsdebatte in Athen fest. "Aber seitdem haben deutsche Regierungen mit Schweigen, juristischen Tricks und Verzögerung reagiert. Und ich frage mich, weil auf europäischer Ebene in diesen Tagen viel über moralische Fragen gesprochen wird: Ist diese Haltung moralisch?"

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras stellt in Frage, ob Deutschlands Haltung beim Thema Reparationszahlungen moralisch ist

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras stellt in Frage, ob Deutschlands Haltung beim Thema Reparationszahlungen moralisch ist

Zu den Reparationsforderungen gibt es bereits eine erste griechische Studie. Auf der Grundlage dieser Untersuchung prüft der Oberste griechische Gerichtshof zurzeit, wie mögliche Ansprüche an Deutschland erhoben werden können.

Zeitung veröffentlicht geheime Zahlen

Diese erste Studie liegt bereits seit Anfang März 2013 vor und wird als streng geheim eingestuft. Die Athener Zeitung "To Vima" hatte die Studie jedoch am vergangenen Sonntag veröffentlicht. Die Gesamtforderungen werden darin in einer Höhe zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffert.

Außenminister Nikos Kotzias hatte die Ansprüche vor einem Monat in Berlin ohne konkrete Zahlenangabe erneuert. Sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier wies die Forderung daraufhin zurück. Alle Reparationsfragen seien rechtlich abgeschlossen, sagte er damals.

mad/kup/DPA/Reuters / DPA / Reuters