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Griechenland-Wahl Herausforderer ist Tsipras dicht auf den Fersen


Am Sonntag werden in Griechenland die vorgezogenen Neuwahlen abgehalten. Regierungschef Alexis Tsipras liegt in Umfragen derzeit nur hauchdünn vor seinem konservativen Herausforderer Evangelos Meimarakis.

Auch vier Tage vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Griechenland zeichnet sich kein deutlicher Favorit ab. Eine am Donnerstag veröffentlichte Befragung wies für die linke Syriza-Partei von Ex-Ministerpräsident Alexis Tsipras mit 29,0 Prozent einen leichten Vorsprung vor der konservativen Nea Dimokratia (ND) mit 28,4 Prozent aus. Auf Platz drei in der Umfrage des Instituts Kapa landete die rechtsradikale "Goldene Morgenröte" mit 6,7 Prozent, gefolgt von der sozialdemokratischen PASOK mit 5,9 Prozent und der kommunistischen KKE mit 5,5 Prozent. Eine Umfrage vom Mittwoch hatte dagegen einen Vorsprung für die Konservativen von Nea Dimokratia ergeben.

Die Kapa-Umfrage wurde am Dienstag und Mittwoch durchgeführt, nachdem am Montagabend das TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten Tsipras und ND-Chef Vangelis Meimarakis stattfand. Tsipras war im August vom Amt zurückgetreten, nachdem er im letzten Moment seine Unterschrift unter eine Spar- und Reformvereinbarung mit der Euro-Zone gesetzt hatte, um eine Staatspleite abzuwenden.

Von der Neuwahl am Sonntag hatte sich der einstige Spargegner Tsipras eine klare Bestätigung seines neuen Kurses erhofft. Für eine Alleinregierung oder die Fortsetzung der bisherigen Koalition wird es allerdings kaum reichen. Sein bisheriger Partner "Unabhängige Griechen" liegt genau auf der Drei-Prozent-Hürde.

Per Motorrad an die Spitze?

Tsipras' Herausforderer Meimarakis ist erst seit zwei Monaten Chef der Konservativen. Seine Partei warb beim Referendum zu den Sparvorschlägen der Gläubiger für ein "Ja", als Tsipras und die "Nein"-Anhänger siegten, warf der damalige Parteichef und ehemalige Ministerpräsident Antonis Samaras das Handtuch. Die Partei schien am Boden, doch als Tsipras immer mehr den Rückhalt in den eigenen Reihen verlor, konnte die ND, mit dem 61-jährigen Meimarakis an der Spitze, wieder aufholen.

Thematisch positioniert sich der Vater von zwei Töchtern klar konservativ. In der Flüchtlingsfrage will er die Grenzen besser kontrollieren: "Griechenland sollte nicht die Botschaft aussenden 'Hier ist es gut, kommt rüber'" sagte er kürzlich in einem Interview. Und in der Schuldenkrise wies er den Vorwurf der sozialen Kälte gegen seine Partei zurück. 

Sollte am Sonntag Meimarakis tatsächlich als Wahlsieger hervorgehen, bekommen wir den Politiker jedenfalls in einer durch Jannis Varoufakis geprägten Pose zu sehen: Genauso wie der Ex-Finanziminster fährt auch Meimarakis gerne per Motorrad zum Arbeitsplatz.

jho Reuters AFP

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