Großbritannien Brutaler Start für Gordon Brown


Die "Times" lobt seine "Stimme der Autorität", der "Daily Telegraph" nennt seine unemotionale Art "überaus beruhigend." Gordon Brown, kaum als Premier im Amt, muss sich in Zeiten des Terrors bewähren - und hat den ersten Test bestanden.
Von Cornelia Fuchs, London

Besonders auffallend ist, wie positiv die Zeitungen die neue Art des neuen britischen Premiers bewerten. Anders als Tony Blair, der Meister der gefühlten Emotionen, besticht Brown durch Distanz und dadurch durch Seriosität, wie Janet Daley im "Daily Telegraph" schreibt: "In Zeiten nationaler Bedrohung wollen wir nicht geknuddelt werden, wir wollen Ernsthaftigkeit und Strenge." Browns Auftritte erinnerten an die großer Kriegs-Premiers, die nur das nötigste sagten, aber die Öffentlichkeit durch ihre Kompetenz überzeugten. Auch wenn Janet Daley ihn nicht erwähnt, steigt bei solchen Worten der Geist von Winston Churchill und seiner "Blood, Sweat and Tears"-Rede auf.

Die "Times" formuliert es etwas weniger bombastisch: Brown erinnere an einen besorgten Schuldirektor, nicht poliert in seinem Auftreten, aber kompetent und besorgt und sehr wohl in der Lage, die Öffentlichkeit zu beruhigen.

Kein Scharfmacher

Besonders positiv kommt an, dass Brown die Situation nicht nutzt, um drastische Maßnahmen anzukündigen. Auch, wenn er von einer "kontinuierlichen Bedrohung" durch Terroristen spricht, und die Situation mit dem kalten Krieg in den 50er und 60er Jahren vergleicht, vermied es Brown bisher, die Stimmung im Land für den Ruf nach härteren Gesetzen zu nutzen. In einem Interview im BBC-Frühstücks-Fernsehen sagte er, es sei nun nicht die Zeit, über eine längere Untersuchungs-Haft zu reden.

Seit Jahren wird in Großbritannien diskutiert, ob Festgenommene länger als 28 Tage in Haft gehalten werden sollen, bevor sie entweder angeklagt oder entlassen werden müssen. Scotland Yard sagt, sie brauchen mehr Zeit, um alle Beweise in den oft komplizierten Terrorfällen zu sichern. Bürgerrechts-Experten meinen, dies verstoße gegen Grundrechte und schade vor allem Unschuldigen, die schon jetzt oft vor den Trümmern ihres Privatlebens stehen, wenn sie nach über drei Wochen entlassen werden. Brown hatte bereits vor seiner Wahl zum Premier signalisiert, dass er eine Verlängerung der Untersuchungs-Haftzeit unterstützen würde.

Camaron in der Klemme

Browns unaufgeregte Herangehensweise scheint seine Zeit als Premier ebenso zu bestimmen, wie der emotionale Auftritt Tony Blairs am Tage von Prinzessin Dianas Tod den Ton seiner Amtszeit setzte. Von Blair will sich Brown anscheinend immer mehr absetzen. Innerhalb seiner ersten drei Tage in der Downing Street hat er sein Kabinett bereits viermal zusammenkommen lassen. Er wolle keine "Sofa-Regierung", sagte Brown, ein nicht einmal verdeckter Seitenhieb gegen die Blairsche Weise, politische Entscheidungen nur mit engsten Vertrauten in seinem Büro zu treffen.

Interessant wird nun sein, wie der Oppositionsführer David Cameron auf den neuen Stil der Labour-Regierung reagieren wird. Viele sehen in dem jung-dynamischen Tory-Führer den wahren Nachfolger Blairs. Cameron versucht gerade, seine altmodischen Konservativen in ein modernes Großbritannien zu führen, inklusive neuem Logo, neuem Haarschnitt und neuer Politik. Angesichts des Schwergewichts in der Downing Street, so der Kommentar im eigentlich eher konservativen "Daily Telegraph", wird er seine Strategie neu überdenken müssen - weg von der Show und hin zu echten Politiklösungen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker