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Großbritannien: Terror-Spur führt nach Saudi-Arabien

Die britische Polizei hat im Zusammenhang mit den gescheiterten Anschlägen vom 21. Juli in London sieben Verdächtige im Seebad Brighton festgenommen. Jetzt hofft sie auf neue Erkenntnisse durch die Verhöre: Eine Spur führt nach Saudi-Arabien.

Während in Großbritannien die Angst vor einer dritten Anschlagswelle umgeht, versucht die Polizei mit hohem personellen Einsatz der Gefahr zu begegnen: Nach Medienberichten über befürchtete neue Anschläge einer dritten Terrorzelle werden auch am heutigen Montag erneut Tausende von Scharfschützen in den Straßen und auf den Dächer Londons im Einsatz sein, berichtete die Tageszeitung "Times". Politiker und Verantwortliche der Polizei fragen sich unterdessen, wie lange noch ein solch intensiver Polizeieinsatz trotz aller Anstrengungen personell durchzuhalten sei, schrieb das Blatt weiter. Polizeichef Ian Blair gab zu, seine Beamten seien "sehr, sehr müde".

Die dritte Gruppe wollte am vergangenen Donnerstag erneut zuschlagen, heißt in dem Bericht. Sie habe Zugang zu Sprengstoff sowie Kontakte zu der terroristischen Zelle in der Stadt Leeds, von wo die Bombenattentäter vom 7. Juli kamen. Andere extremistische Gruppen wollten beweisen, dass es kein Problem sei, neue Rekruten für Selbstmordattentate zu finden.

Bedrohung bleibt "sehr real"

Der Antiterror-Chef von Scotland Yard, Peter Clarke, sagte, die Bedrohung bleibe "sehr real". Eine Polizeisprecherin bestätigte, dass die Ermittler weitere Verdächtige im Zusammenhang mit den Londoner Anschlägen suchten, von einer dritten Terrorzelle sei aber nicht die Rede gewesen.

Scotland Yard konzentriert sich nun bei der Suche nach weiteren Terroristen auf die Verhöre von zwölf Terrorverdächtigen, die bei den spektakulären Polizeioperationen der vergangenen Woche in Großbritannien und Rom festgenommen wurden. Sie stehen alle im Verdacht, an den Anschlägen auf U-Bahnen und Busse im Juli in London beteiligt gewesen zu sein. Darunter befinden sich auch die vier mutmaßlichen Rucksackbomber. Derweil wehrt sich der in Rom festgenommene mutmaßliche Rucksack-Attentäter von London, nach Großbritannien ausgeliefert zu werden. Der 27-jährige gebürtigen Äthiopier Hamdi Adus Issac lebte unter dem somalischen Namen Osman Hussein in London. Bis zur endgültigen Gerichtsentscheidung über eine Auslieferung bleibe er in Einzelhaft in einem römischen Gefängnis in Rom, hieß es.

Spur führt nach Saudi-Arabien

Nach Medienberichten gestand Issac, der britischer Staatsbürger ist, die Beteiligung an den Anschlägen. Nach Angaben der "Sunday Times" soll Issac außerdem ausgesagt haben, dass die an den gescheiterten Attentaten vom 21. Juli Beteiligten in keiner Verbindung zu den Selbstmordanschlägen vom 7. Juli auf drei U-Bahnen und einen Bus in London gestanden hätten. Dabei waren 56 Menschen ums Leben gekommen und weitere 700 verletzt worden. Er und seine Komplizen hätten die Attentate völlig unabhängig geplant. Nach Berichten der "Sunday Times" und des "Sunday Telegraph" soll Issac vor seiner Festnahme mehrfach in Saudi-Arabien angerufen haben. Nun ermittele die Polizei, ob die Anschläge von London vielleicht von dort aus organisiert wurden.

Die Polizei hatte bei der erfolgreichen Verfolgung der vier Rucksackbomber am Freitag einen fünften möglichen Attentäter festgenommen. Dabei handelt es sich um Whabi Mohammed, einen Bruder des Rucksackbombers Ramsi Mohammed, der am selben Tag gefasst worden war. Seit mehreren Tagen gab es in Großbritannien Spekulationen um einen fünften Bomber, nachdem vor einer Woche in einem Gebüsch in London ein Rucksack mit einem Sprengsatz entdeckt worden war.

Hinweise aus der Bevölkerung

In London waren bei der spektakulären Polizeiaktion außerdem der mutmaßliche Attentäter Muktar Said Ibrahim alias Muktar Muhammad Said gefasst worden. Nach britischen Zeitungsberichten kam die Polizei den Terrorverdächtigen in London durch Hinweise aus der Bevölkerung auf die Spur, nachdem Aufnahmen von Überwachungskameras veröffentlicht worden waren. Auch Angehörige der Verhafteten sollen der Polizei geholfen haben.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters