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Bürgerkrieg in Libyen: Misrata erneut unter schwerem Beschuss

Von Rückzug kann keine Rede sein: Die Truppen von Libyens Machthaber Gaddafi haben im hart umkämpften Misrata offenbar nur eine kurze Kampfpause eingelegt - nun liegt die Rebellenbastion wieder unter schwerem Feuer der Regierungstruppen.

Nach dem Rückzug der Regierungssoldaten ist die libysche Rebellenbastion Misrata nach Angaben der Aufständischen erneut unter schweren Beschuss geraten. Die Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi hätten in den frühen Morgenstunden mit der Bombardierung der westlichen Stadt begonnen, sagte ein Rebellensprecher. Ziel seien das Stadtzentrum sowie drei Wohnviertel gewesen. "Die Situation ist sehr gefährlich." Bei den erbitterten Kämpfen um die drittgrößte Stadt des nordafrikanischen Landes sindbereits Hunderte Zivilisten ums Leben gekommen.

Über die Lage in der in der hart umkämpften Stadt gibt es widersprüchliche Aussagen. Am Samstag hatten die Rebellen die Befreiung gefeiert, kurz drauf entgegnete der libysche Vizeaußenminister Chaled Kaim dagegen, Gaddafis Truppen hätten sich aus der rund 200 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Hafenstadt Misrata nicht zurückgezogen. "Sie haben lediglich ihre Operationen eingestellt", fügte er hinzu. Damit ist es nun offenbar vorbei.

"Misrata ist frei"

Zuvor hatten die libyschen Rebellen bereits die Befreiung der seit Monaten umkämpften Stadt ausgerufen. "Misrata ist frei", hatte ein Sprecher der Aufständischen zuvor in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur Reuters verkündet. Die Truppen von Gaddafi seien auf der Flucht aus der im Westen gelegenen drittgrößten Stadt des nordafrikanischen Landes.

Gefangen genommene Soldaten berichteten am Samstag zudem, ihnen sei am Freitag der Abzug befohlen worden. Ein verwundeter Soldat sagte, Rebellen hätten seine Einheit am Samstagmorgen beim Abzug angegriffen. Einer seiner Kameraden bejahte die Frage, ob die Regierung die Kontrolle über die drittgrößte Stadt Libyens verloren habe. Die Soldaten gehörten zu einer Gruppe von zwölf Gefangenen, deren Wunden in einem Krankenhaus behandelt wurden.

USA setzen Kampfdrohnen ein

Unterdessen haben die USA einen Militärschlag mit einer Kampfdrohne ausgeführt. Ein Pentagonsprecher wollte aber keine weiteren Einzelheiten nennen. US-Präsident Barack Obama hatte erst am Donnerstag grünes Licht für den Kampfeinsatz der ferngesteuerten unbemannten Flugzeuge vom Typ "Predator" gegen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi gegeben. Damit wollen die USA zum Schutz der Zivilbevölkerung beitragen.

Zwar waren bereits in den vergangenen Wochen bewaffnete US-Drohnen in Libyen eingesetzt worden, aber sie absolvierten lediglich Aufklärungsflüge. Mit den Angriffen nehmen die USA nun wieder aktiv an Kampfhandlungen teil, nachdem sie das Kommando über den Militäreinsatz an die Nato abgegeben und sich auf eine unterstützende Rolle beschränkt hatten.

Die Nato setzte ihre Luftangriffe währenddessen in der Nacht zum Sonntag fort. Die Hauptstadt Tripolis wurde seit dem Abend von mehreren schweren Explosionen erschüttert. In der gesamten Stadt war zudem Flugabwehrfeuer zu hören.

ben/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters