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Irak: Bomben, Schüsse, Massaker

Im Irak nimmt das Blutvergießen kein Ende: Der Trauerzug für eine bekannte Journalistin wurde angegriffen, ein Selbstmordattentäter tötete mindestens neun Menschen - und eine zwölfköpfige Familie wurde ausgelöscht.

Bei der Explosion einer Autobombe nahe einem belebten Marktplatz in der irakischen Stadt Kerbela sind mindestens neun Menschen getötet worden. Weitere 25 wurden verletzt, berichteten Krankenhausärzte. Die Zahl der Todesopfer werde möglicherweise noch steigen, hieß es. In der Nähe der Explosionsstelle befand sich auch eine Polizeiwache. Kerbela, 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegen, ist wegen seiner Schreine eine der heiligen Städte der Schiiten im Irak.

Massaker an Familie

Bewaffnete überfielen in der Nacht zum Samstag ein Familienhaus in Bakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad. Sie erschossen alle zwölf Mitglieder der Familie, die sich im Haus befanden, darunter Frauen und Kinder, verlautete aus Krankenhausquellen.

Anschlag auf Trauerzug

Unbekannte schossen am Samstag im Westen von Bagdad auf den Begräbniszug für die zwei Tage zuvor ermordete Reporterin des arabischen Fernsehsenders Al-Arabija, Atwar Bahgad. Dabei wurde ein Sicherheitsmann getötet, vier weitere Menschen erlitten Verletzungen, berichtete der Sender. Irakische Sicherheitskräfte hätten das Feuer erwidert. Der Vorfall ereignete sich, kurz bevor der Trauerzug den Friedhof in Abu Ghoreib, 30 Kilometer westlich von Bagdad, erreichte.

Die Journalistin Bahgad, eine Irakerin, war am Donnerstag bei Samarra, 125 Kilometer nördlich von Bagdad, zusammen mit ihrem Kameramann und einem Techniker erschossen aufgefunden worden. Sie hatte am Tag zuvor über die Zerstörung der Goldenen Moschee von Samarra berichtet. Die Sprengung eines der wichtigsten schiitischen Heiligtümer im Irak hatte eine beispiellose Gewaltwelle ausgelöst. Fast 200 Menschen waren im ganzen Land unterschiedlichen Vergeltungsaktionen zum Opfer gefallen.

Ausgangssperre sorgt für Beruhigung

Nach einer am Freitag auch tagsüber geltenden Ausgangssperre in vier zentralirakischen Provinzen, darunter die Hauptstadt Bagdad, hatte sich die Lage wieder weitgehend beruhigt. Für den Samstag verhängten die Behörden weiterhin ein allgemeines Fahrverbot für den Zentralirak.