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Irak: El Sadr will spanische Truppen verschonen

Nach dem angekündigten Rückzug der spanischen Soldaten aus dem Irak hat Schiiten-Führer el Sadr angekündigt, von nun an spanische Soldaten von Attentaten zu verschonen.

Nur einen Tag nach seinem Amtsantritt hat Spaniens neuer Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sein Wahlversprechen wahrgemacht und den Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak angeordnet. Die Soldaten sollen "sobald wie möglich" heimkehren, sagte der sozialistische Regierungschef in Madrid. Spanien ist das erste Land, das sich an der US- geführten Mission im Irak beteiligte und zu einem Rückzug entschlossen hat. In Washington reagierte man verhalten auf die Ankündigung.

El Sadr will Spanier nun schonen

Nach dem von Spanien angeordneten Truppenabzug aus Irak hat der radikale schiitische Geistliche Muktada el Sadr seine Anhänger aufgerufen, keine spanischen Soldaten mehr anzugreifen. In einer von El Sadrs Büro herausgegebenen Erklärung hieß es, die Iraker sollten "die Sicherheit der spanischen Soldaten bis zu deren Heimkehr" wahren. Die Regierungen aller anderen Länder, die Truppen in Irak stationiert haben, forderte El Sadr auf, "dem spanischen Beispiel zu folgen".

Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ken Lisaius, in Washington sagte, wusste man seit den Wahlen in Spanien, dass es die Absicht des neuen Ministerpräsidenten sei, die Truppen aus dem Irak abzuziehen. Nun hoffe man, dass Spanien "die Entscheidung in koordinierter und geordneter Weise umsetzen wird", sagte Lisaius.

Bitterer Moment für Bush

Im Weißen Haus war der angekündigte Rückzug mit Bedauern aufgenommen worden. In einem kurzen Telefongespräch mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero mahnte Präsident George W. Bush an, dass bei künftigen Entscheidungen verhindert werden müsse, dass Terroristen und Gegnern der Freiheit im Irak fälschlicherweise ermutigt würden. Die Koalitionstruppen im Irak begannen unterdessen mit der Suche nach einem Ersatz für die Spanier.

Die «New York Times» berichtete am Montag, Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten kein Geheimnis daraus gemacht, dass es sich um einen ganz bitteren Moment für Präsident Bush handle. Nach spanischen Presseberichten gilt es als wahrscheinlich, dass auch die 1.200 lateinamerikanischen Soldaten, die im Irak mit den Spanier eine gemeinsame Brigade bilden, bald abgezogen werden. Die aus mehreren Staaten Mittelamerikas stammenden Einheiten seien auf die Unterstützung der Spanier angewiesen, berichtete die Zeitung «El País».

"Jedes Land muss eigene Entscheidungen treffen"

Den anderen Partnern in der Koalition sei man "dankbar für ihre Solidarität bei der Durchführung der wichtigen Aufgabe im Irak", sagte Lisaius. "Jedes Land wird seine eigenen Entscheidungen treffen müssen, wie es den Kampf gegen den Terror führen und die Freiheit des irakischen Volkes sichern will." Auch mit dem Nato-Verbündeten Spanien werde man die enge Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror fortsetzen.

Die Sicherheitsberaterin des US-Präsidenten, Condoleezza Rice, gab in US-Talkshows zu bedenken, dass auch andere Staaten aus der Irak-Koalition ihre Position neu überdenken könnten. "Wir sind im Gespräch mit der Nato. Die Minister (Donald) Rumsfeld und (Colin) Powell haben bereits mit der Nato darüber gesprochen, wie die Allianz eine Rolle spielen könnte", sagte Rice dem US-Sender ABC.

Rückzug innerhalb von 15 Tagen

Nach Angaben des ägyptischen Außenministeriums wird Spanien seine Truppen innerhalb von 15 Tagen aus dem Irak abziehen. Das habe der neue spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos in einem Telefonat mit seinem ägyptischen Amtskollegen Ahmed Maher angekündigt, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Später korrigierte der Sprecher jedoch seine Angaben und sagte, Moratinos habe keinen genauen Zeitpunkt genannt.

Kritik aus Australien

Der australische Ministerpräsident John Howard befürchtet beim Abzug der spanischen Soldaten aus Irak eine Eskalation der Lage. Nicht der Friedensprozess, sondern der Aufstand werde gestärkt, die Gegner der Koalition würden zu weiterem Blutvergießen ermutigt. "Das ist ein schlechte Entscheidung und es ist eine Entscheidung, die ich sehr bedaure", sagte Howard dem australischen Radiosender ABC.

"UN-Resolution nicht zu erwarten"

Zapatero begründete den überraschenden Rückzugsbefehl damit, dass von den Vereinten Nationen keine Resolution zu erwarten sei, die den spanischen Vorstellungen entspricht. In seinem Regierungsprogramm hatte er einen Truppenabzug aus dem Irak angekündigt für den Fall, dass die Vereinten Nationen bis zum 30. Juni nicht das politische und militärische Kommando in dem asiatischen Land übernehmen.

Zugleich wies Zapatero den Verdacht zurück, Spanien beuge sich mit dem Rückzug dem Terror. Am 11. März hatten islamistische Terroristen in Madrid bei Anschlägen 191 Menschen getötet. Der Regierungschef erinnerte daran, dass er schon vor mehreren Monaten im Falle eines Wahlsiegs einen Truppenabzug in Aussicht gestellt hatte. "Ich will mein Wort halten", sagte er. "Die Regierung kann nicht gegen den Willen der Spanier handeln."

DPA/AP / AP / DPA