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Hilfsprogramm für Griechenland: Wie aus der Troika eine Quadriga wurde

Für die griechische Regierung war die Troika ein Problem. Das Geldgeber-Trio wurde in "Institutionen" umbenannt und die Troika Geschichte - nun muss sich Alexis Tsipras sogar mit vier Gläubigern herumschlagen.

Tsipras auf dem Weg in den Präsidentenpalast

Hat einen schweren Gang vor sich: Alexis Tsipras. griechischer Regierungschef

Dieses Ziel immerhin hat die griechischen Regierung erreicht: Die von ihr verhasste Troika gibt es nicht mehr. Endgültig. Nicht weil das Geldgeber-Trio aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission einfach zuletzt in "Institutionen" umbenannt wurde, sondern weil den Griechen nun vier statt drei Verhandlungspartner gegenübersitzen. Aus der Troika ist die Quadriga geworden - das ist auch nicht unbedingt das, was die Athener Regierung wollte. Neu in der Runde sind Vertreter des ESM, dem Eurorettungsschirm, aus dessen Topf große Teile der 86 Milliarden Euro kommen sollen, die Griechenland für die nächsten drei Jahre benötigt.


Eigentlich hatte Alexis Tsipras gehofft, dass er weiterhin mit nur drei Institutionen zu tun haben werde – vehement kämpfte er dafür, den IWF aus dem Kreis der Verhandler herauszubekommen. Für die Vertreter Athens gilt der Währungsfonds als eine Art Zahlungszuchtmeister, dessen Spar- und Reformauflagen das Land strangulieren. Auf Drängen einiger Eurostaaten, unter anderem auch Deutschlands, blieb der IWF weiterhin im Kreis der Geldgeber. Vor allem in der CDU und CSU legt man Wert auf die Beteiligung des Währungsfonds - quasi als Gegengewicht zu den EU-Institutionen, die oft als zu weich gegenüber Athen empfunden werden.

Bleibt der IWF an Bord?

Noch aber ist nicht sicher, ob der IWF überhaupt an Bord bleiben will. An der ersten Tranche der Rettungsmilliarden jedenfalls wird er sich nicht beteiligen. Er pocht darauf, dass Griechenland erst einmal die ausstehenden Zahlungen begleicht. Außerdem heißt es: Der IWF hat darüber hinaus seine weitere Beteiligung abhängig gemacht von dem erfolgreichen Abschluss der ersten Programmüberprüfung, die für Herbst 2015 geplant ist, einschließlich der Bestätigung der Schuldentragfähigkeit. In anderen Worten: Sollte der Währungsfonds zu dem Schluss kommen, dass sich das Land völlig übernommen hat, fällt er als Geldgeber aus.

Den größten Anteil an den 86 Milliarden Euro, die für Griechenland nötig sind, kommen ohnehin aus dem Europäischen Rettungsmechanismus ESM, der vierte im Bunde: voraussichtlich 40 bis 50 Milliarden Euro. Doch auch diese Zahlungen werden ohne die Unterstützung des IWF nicht zustande kommen. ESM-Chef Klaus Regling geht davon aus, dass auch der IWF einen Kreditanteil trägt. Teil des Kompromisses ist, dass Athen beim IWF im März 2016 weitere Hilfen beantragt. Bis dahin darf Athen beim IWF allerdings nicht mehr in Zahlungsrückstand sein.

Am 12. August soll ein Ergebnis stehen

Die Vier von der Geldstelle beginnen an diesem Freitag die erste Verhandlungsrunde in Athen. Bis zum 12. August sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein - acht Tage später muss Griechenland rund drei Milliarden Euro an Krediten und Zinsen zurückzahlen. In der Athener Finanzpresse hieß es, der Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) werde verspätet eintreffen. Dem IWF solle zugesichert werden, dass er alle Möglichkeiten bekomme, die Kontrollen nach seinen Vorstellungen durchzuführen – noch ist in Sachen Griechenland nichts gerettet.

Auch die Deutschen rechnen damit, dass die Pleite Griechenlands unausweichlich ist. 71 Prozent der Befragten einer ZDF-Politbarometer-Umfrage sagten, dass der Staatsbankrott auch mit einem dritten Hilfspaket nicht abzuwenden sei. Und nur jeder Vierte glaubt, dass Griechenland Reformen und Sparmaßnahmen umsetzen wird. Dagegen gehen 73 Prozent davon aus, dass sich die Regierung in Athen nicht an die Abmachungen halten wird.


50 Milliarden Euro soll Griechenland durch die Privatisierung von Staatsunternehmen einnehmen So wollen es die Geldgeber, doch das Vorhaben geht seit Jahren nicht auf. stern-Reporter Walter Wüllenweber hat sich das Tafelsilber einmal angeschaut, ist dabei aber nur auf Tafelblech gestoßen - jetzt im neuen stern



mit DPA