HOME

Irak-Engagement: Zahltag in der "Koalition der Willigen"

Geben und Nehmen gehört zu den Gepflogenheiten der Diplomatie. Und so erwartet auch die "Koalition der Willigen", die von El Salvador bis zur Mongolei reicht, für ihre Dienste im Irak eine Belohnung. Doch die Realität spricht eine andere Sprache.

Ein halbes Jahr ist es her, dass die USA stolz ihre "Koalition der Willigen" vorstellten: Eine Gruppe von 30 Staaten, die den Vorwurf eines angloamerikanischen Alleingangs in Irak widerlegen sollte. Mittlerweile haben außer den USA und Großbritannien 27 weitere Länder tatsächlich Soldaten nach Irak entsandt, die meisten allerdings erst nach Kriegsende. Die Koalition reicht von El Salvador im Westen bis zur Mongolei im Osten, die meisten Mitglieder sind klein und arm - und für ihre Hilfe erwarten sie eine Gegenleistung.

Die Mongolei zum Beispiel, in Irak mit 174 Soldaten vertreten, wünscht sich ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Albanien hofft nach der Entsendung von 70 Friedenssoldaten ins nordirakische Mossul auf Unterstützung der USA, um sein Militär fit für die NATO zu machen. Und zahlreiche andere Koalitionäre drängen auf eine Beteiligung ihrer Wirtschaft am Wiederaufbau Iraks. "Sie haben ihren Beitrag geleistet, und jetzt wollen sie ein Stück vom Kuchen abbekommen", sagt Militärexperte John Pike von der Forschungsgruppe Globalsecurity.org.

Geben und Nehmen als Gepflogenheiten

Zwar fordern nur wenige Regierungen offen eine Belohnung für ihre Dienste in Irak ein, offiziell wurde ihnen nach Ansicht von Experten auch keine versprochen. Aber Geben und Nehmen gehört zu den Gepflogenheiten der internationalen Diplomatie.

Schließlich war die Beteiligung von so kleinen Ländern wie Mazedonien oder Estland, deren Bevölkerung gerade einmal zwei Millionen beziehungsweise 1,4 Millionen Menschen zählt, für die USA wichtig, um dem Vorwurf des Unilateralismus entgegentreten zu können. Und es geht nicht nur um die symbolische Unterstützung: Insgesamt stellen die Willigen über 10.000 Soldaten, durchaus eine Entlastung für die 130.000 Amerikaner und 7.400 Briten in Irak. Dafür, sagen Beobachter, sind die USA bereit zu zahlen.

Ein Beleg für diese Theorie ist, dass die Türkei bereits vor der endgültigen Entscheidung, ihrerseits 10.000 Soldaten nach Irak zu schicken, eine US-Kreditbürgschaft über 8,5 Milliarden Dollar erhielt. Weitere Gegenleistungen könnten in Form von Militärhilfe oder Investitionen in osteuropäische Staaten fließen, möglicherweise zu Lasten alter Verbündeter wie Deutschland und Frankreich, die den Irak-Krieg ablehnten.

"Ein ganz normaler Vorgang"

Auch bei der Vergabe von Aufträgen zum Wiederaufbau Iraks sind Unternehmen aus den Unterstützerländern im Vorteil. Ausgeschlossen sind offiziell zwar nur Länder, die das US-Außenministerium der Unterstützung terroristischer Aktivitäten verdächtigt. "Wir wollen, dass sich so viele Länder wie möglich am Wiederaufbau beteiligen", betont eine Sprecherin der US-Zivilverwaltung in Bagdad. "Jeder, der über die notwendige Expertise verfügt, kann dazu beitragen."

Die bisherige Verteilung des Kuchens spricht jedoch eine andere Sprache. Während Polen, mit 2.400 Soldaten und einer eigenen Besatzungszone in Irak vertreten, 116 Zulieferer und Subunternehmen beim federführenden US-Konzern Bechtel registrieren konnte, beteiligen sich nur 24 französische Unternehmen am Wiederaufbau - trotz der weitaus größeren Wirtschaftskraft Frankreichs.

Auch in der irakischen Ölindustrie wollen die Polen mitmischen: 20 Unternehmen unterzeichneten im Juli mit der US-Firma Kellogg, Brown und Root eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit beim Wiederaufbau der Förderanlagen in Irak. Das "endgültige Ziel" Polens sei direkter Zugang zu Rohöl, sagte Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz.

"Bestechung ausländischer Politiker" oder diplomatische Routine?

Was der oppositionelle US-Senator Edward Kennedy letzte Woche als "Bestechung ausländischer Politiker" bezeichnete, ist nach Ansicht von Militärexperten diplomatische Routine. "Das ist ein ganz normaler Vorgang beim Schmieden einer Koalition", sagt der ehemalige US-Diplomat James Lewis, der heute beim Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington arbeitet. Diplomatie bedeute nichts anderes als das Anbieten "einer Schüssel Süßigkeiten, die den Leuten hilft, die Vorhaben der USA mitzutragen."

Jim Krane