HOME

Hilfe für die Ukraine: Russischer Hilfskonvoi ist aufgebrochen

Die notleidende Bevölkerung in der Ostukraine bekommt bald Hilfe. Teilweise harren Menschen in besetzten Gebieten seit Tagen ohne Strom und Wasser aus. Ein russischer Hilfskonvoi ist nun unterwegs.

Ein russischer Hilfskonvoi ist Medienberichten zufolge am Dienstagmorgen in die Ostukraine aufgebrochen. 280 Lkw mit Hilfsgütern seien in der Nähe der russischen Hauptstadt Moskau gestartet, meldete die Nachrichtenagentur Itar Tass. Alles sei mit der Ukraine abgestimmt, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, dem Hörfunksender Business FM. Im Osten der Ukraine werden infolge der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten, insbesondere in den Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk, Lebensmittel und Wasser immer knapper.

Russische Militäroperation befürchtet

Russland hatte zuletzt immer wieder eine Hilfsmission gefordert und dem Westen "Blindheit" für die Notlage der Menschen vorgeworfen. Die Regierung in Kiew befürchtet hingegen, dass Russland unter dem Vorwand humanitärer Hilfe auch Kämpfer und Waffen über die Grenze schaffen könnte. Die Bundesregierung betont, dass es einen Hilfseinsatz nur mit Zustimmung Kiews geben darf.

Auch die US-Regierung verfolgt die Hilfsmission kritisch. "Russland hat kein Recht, in der Ukraine ohne die Erlaubnis Kiews zu intervenieren," sagte Außenamtssprecherin Marie Harf. Russland habe erhebliche militärische Kräfte an der ukrainischen Grenze zusammengezogen, betonte Harf.

Die Regierung in Kiew riet den Bewohnern der umkämpften Regionen in der Ostukraine zur Flucht. "Für Zivilisten ist es besser, Donezk und Lugansk zu verlassen", sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat. Die "Anti-Terror-Operation" werde fortgesetzt, in jeder Stadt gäbe es Fluchtkorridore. Die Armee müsse schnell handeln, damit die Aufständischen sich nicht neu formieren und mit Nachschub versorgen könne. Seit Beginn des Militäreinsatzes der prowestlichen Regierung in der Ostukraine seien inzwischen 568 Soldaten getötet und 2120 verletzt worden, sagt Lyssenko.

Lage in Donezk und Lugansk

Die ukrainische Armee trieb unterdessen die Separatisten im Osten weiter in die Enge. Die Streitkräfte hätten die Verbindungen zwischen den Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk blockiert, teilte ein Militärsprecher in Kiew mit. Zudem nahmen die Regierungstruppen Donezk weiter unter Beschuss, trotz eines von den Separatisten angebotenen Waffenstillstands. Der neue "Regierungschef" der selbstproklamierten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, hatte eingeräumt, dass die Separatisten in Donezk "eingekesselt" seien.

Seit Wochen versucht die ukrainische Armee, die beiden Städte zurückzuerobern. Dabei ist die Lage für die Bewohner in Lugansk nach Angaben der Behörden besonders dramatisch. In der Stadt gibt es praktisch keinen Strom und kein fließend Wasser mehr, Treibstoff und Lebensmittel gehen zur Neige. Aus dem gesamten Osten der Ukraine flohen in den vergangenen vier Monaten bereits 300.000 Zivilisten Richtung Russland und in andere Landesteile.

yps/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters