Haiti Kampf gegen Holzklau und Hunger


Nach den blutigen Kämpfen in Haiti und der Flucht des bisherigen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide stehen nun wieder akute Versorgungsnöte und Probleme der Landwirtschaft im Vordergrund. Deutsche Experten versuchen zu helfen.

Nach den blutigen Kämpfen in Haiti und der Flucht des bisherigen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide stehen nun wieder akute Versorgungsnöte und Probleme der Landwirtschaft im Vordergrund. In dem bitterarmen Land wächst seit Jahren wegen Massenabholzung kaum noch ein Baum. Durch die Bodenerosion wird die Ernte immer mickriger. Aber Holz muss her, um für Feuer sorgen zu können, so lange es etwas zum Kochen gibt. Das ist täglich Praxis bei der Landbevölkerung. Die hat meist kein Geld für Gas oder Strom, oder es gibt und gab in manchen Dörfern keine Energieversorgung.

Holzklau beim großen Nachbarn

So geht der Holzklau auch beim großen Nachbarn im Osten um, der Dominkanischen Republik, die selbst genug wirtschaftliche Sorgen hat. Die Inflation galoppiert. Der Peso hat die Schwindsucht. Damit das Grenzgebiet nicht bald so traurig aussieht wie der Rest Haitis, begann in diesen Wochen eine Kampagne zu Aufklärung und Aufforstung. Deutschland und Kanada helfen dabei den beiden Problemländern der Karibik. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat für das Umwelt- und Agrarprojekt in Pedro Santana in der Provinz Elías Piña ein Büro eingerichtet. Der Ort liegt auf dominikanischer Seite nördlich des Grenzübergangs Jimani, von wo es zwei Autostunden zu Haitis Hauptstadt Port-au-Prince sind.

Alle brauchen Geduld

Haitianer und Dominikaner auf beiden Seiten des Grenzflusses Artibonite hoffen, dass es in ihrer Region ruhig bleibt, damit das Projekt "Manejo Sostenible" in Gang kommt. Bürgermeister, Agrar- und Basisgruppen wollen zusammenarbeiten und dazu beitragen, dass das wilde Abholzen aufhört und das Bewusstsein für Anpflanzungen geschärft wird. "Alle brauchen Geduld und einen langen Atem. Bäume wachsen langsam", sagt Angela Tejeda, eine der GTZ-Verantwortlichen. Die Dominikanerin und ihre deutsche Kollegin Yvonne Fricke sind gerade auf der Fahrt von der Hauptstadt Santo Domingo in das gut vier Autostunden entfernte Pedro Santana.

Spezial-Pflanzen zur Bodenverbesserung

Auf halber Strecke ist die Landschaft üppig: Reis, rote Bohnen, Kochbananen, Ananas, Erdbeeren wachsen hier auch dank ausländischer Agrarschulung reichlich. "Wenn die Natur gepflegt, der Regen durch Bepflanzung und Baumwurzeln im Erdreich gespeichert wird, dann ist die Ernte gut", sagt Fricke, die aus dem Raum Mannheim/Ludwigshafen kommt. Spezielle Grünpflanzen als Bodenverbesserer werden bald im Grenzgebiet eingesetzt. In Baumschulen sollen kräftige Obstbäume wie Mango wachsen. Aufforstung und Obstwirtschaft gehen Hand in Hand. Kleinbauern lernen, in Eigenregie neue Gewächse zu ziehen.

Die Regierung in Santo Domingo hat es wegen der Wahlen im Mai mit dem Projekt eilig, drängte auf eine vorgezogene Einweihungsfeier. Die Kinder des Dorfes haben deshalb an diesem Tag schulfrei. Einige Schüler diskutieren mit GTZ-Mitarbeitern über das Projekt und wünschen sich "viele, viele Obstbäume". Die 15-jährige Ramona sagt: "Ohne Bäume ist es traurig. Ich hoffe, dass wir bald mehr Pflanzen und eine bessere Ernte haben." Viele Schüler nicken, reden dazwischen. Das Thema bewegt alle. Die Diskussion ist lebhaft.

Glücklich über jede gute Nachricht

"Beide Länder haben riesige Probleme. Wir sind glücklich, dass es zumindest in unserem Dorf nun eine gute Nachricht gibt", sagt Claudio Moreta. Er verkauft auch einzelne Zigaretten und Käsestücke, die er in braunes Papier wickelt. Öl und Tomatenpaste wird aus größeren Behältern in Gläschen portioniert, die manche Kunden mitbringen. Zu ihnen zählen viele Haitianer, die hier als Feldarbeiter oder Wäscherinnen arbeiten.

Eine alte Frau mit Schwielen an den Händen und vielen Runzeln im Gesicht kauft ein Stück Brot im Kramladen. Die Haitianerin sagt: "Bei uns ist Gas zum Kochen teurer als hier auf dominikanischer Seite. Und die Löhne bei uns sind noch niedriger." Da würden halt viele zu Axt und Machete greifen, so lange noch ein paar Äste da seien.

Bernd Kubisch/DPA DPA

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