Irak-Krieg Wieder ein Kriegsgrund weniger


Der Irak-Krieg ist das Top-Thema im US-Wahlkampf. Nun hat Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eingestanden, dass es keine Verbindung zwischen Sadam Hussein und dem Al-Kaida-Netzwerk gegeben habe. Damit ist ein weiterer Kriegsgrund widerlegt.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sieht entgegen früheren Aussagen keine engen Verbindungen zwischen der Extremistengruppe al Kaida und der gestürzten irakischen Regierung. Derartige Verbindungen waren von der US-Regierung als einen Grund für den Irak-Krieg genannt worden. "Soweit es mir bewusst ist, lagen mir keine starken, harten Beweise für eine Verbindung zwischen den beiden vor", sagte Rumsfeld am Montag dem Rat für Auslandsbeziehungen in New York. Zum Kriegsgrund befragt sagte Rumsfeld, es sei wichtig gewesen zu verhindern, dass die Regierung von Saddam Hussein an Massenvernichtungswaffen gelange. Vor dem Krieg hatten die USA erklärt, der Irak verfüge bereits über derartige Waffen.

"Ich habe jüngst einen Geheimdienstbericht gelesen über eine Person mit Verbindungen zur al Kaida, die im Irak ein- und ausgegangen ist", sagte Rumsfeld dem Rat. "Das ist eine unglaublich gequälte Darstellung, warum er eine Beziehung (zum Irak) hätte haben können und warum er keine Beziehung hätte haben können." Dies sei vielleicht nicht gerade ein Beispiel für eine enge Beziehung. Auch innerhalb des Geheimdienstes gebe es Meinungsverschiedenheiten, wie die Beziehung Irak-al-Kaida ausgesehen habe.

"Und wenn ich Kontakte sage, meine ich zwischen dem Irak und al Kaida"

Am 26. September 2002 hatte Rumsfeld dagegen Journalisten im Pentagon erklärt: "Uns liegen nach unserer Einschätzung sehr verlässliche Berichte über hochrangige Kontakte vor, die ein Jahrzehnt zurückreichen sowie über ein mögliches Training mit chemischen und biologischen Stoffen. Und wenn ich Kontakte sage, meine ich zwischen dem Irak und al-Kaida." Weiter sagte er damals: "Wir haben unserer Einschätzung nach glaubwürdige Beweise, dass Anführer der al Kaida sich um Kontakte im Irak bemüht haben, die ihnen beim Erwerb der Fähigkeiten für (den Bau von) Massenvernichtungswaffen helfen könnten."

Eine US-Untersuchungskommission hatte im Juli festgestellt, dass es keine Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen der Gruppe des Moslem-Extremisten Osama bin Laden und dem Irak bei den Anschlägen am 11. September 2001 gegeben habe. Auch gebe es keine Anhaltspunkte für eine irakische Beteiligung an den Anschlägen. Der Irak-Krieg gehört zu den wichtigsten Themen im US-Wahlkampf vor der Präsidentenwahl Anfang November.

Rumsfeld weiß nicht, warum Geheimdienstinformationen falsch waren

Auf die Frage des Rates nach dem wichtigsten Grund für den Irak-Krieg sagte Rumsfeld am Montag, "US-Präsident George W. Bush habe die Einschätzung getroffen, dass Saddam ein Regime geleitet habe, das Massenvernichtungswaffen gegen sein eigenes Volk sowie seine Nachbarn eingesetzt habe und dass es wichtig sei, dieses Regimes abzusetzen, bevor sie sich entweder selbst Massenvernichtungswaffen aneigne oder sie an Terror-Netzwerke weitergebe." Rumsfeld räumte ein, dass keine derartigen Waffen im Irak gefunden worden seien. Er wisse nicht, warum die Geheimdienstinformationen falsch gewesen seien, sagte er. "Aber mit Saddam Hussein im Gefängnis statt an der Macht geht es der Welt sehr viel besser."

Reuters/AP AP Reuters

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