HOME

Irak: Keine Entspannung in Sicht

Die Gefechte der Besatzungstruppen mit irakischen Aufständischen fordern immer mehr Oper. Indes wurden einige ausländische Zivilisten von Milizionären als Geiseln genommen.

Mit der Geiselnahme mehrerer Ausländer wollen Aufständische im Irak den Abzug von Besatzungstruppen erzwingen. Schiitische Milizionäre brachten mehrere Ortschaften im Mittel- und Südirak unter ihre Kontrolle. Im sunnitischen Westirak starben bei Gefechten zwischen US-Truppen und Aufständischen mehrere Menschen. Alleine in Falludscha sollen seit Beginn der US-Offensive Anfang dieser Woche mindestens 280 Iraker getötet worden sein.

Verschiedene Geiselnahmen

Neben drei Japanern sollen unter den ausländischen Geiseln nach israelischen Medienberichten auch zwei israelische Araber sein. Nach anderen Angaben handelt es sich bei einer dieser Geiseln um einen Kanadier syrischer Herkunft. El Dschasira meldete, ein britischer Zivilist sei ebenfalls entführt worden. Das Außenministerium in London erklärte, ein 37 Jahre alter Brite, der für eine Firma auf einer US-Luftwaffenbasis in Nasirija gearbeitet habe, werde seit Dienstag vermisst. Ob er entführt wurde, konnte das Ministerium nicht sagen. Sieben Südkoreaner, die von Unbekannten verschleppt worden waren, kamen nach einigen Stunden wieder frei.

El Kut unter Schiiten-Kontrolle

Die US-Armee räumte am ein, dass Schiiten-Milizen inzwischen die mittelirakische Stadt El Kut sowie die Innenstadt von Nadschaf kontrollieren. US-Kommendeur General Ricardo Sanchez sagte in Bagdad, die Koalitionstruppen bereiteten sich darauf vor, El Kut «unverzüglich» zurückzuerobern. Ukrainische Soldaten hatten sich am Mittwoch nach Kämpfen mit Anhängern des radikalen Schiiten-Predigers Muktada el Sadr aus der Stadt zurückgezogen. Nach Angaben irakischer Augenzeugen besetzte El Sadrs "Mahdi-Armee" am Donnerstag auch die Ortschaft el Musajib bei Kufa.

Powell übt sich in Zuversicht

US-Außenminister Colin Powell hat sich zuversichtlich geäußert, dass die US-Truppen den Aufstand in Irak niederschlagen werden. "Wir werden gewinnen", sagte Powell vor einem Senatsausschuss in Washington. Vergleiche der Lage in Irak mit dem Vietnam-Krieg wies der US-Außenminister zurück: "Irak ist kein Sumpf, der uns verschlingen wird." Der von dem schiitischen Geistlichen Muktada el Sadr angeführte Aufstand werde nur von einer Minderheit der Schiiten unterstützt.

Die Unterstützung dieser Minderheit sei allerdings "stark und beständig, und wir wollen nicht, dass sie anschwillt" sagte Powell. Die US-Kommandeure wollten el Sadrs El-Mahdi-Miliz deshalb so rasch wie möglich zerschlagen.

Annan äußert seine Sorge

UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich zutiefst besorgt über die drastische Verschlimmerung der Sicherheitslage. Er forderte die Besatzungsmächte zum Dialog mit allen irakischen Institutionen auf. In einer Erklärung, die sein Sprecher am Donnerstagabend in New York verbreitete, verlangte Annan "von den Betroffenen" Respekt für das internationale Recht, ganz besonders in Bezug auf den Schutz von Zivilisten in bewaffneten Konflikten. Die gegenwärtige Krise müsse durch intensivierte Bemühungen so schnell wie möglich beendet werden, verlangt Annan.

AP/DPA / AP / DPA