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Irak-Krieg: Saudi-Arabien droht mit Einmischung

Im Irak droht ein Stellvertreterkrieg: Saudi-Arabien hat angeblich angekündigt, die irakischen Sunniten in ihrem Kampf gegen die Schiiten unterstützen zu wollen. Derweil zögert US-Präsident Bush eine Entscheidung über seinen künftigen Irak-Kurs hinaus.

Bei einem Abzug der US-Truppen aus dem Irak könnte Saudi-Arabien einem Medienbericht zufolge die Sunniten des Golfstaates finanziell unterstützen, sollten diese gegen die Schiiten kämpfen. König Abdullah habe diese Erwägung dem US-Vizepräsidenten Dick Cheney vorgetragen, als dieser im vergangenen Monat in Riad zu Besuch gewesen sei, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf amerikanische und arabische Diplomaten. Vom US-Präsidialamt gab es zu dem Bericht zunächst keine Stellungnahme.

Saudi-Arabien - eine Bastion des sunnitischen Islams - ist ein enger Verbündeter der USA in deren Kampf gegen den Terror. Cheney war kürzlich in das Land gereist, um über die Lage im Irak sowie den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu beraten. Während der Gespräche mit dem US-Gast drückte König Abdullah der "Times" zufolge seine Ablehnung aus, was mögliche Gespräche zwischen den USA und dem überwiegend schiitischen Iran angeht. Unlängst hatten auch saudiarabische Geistliche im religiös motivierten Konflikt im Irak Partei ergriffen und weltweit zur Unterstützung der Sunniten aufgerufen. Der zunehmende politische Einfluss der schiitischen Gemeinschaft in der Region verursacht seit längerem Unruhe unter den Sunniten, die weltweit die überwältigende Mehrheit der Muslime ausmachen.

Bush zögert

US-Präsident George W. Bush will seine neue Strategie für den Irak erst im neuen Jahr verkünden. Auf die Frage, wann denn nach den verschiedenen amerikanischen Strategie-Papieren der US-Präsident eine mögliche Kursänderung verkünden werde, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, in Washington: "Nicht vor Neujahr."

Bush führt derzeit Gespräche mit Mitgliedern seiner Regierung über den künftigen Irak-Kurs. Die vom Kongress eingesetzte so genannte Baker-Kommission hatte vor einer Woche in ihrem Bericht eine Kursänderung in der Irak-Strategie empfohlen und die Irak-Politik Bushs deutlich kritisiert. Die Empfehlungen sind aber für Bush nicht bindend. Der US-Präsident selbst hatte zwei eigene Studien zur Lage im Irak in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen.

Immer mehr Anschläge

Die Lage im Irak ist unverändert, die Anschläge setzen sich fort. Erst am Dienstagmorgen riss ein Selbstmordattentäter in Bagdad 57 Tagelöhner mit in den Tod gerissen, die auf der Straße auf Arbeit gewartet hatten. Rund 150 weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als sich der Attentäter in seinem Auto inmitten der Hilfsarbeiter in die Luft sprengte. Regierungschef Nuri al-Maliki erklärte, Anhänger des alten Regimes von Präsident Saddam Hussein steckten hinter diesem und ähnlichen Anschlägen. Was in Bagdad geschehe, sei Teil des globalen Kampfes gegen den Terrorismus, "den man durchaus als dritten Weltkrieg bezeichnen kann", fügte Al-Maliki hinzu.

Es war bereits das achte Mal seit dem Kriegsbeginn 2003, dass Terroristen diesen Platz im Bezirk Bab al-Scharki angriffen. Dort versammeln sich schon seit den 60er Jahren an jedem Werktag von 6.00 Uhr an Hilfsarbeiter. Gruppen von Tagelöhnern und Besucher von Imbissrestaurants werden von den Terroristen besonders häufig als Anschlagziel ausgewählt, weil sie nicht gut geschützt sind. Die meisten anderen Orte in Bagdad, an denen sich Menschen versammeln, sind inzwischen mit Wächtern, Barrieren und Stacheldraht gesichert.

DPA / DPA