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Irak: Experte macht Firma der Entführten Vorwürfe

Die Informationen aus dem Auswärtigen Amt über die Entführung der beiden Deutschen im Irak fließen nur spärlich. Es mehren sich die Stimmen, die der Firma der Opfer Mitschuld an der Geiselnahme geben.

Noch immer herrscht Unklarheit über die Hintergründe der Entführung zweier deutscher Ingenieure im Irak. "Es gibt noch keinen neuen Sach- und Erkenntnisstand", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Die Bundesregierung halte auch deswegen mit Äußerungen zurück, um die Kontaktaufnahme mit den Kidnappern nicht zu gefährden.

Steg appellierte zudem an die Medien, mit Rücksicht auf das Leben der Entführten zurückhaltend und mit Augenmaß zu berichten. Das entspreche auch dem Wunsch von Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ein zurückhaltender Umgang mit solchen Fällen habe in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass Behörden und Experten ihre Arbeit am Ende erfolgreich hätten erledigen können, sagte Steg.

Merkel verfolge die neuen Entführungsfälle mit "großer Sorge". Die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Leben der beiden Deutschen zu sichern und eine Freilassung zu erreichen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Regierung sei entschlossen, die Geiseln möglichst schnell und gesund in Sicherheit zu bringen. Dies habe oberste Priorität.

Bernd Schmidbauer, früherer Geheimdienst-Koordinator und in dieser Funktion verantwortlich für die Befreiung deutscher Entführungsopfer, beobachtet die Geiselnahme mit Sorge. Dass die Männer wenige Wochen nach der Osthoff-Entführung verschleppt worden seien, könne auf politische Motive der Täter deuten, so der CDU-Politiker in der ARD.

Geiselnehmer mit politischem Hintergrund gelten als unberechenbar und schrecken zur Durchsetzung ihrer Ziele auch nicht vor Mord zurück. So wird die Terrorgruppe um den weltweit gesuchten Top-Terroristen Abu Musab al Sarkawi für mehrere Enthauptungen von Entführten verantwortlich gemacht. Wie etwa im Mai 2004, als der US-Zivilist Nick Berg in irakischer Geiselhaft vor laufender Videokamera geköpft wurde.

"Man muss damit rechnen, dass eine Entführung stattfindet"

Schmidbauer machte zudem auch die beiden Deutschen für ihre Entfühung mitverantwortlich. Sie hätten die Warnungen des Auswärtigen Amtes ignoriert, nicht in den Irak zu reisen. "Dann muss man damit rechnen, dass eine Entführung stattfindet."

Kritisch äußerte sich Schmidbauer zur Debatte über Lösegeldzahlungen an Entführer. "Wir sind nicht erpressbar. Und es ist auch nie Lösegeld in dieser Form gezahlt worden." Das müsse in die Region vermittelt werden. Mehrere Medien hatten berichtet, im Fall Osthoff sei ein hoher Betrag gezahlt worden. Die Bundesregierung lehnt dazu aus grundsätzlichen Erwägungen jede Stellungnahme ab.

Unterdessen hat sich die Freundin einer der Verschleppten zu Wort gemeldet. Die Lebensgefährtin von René Bräunlich, wünsche sich, dass die Entführer den Vater ihres Sohnes am Leben lassen, "dass er einfach wieder nach Hause kommt", sagte Sindy Brost dem Fernsehsender N 24. Brost lebt mit dem Industriemechaniker zusammen. Sein Name sowie der des anderen Opfers, Thomas Nitzschke, wurden bislang noch nicht offiziell bestätigt.

Auch der Geschäftsführer der Cryotec Anlagenbau, Peter Bienert, Chef von Bräunlich und Brost, hat den Angehörigen der im Irak entführten Mitarbeiter sein Mitgefühl ausgesprochen. "Unsere Gedanken sind bei unseren Mitarbeitern und deren Angehörigen", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Firma habe Kontakt zu den Familien der Beschäftigten und werde alles unternehmen, um den Krisenstab des Auswärtigen Amtes zu unterstützen.

Vorwürfe gegen Cryotec kommt vom Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler. Dem Hörfunksender MDR Info, sagte er, das Auswärtige Amt habe immer wieder sehr ernste Reisewarnungen gegeben. "Es liegt eine hohe Verantwortung bei denen, die diese zwei Techniker da hingeschickt haben und sie ohne Schutz dort haben arbeiten lassen", sagte der SPD-Politiker.

Die Bundesregierung sei verpflichtet, entführte Deutsche zu befreien, betonte Erler. "Es ist eindeutig so, dass eine Hilfsverpflichtung des Staates besteht, unabhängig davon, ob eine Person Fehler gemacht oder sich leichtsinnig verhalten hat. Erst in zweiter Linie kann die Frage gestellt werden, wo die eigene Mitverantwortung liegt."

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters