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Homo-Ehe in USA: Schwule und Lesben jubeln, Konservative zürnen

Feierlaune bei Schwulen und Lesben in den USA, Konservative sehen einen Einstieg zur Viel-Ehe und zur Pädophilie: Reaktionen zum Urteil über die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Ehen.

In den USA entschied das Oberste Gericht zugunsten einer Gleichstellung der Homo-Ehe - Schwule und Lesben in allen Teilen des Landes bejubelten das historische Urteil. Dem Entscheid zufolge müssen gleichgeschlechtlichen Ehepartnern dieselben Rechte eingeräumt werden wie sie für Hetero-Ehepaare gelten. Nach der Umsetzung des Urteils können verheiratete Schwulen oder Lesben beispielsweise eine gemeinsame Steuererklärung einreichen.

Vor allem in Kalifornien mit der Metropole San Francisco als Hochburg gleichgeschlechtlicher Menschen herrschte bis in den Abend hinein Jubel und Trubel auf vielen Straßen. Mit Hupkonzerten, wehenden Regenbogenfahnen und Freudenschreien begannen die Feiern schon am frühen Morgen. Tausende Befürworter der Homo-Ehe versammelten sich im Castroviertel und schwenkten Fahnen mit dem Gleichheitszeichen.

"Normalisierung der Viel-Ehe"

Konservative Kreise äußersten sich dagegen schwer enttäuscht über den Richterspruch. Das erzkonservative Lager zeigte sich gar entsetzt. Nun sei die "Normalisierung von Vielehe, Pädophilie und Sodomie unvermeidbar", hieß es von der American Family Association. Umfragen zeigen beim Thema Homo-Ehe aber einen deutlichen Wandel in der öffentlichen Meinung. Mehr als die Hälfte der US-Bürger spricht sich mittlerweile für die Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern aus.

Das "Gesetz zur Verteidigung der Ehe" aus dem Jahr 1996 verstoße gegen das in der Verfassung verankerte Gleichheitsgebot, entschied der Supreme Court. Eine verwitwete lesbische Frau hatte geklagt, weil sie nach dem Tod ihrer Ehepartnerin 363.000 Dollar Erbschaftssteuer zahlen musste. Das Urteil in dem in ein konservatives und ein linksliberales Lager gespaltenen Gericht fiel mit nur einer Stimme Mehrheit. Den Ausschlag gab Richter Anthony Kennedy, der in dem neunköpfigen Gremium oft das Zünglein an der Waage ist.

USA ein Flickenteppich in Sachen Homo-Ehe

Die Entscheidung bedeutet aber nicht, dass die Homo-Ehe künftig überall in den USA legal ist. Die Vereinigten Staaten gleichen bei diesem Thema einem rechtlichen Flickenteppich. Zwölf der 50 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington haben grünes Licht für die Homo-Ehe gegeben. Außerdem gibt es Modelle, die der eingetragenen Lebenspartnerschaft in Deutschland ähneln. Dagegen haben mehr als 30 Bundesstaaten Ehen von Schwulen und Lesben ausdrücklich untersagt.

Zugleich gab das der Supreme Court grünes Licht für Homo-Ehen in Kalifornien: Es beließ es bei der entsprechenden Entscheidung einer niedrigeren Instanz in dem Bundesstaat. Diese hatte einen Volksentscheid in Kalifornien, mit dem Homo-Ehen vor gut vier Jahren verboten worden waren, für unrechtmäßig erklärt.

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown wies die Behörden am Mittwoch an, Heiratslizenzen zu erteilen, sobald das Urteil in Kraft trete. Der Ansturm auf die Standesämter in dem Westküstenstaat wird in knapp vier Wochen erwartet. Im Rathaus von San Francisco waren zahlreiche gleichgeschlechtliche Paare in Brautkleidern und schwarzen Anzügen erschienen, allein um die Entscheidung des Obersten Gerichts zu feiern. Nach Schätzungen könnten sich in den nächsten drei Jahren alleine hier 37.000 Same-Sex-Paare das Jawort geben.

Obama zeigt sich erfreut

US-Präsident Barack Obama hatte die Entscheidung für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben als Erfolg gewürdigt. "Der Supreme Court hat das Falsche ins Richtige verwandelt. Und unser Land ist dadurch besser dran", sagte er auf dem Flug zu einem Besuch in Afrika. "Wenn alle Amerikaner gleich behandelt werden, egal wer sie sind und wen sie lieben, dann sind wir alle freier."

Auch Verteidigungsminister Chuck Hagel begrüßte das Urteil. Das Pentagon werde unverzüglich dafür sorgen, dass gleichgeschlechtliche Ehepartner von Militärangehörigen dieselben Vorteile hätten wie Partner in traditionellen Ehen.

Enttäuscht äußerte sich der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner. "Es wird weiter in der Öffentlichkeit eine kräftige Debatte über das Thema Ehe geben", sagte Boehner laut "Washington Post". "Und ich hoffe, dass Bundesstaaten die Ehen weiterhin als eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definieren werden." Der republikanische Abgeordnete Tim Huelskamp beklagte, dass sich eine "radikale Mehrheit" im Supreme Court von persönlichen Ansichten habe leiten lassen. Er kündigte eine Gesetzesinitiative zum Schutz traditioneller Ehen an.