Irak-Krieg Keine Kampfpause im Irak


General Tommy Franks, Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak-Krieg, hat Berichte über eine angeblich geplante Kampfpause zurückgewiesen.

Keine Kampfpause

Vor Journalisten sagte General Franks am Sonntag im Hauptquartier der US-Streitkräfte in Katar, Berichte, bei der Offensive gegen die irakische Hauptstadt Bagdad werde eine möglicherweise sogar mehrwöchige Kampfpause eingelegt, seien schlichtweg unzutreffend. "Es ist einfach nicht der Fall", betonte Franks. Berichte aus dem Irak selbst ließen vielmehr erkennen, dass die Kampfhandlungen dort weiter gingen. "Sie gehen weiter im Norden, sie dauern an im Westen, sie gehen weiter in der unmittelbaren Umgebung von Bagdad."

Aus US-Militärkreisen war zuvor verlautet, es werde nicht nur eine Kampfpause von mehreren Tagen geben, sondern vor der erwarteten Bodenoffensive auf die irakische Hauptstadt könnten sogar noch bis zu 45 Tage verstreichen. Eine Begründung hierfür sei, dass zunächst die Nachschublinien der US-Streitkräfte im Irak gesichert werden müssten. Außerdem sei die irakische Gegenwehr im Augenblick noch viel zu stark.

Im Blick auf die irakischen Gegenangriffe erklärte General Franks, weder irakischer Widerstand noch Überfälle von bewaffneten Banden könnten den von Kuwait ausgehenden Transport von Nachschub und Proviant an die Front aufhalten.

Franks: "Bande von Halunken"

Franks sprach in diesem Zusammenhang von "Banden von Halunken", die irakische Städte wie Basra, Nassirija und Nadschaf besetzt hätten und die versuchten, die 400 Kilometer lange Nachschub-Route zu unterbrechen und die Bewohner dieser Orte zu terrorisieren. Den Nachschub zu unterbrechen sei ihnen aber bisher nicht gelungen. Im Gegenteil, der Nachschub rolle, und die Verständigung zwischen den US-Soldaten und der irakischen Bevölkerung in den Städten werde täglich immer besser, versicherte der US-General.

Auf die zu erwartende Dauer des Kriegs angesprochen antwortete Franks ausweichend. Das könne niemand sagen. Franks schloss zugleich nicht aus, dass der Krieg bis zum Sommer dauern könne. Ähnlich hatte US-Generalstabschef Richard Myers zuvor reagiert. Dieser hatte in einem BBC-Interview gesagt, die Armee könne sich im Irak durchaus noch etwas Zeit lassen und hinzu gefügt, der härteste Teil des Kriegs stehe überhaupt erst noch bevor. Nach Einschätzung von Militärexperten sind bei Häuserkämpfen, wie sie zur Einnahme großer Städte nötig sind, hohe Verluste bei den Truppen zu befürchten.

General Franks weist Kritik an Kriegs-Strategie zurück

Tommy Franks wies Kritik an seiner Strategie und Berichte über Gegensätze mit der zivilen Führung des Verteidigungsmininisteriums energisch zurück. Die bisherigen Fortschritte seien "bemerkenswert", betonte der General am Sonntag vor der Presse in Doha (Katar). Der Krieg verlaufe nach Plan. Die Alliierten legten auch keine Kampfpause ein. Trotz einzelner Probleme gebe es ausreichende Vorräte an Verpflegung und Munition.

Franks sagte, er habe vor den Bodenkämpfen nicht mehr Truppen gefordert. Er reagierte damit auf Medienberichte, wonach die Militärführung zusätzliche Soldaten verlangt und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dies verhindert habe. Rumsfeld habe den Krieg möglichst "billig" führen wollen, schrieb das Magazin "New Yorker". Der Minister sei damit ein großes Risiko eingegangen, zitierte die "Washington Post" aktive und pensionierte Offiziere.

Franks zieht positive Bilanz

Franks zog eine positive Bilanz des Feldzugs. Die Truppen hätten die wichtigen Ölfelder im Süden des Iraks gesichert, besäßen "Handlungsfreiheit" zu Lande und in der Luft, und die Verbündeten stünden 60 Meilen (96 km) vor Bagdad. Küste und Häfen des Iraks seien für Hilfslieferungen sicher. In Nordirak sei eine "massive terroristische Einrichtung" zerstört worden, sagte er unter Hinweis auf den Angriff auf die militante kurdische Organisation Ansar el Islam (Helfer des Islam) in Biyara.

Die im Norden des Irak gelandeten alliierten Truppen haben nach seinen Worten zusammen mit einer großen Zahl von Spezialkommandos das Wiederaufflammen historischer Fehden zwischen Türken und Kurden verhindert. Die Truppen seien zudem eine "ernste Bedrohung" für die irakischen Truppen.

Keine Vorhersage über Dauer des Krieges

Franks äußerte sich vorsichtig zu Spekulationen, dass der irakische Machthaber Saddam Hussein nicht mehr am Leben sei. Er wisse das nicht, doch habe er keine "glaubwürdigen Beweise" für eine übergeordnete Führung gesehen. Vorhersagen über die Dauer des Krieges wollte er nicht geben.


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