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Uni-Präsidentin in Pennsylvania Ihr Vater floh aus Nazi-Deutschland: Amy Gutmann soll US-Botschafterin in Berlin werden

Amy Gutmann und Joe Biden bei einer Roundtable-Diskussion
Amy Gutmann und Joe Biden. Im Jahr 2016, als das Foto entstand, war Biden noch US-Vizepräsident. Nun schickt er Gutmann nach Berlin.
© Joseph Kaczmarek/ / Picture Alliance
Amy Gutmann soll die neue US-Botschafterin in Deutschland werden. Ihre Familiengeschichte ist mit einem düsteren Kapitel der deutschen Geschichte verbunden. Gutmanns Vater stammt aus dem bayerischen Feuchtwangen

Amy Gutmann, die Präsidentin der US-Elitehochschule University of Pennsylvania, soll die neue Botschafterin der Vereinigten Staaten in Deutschland werden. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf deutsche und US-Regierungskreise in der Nacht auf Mittwoch zuerst berichtete, wird US-Präsident Joe Biden Gutmann für den Posten in Berlin vorschlagen. Die Personalie liege zudem bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dessen Zustimmung gilt aber als Formsache. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur stellten die USA bereits am 18. Juni ein Ersuchen auf Zustimmung zu der Personalie bei der deutschen Botschaft in Washington. Nach einer offiziellen Nominierung durch Biden müsste dann der US-Senat noch zustimmen.

Die 71-jährige Politikwissenschaftlerin hat deutsch-jüdische Wurzeln. Gutmann ist Tochter eines jüdischen Vaters, der 1934 aus Nazi-Deutschland geflohen war. Sie ist seit 2004 Präsidentin der Privatuniversität in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania, die als eine der besten Hochschulen des Landes gilt. Die UPenn abgekürzte Hochschule gehört zur sogenannten Ivy League von prestigereichen Unis im Nordosten der USA wie Harvard, Princeton und Yale. Gutmann wäre die erste Frau, die als US-Botschafterin in die Bundesrepublik entsandt wird.

Amy Gutmann wird Nachfolgerin des umstrittenen US-Botschafters Richard Grenell

Der Botschafterposten in Berlin ist seit dem Abgang des umstrittenen Botschafters Richard Grenell im Juni 2020 vakant. Im Juli 2020 kündigte der damalige Präsident Donald Trump zwar an, den pensionierten Armee-Oberst Douglas Macgregor zu Grenells Nachfolger machen zu wollen. Macgregor wurde aber nie vom US-Senat bestätigt. Die Botschaft am Brandenburger Tor wird seit vergangenem Jahr übergangsweise von der Gesandten Robin Quinville als Geschäftsträgerin geleitet. 

Die Neubesetzung des Botschafterpostens wird daher bei den Außenpolitikern in Berlin fast schon sehnsüchtig erwartet. Trump-Anhänger Grenell war in Deutschland mit seinen häufig forschen Ansagen und seinem konfrontativen Auftreten immer wieder angeeckt. Ohnehin hatte sich das Verhältnis zwischen Washington und Berlin in den Trump-Jahren deutlich verschlechtert. 

Trumps Nachfolger Joe Biden hat verbesserte Beziehungen zu den traditionellen westlichen Verbündeten der USA wie Deutschland zu einem Kernanliegen seiner Außenpolitik gemacht. Unter anderem legte Biden Trumps Entscheidung zum Abzug tausender US-Soldaten aus Deutschland auf Eis. 

Eine der "50 größten Führungspersönlichkeiten der Welt"

Gutmanns Vertrag als Präsidentin der University of Pennsylvania läuft offiziell noch bis 2022. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2011 zählte sie das Magazin "Newsweek" zu den "150 Frauen, die die Welt bewegen" und 2018 die Zeitschrift "Fortune" zu den 50 größten Führungspersönlichkeiten der Welt.

Ihr Vater stammt aus dem bayerischen Feuchtwangen und flüchtete nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland 1934 als Student mit seiner Familie zunächst nach Indien. Später zog er nach New York, wo er heiratete. Amy Gutmann wurde 1949 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, studierte später Politologie an der Elite-Universität Harvard und lehrte fast drei Jahrzehnte an einer weiteren Elite-Uni, Princeton in New Jersey, bevor sie nach Pennsylvania wechselte.

Das Ersuchen nach Zustimmung zu Gutmann wurde wenige Tage vor dem Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in Berlin vergangene Woche eingereicht. Bei der zweitägigen Visite hatte Blinken die Partnerschaft zu Deutschland in den allerhöchsten Tönen gewürdigt: "Die Vereinigten Staaten haben keinen besseren Partner, keinen besseren Freund auf der Welt als Deutschland", sagte er. Früher hätten die USA so etwas eher über Großbritannien gesagt.

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Sehen Sie im Video: Rudy Giuliani verliert wegen Lügen seine Zulassung. Der Anwalt und ehemalige New Yorker Bürgermeister hatte immer wieder ohne Beweise behauptet, dass Donald Trump aufgrund eines von der Demokratischen Partei organisierten Stimmenraubs um den Sieg über Joe Biden gebracht worden sei.

anb AFP DPA

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