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HINTERGRUND: Berufstaucher - »Knochenjob« in der Tiefe

Eiseskälte, häufig null Sicht und Dunkelheit, dazu harte körperliche Arbeit - die Berufstaucherei ist ein »Knochenjob«.

Eiseskälte, häufig null Sicht und Dunkelheit, dazu harte körperliche Arbeit - die Berufstaucherei ist ein »Knochenjob«. Einsätze wie an der »Kursk« stellen für die Unterwasserexperten aber kein Problem dar, meint Claus Mayer, Chef der norddeutschen Spezialfirma Nordseetaucher, die auch im Offshore- Geschäft zum Beispiel an Ölbohrinseln und Förderplattformen tätig ist.

»Arbeitstiefen von 100 Metern sind für Tieftauch-Spezialisten Routine«, beschreibt Mayer die Fähigkeiten der am Unglücksort eingesetzten norwegischen Berufstaucher. Arbeiten bis zu einer Tiefe von 300 Metern seien durchaus möglich. Allerdings sei das Eindringen in Wracks oder Bauwerken ein Risiko. »Man muss immer darauf achten, dass der Rückweg gesichert ist«, sagt Mayer. Auch in der »Kursk« könne ein Taucher sich leicht verhaken oder hängen bleiben.

Bei ihren Vorstößen in diese Tiefen atmen die Taucher ein Gasgemisch aus Helium und Sauerstoff, dessen prozentuale Zusammensetzung je nach Tauchtiefe anhand von speziellen Tabellen bestimmt wird. Pressluft wird von Berufstauchern bis maximal 50 Meter Wassertiefe eingesetzt, da mit zunehmender Tiefe der in der Luft enthaltene Stickstoff narkotisch wirkt. Er wird durch das Helium ersetzt.

Die Taucher operieren von Taucherglocken aus, die in die Tiefe hinabgelassen werden. Über einen Schlauch - den so

genannten Umbilical (englisch für Nabelschnur) - werden sie von der Glocke mit dem Atemgas versorgt. Aber auch warmes

Wasser, das in den Taucheranzügen zirkuliert, um die Männer vor der Auskühlung in der Tiefe zu schützen, wird über den Schlauch transportiert. Daneben enthält das Umbilical Sprech-, Video- und Datenverbindungen sowie ein Stromkabel. Der Schlauch ist nach Mayers Angaben maximal 31 Meter lang.

Vier Stunden unter Wasser

In der Regel arbeiten die Taucher rund vier Stunden außerhalb der Taucherglocke. Dann kehren sie zurück und werden von einem in der Glocke wartenden Kollegen abgelöst.

Haben die Taucher erst einmal längere Zeit in großer Tiefe zugebracht, ist ein plötzlicher Aufstieg zur Oberfläche unmöglich. »Das wäre tödlich«, sagt Mayer. Die Taucher bleiben oft tagelang unter dem Umgebungsdruck ihrer Arbeitstiefe. Mit den Taucherglocken an die Wasseroberfläche gebracht, schlüpfen die Männer durch Schleusen auf ihrem Basisschiff in so genannte Druckwohncontainer, die mit Toiletten und Duschen ausgestattet sind. In ihnen verbringen die Männer ihre Freizeit und schlafen. Die an der in rund hundert Meter Tiefe liegenden »Kursk« eingesetzten Taucher sind rund um die Uhr einem Druck von etwa elf Bar ausgesetzt. Das entspricht dem fünfeinhalbfachen Druck eines durchschnittlichen Autoreifens. Eine Rückkehr in normale Druckverhältnisse setzt eine Dekompression über mehrere Tage voraus.

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