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Hamburg: Den Polonium-Spuren auf der Fährte

Bei den Ermittlungen zum Tod des russischen Exspions Alexander Litwinenko führt eine Spur nach Deutschland: Im Hamburger Wohnhaus des russischen Geschäftsmannes Dimitri Kowtun fanden Ermittler Spuren von Polonium 210, ebenso im Pinneberger Haus seiner Ex-Schwiegermutter.

Der Gifttod des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko hält jetzt auch die deutsche Polizei in Atem. Experten des Bundeskriminalamtes und anderer Behörden untersuchten am Samstag zunächst ein Wohnhaus in Hamburg auf Polonium-Spuren und weiteten ihre Ermittlungen dann auf ein Gebäude im Kreis Pinneberg aus. In beiden Fällen wurden nach Angaben der Hamburger Polizei verstrahlte Stellen gefunden. Die Untersuchung eines Germanwings-Flugzeuges blieb hingegen ohne Befund. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit dem russischen Geschäftsmann Dimitri Kowtun, der ein Kontaktmann Litwinenkos war. Litwinenko war am 23. November an den Folgen einer Polonium-Vergiftung gestorben. Auch britische und russische Behörden ermitteln.

Das Haus im Kreis Pinneberg (Schleswig-Holstein) soll den Angaben zufolge der Ex-Schwiegermutter Kowtuns gehören. Dort seien "Hinweise auf radioaktive Polonium-Strahlung" entdeckt worden, hieß es. Genauere Untersuchungen des Hauses sollen in den nächsten Tagen stattfinden. Die Polizei schloss nicht aus, dass noch an weiteren Stellen Hinweise auf radioaktive Strahlung entdeckt werden könnten.

In der Nacht zum Samstag hatten Experten des Bundesamts für Strahlenschutz, der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes (BKA) bereits zwei radioaktiv kontaminierte Stellen in der Wohnung von Kowtuns Ex-Ehefrau in Hamburg-Ottensen gefunden. Erkenntnisse über die mögliche Strahlenquelle lagen bis zum Abend nicht vor. "Wir haben insgesamt vier weitere Wohnungen in dem Haus untersucht und dabei keine strahlende Substanz gefunden", sagte Polizeisprecherin Ulrike Sweden. Für die Bewohner des Hauses bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Keine Pollonium-Belastung in Germanwings-Maschine

Weder Kowtun noch seine ehemalige Ehefrau und deren Mutter würden bislang als Beschuldigte geführt, sagte Sweden. Kowtuns Ex-Ehefrau solle aber von der Polizei vernommen werden. Darüber hinaus würden alle Personen medizinisch untersucht, die in den vergangenen Wochen Kontakt zu Kowtun und seiner Ex-Frau gehabt oder die kontaminierte Wohnung betreten hätten. Hamburgs Innensenator Udo Nagel erklärte dem "Hamburger Abendblatt Sonntag", er stehe in ständigem Kontakt mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und seinem schleswig-holsteinischen Kollegen Ralf Stegner.

Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz untersuchten am Samstag auf dem Flughafen Köln-Bonn eine Maschine vom Typ A 319 des Billigfluganbieters Germanwings. Es handelte sich um die Maschine, mit der Kowtun am 1. November von Hamburg nach London geflogen sei, erklärte ein Unternehmenssprecher. Am Abend teilte das Unternehmen mit, die Spezialisten hätten keine verseuchten Stellen gefunden.

Widersprüchliche Angaben zu Kowtuns Gesundheitszustand

Kowtun befindet sich weiterhin in einem Moskauer Krankenhaus. Neben ihm weist auch der Russe Andrej Lugowoj eine Vergiftung auf. Beide hatten sich mit Litwinenko am 1. November in London getroffen, dem Tag, an dem dieser erkrankte.

In einem Interview mit stern.de - das zu einem Zeitpunkt geführt wurde, als er noch nichts von seiner Vergiftung wusste - bestätigte Kowtun das Treffen mit Litwinenko in London. Anlass sei die Anbahnung eines Geschäfts gewesen. Litwinenko habe weder einen nervösen noch ängstlichen Eindruck gemacht. "Nichts war ungewöhnlich." Über Kowtuns Gesundheitszustand hatte es zuletzt widersprüchliche Angaben gegeben: Zum einen hieß es, seine Lage sei ernst. Ein mit dem Fall vertrauter Rechtsanwalt wies diese Berichte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters aber zurück. Ein dritter Kontaktmann, der Italiener Mario Scaramella, war in einer Londoner Klinik untersucht worden.

Litwinenko wurde am Donnerstag in der britischen Hauptstadt beigesetzt. Der Russe mit britischer Staatsbürgerschaft hatte vom Sterbebett aus dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, seine Ermordung befohlen zu haben. Die russische Regierung hat eine Verwicklung in den Tod Litwinenkos zurückgewiesen. Britische und russische Behörden ermitteln mittlerweile wegen Mordes.

Reuters / Reuters