Irak-Krise Amerikaner schnappen Saddams Vize


Den Amerikanern ist ein weiterer dicker Fisch aus dem engsten Führungszirkel Saddams ins Netz gegangen. Die Lage bleibt aber weiter äußerst angespannt, es gab massive Terrordrohungen.

Einer der wichtigsten Vertreter des früheren Saddam-Regimes im Irak ist gefasst. Nach Meldungen des arabischen TV- Senders El Dschasira vom Dienstag wurde der langjährige Stellvertreter von Ex-Präsident Saddam Hussein, Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, am Vortag in der nordirakischen Stadt Mosul festgenommen.

Als Beduine verkleidet

Mitglieder der Patriotischen Union Kurdistans hätten den 65-Jährigen, der aus Mosul stammt und der sich als Beduine verkleidet habe, ohne amerikanische Hilfe gestellt. Ramadan sei vor der Festnahme etwa zwei Wochen lang beobachtet, erklärte ein PUK-Sprecher dem Sender. Er sei mit einem Hubschrauber in ein US-Gefängnis in Bagdad gebracht worden. Eine Bestätigung der US-Armee gab es zunächst nicht. Ramadan habe sich in Mosul zusammen mit zahlreichen Familienmitgliedern und Freunden versteckt.

Damit sind vom engsten Führungszirkel des früheren Regimes nur noch Saddam Hussein, dessen Cousin und langjähriger Innenminister Ali Hassan el Madschid sowie der Stellvertreter im Revolutionären Kommandorat, Isset Ibrahim el Duri, auf der Flucht. Der 65-jährige Ramadan galt als Hardliner im Regime von Saddam Hussein und war lange Jahre dessen rechte Hand. Er steht an 20. Stelle der 55 meistgesuchten Iraker und war die Karo 10 im US- Kartenspiel mit den Fahndungsfotos der Gesuchten.

Massive Terrordrohungen Die Lage im Irak bleibt weiter äußerst angespannt. Nachdem am Sonntag ein dänischer Soldat umgekommen war, gab es jetzt massive Terrordrohungen von militanten Gruppen. Am Montag forderte eine mutmaßlicher El-Kaida-Mann in einer Tonbandaufnahme Muslime auf, die US-Armee im Irak zu bekämpfen. Das Band war in Pakistan aufgetaucht. Heute wurde eine zweite Terrordrohung veröffentlicht. Eine militante Gruppe hat zu Angriffen auf US-Amerikaner, Juden und Geschäftsleute aufgefordert. Die unabhängige Tageszeitung «Schiraa» (Segel) veröffentlichte am Dienstag einen entsprechenden Drohbrief der bislang unbekannten Gruppe «Männer des irakischen Widerstandes». Die Mitglieder bezeichnen sich darin selbst als Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein. Sie werfen US-Präsident George W. Bush vor, mit dem Krieg gegen den Irak Hass und Terrorismus gesät zu haben.

Die bewaffneten Angriffe würden sich gegen US-Amerikaner, Juden, Geschäftsleute und ausländische Firmenmitarbeiter richten, heißt es weiter. Die Gruppe drohte auch mit Anschlägen auf den Konferenzpalast in Bagdad, in dem die US-Zivilverwaltung und der Provisorische Übergangsrat ihre Pressekonferenzen abhalten. Als weitere Ziele werden Hotels mit Ausländern sowie Paläste und Gästehäuser des früheren Regimes genannt, in denen zurzeit die US-Armee und die Zivilverwaltung Quartier bezogen haben.

Strategiewechsel militanter Gruppen

Im Irak hat sich in den vergangenen Tage ein Strategiewechsel militanter Gruppen angedeutet. Bislang hatten sich die Anschläge vor allem gegen US-Soldaten und Angehörige der alliierten Truppen gerichtet. Zuletzt wurden die Angriffe und Sabotageakte aber auch auf so genannte weiche Ziele ausgeweitet. Dazu gehören beispielsweise Botschaften sowie die zivile Infrastruktur.

Am Wochenende waren bei Sabotageakten unter anderem eine Hauptwasserleitung in Bagdad und die Erdölexportleitung in die Türkei beschädigt worden. Nach Angaben von US-Zivilverwalter Paul Bremer entsteht dem Irak damit ein Einnahmeausfall von sieben Millionen US-Dollar am Tag. Die US-Zivilverwaltung und der Provisorische Übergangsrat machen für die Anschläge und Sabotageakte Anhänger von Saddam Hussein, frühere Geheimdienstmitarbeiter und Mitglieder der Baath-Partei, ausländische Terroristen sowie gewöhnliche Kriminelle verantwortlich.

Besatzungstruppen bekämpfen

In einer in Pakistan aufgetauchten Tonbandaufnahme hat ein mutmaßlicher El-Kaida-Aktivist Muslime in aller Welt aufgerufen, die Besatzungstruppen in Irak zu bekämpfen. Der Aufruf wurde am Montag vom arabischen Fernsehsender El Dschasira ausgestrahlt. Auch die Nachrichtenagentur AP hatte das Tonband im Freitag in Pakistan erhalten. Der Sprecher gibt sich als Abdur Rahman el Nadschdi aus, ein von den USA gesuchtes El-Kaida-Mitglied. Sollte die Botschaft echt sein, so wäre sie die erste, in der El Kaida zum Kampf in Irak aufruft.

„Wir hatten erwartet, dass die irakische Regierung drei bis sechs Monate durchhalten würde, und in dieser Zeit hätten Mudschaheddin aus der ganzen Welt Irak erreichen können. Aber die Regierung fiel schneller, als wir erwartet hatten„, heißt es in der Aufnahme. Der Sprecher ruft die Einwohner der Nachbarländer Iraks auf, „über die Grenze zu gehen und den irakischen Mudschahedin zu helfen„. Zudem sollten sie helfen, das mit den USA verbündete saudi-arabische Königshaus zu stürzen. „O Muslime, wo immer ihr seid, macht euch bereit für Dschihad und kommt nach Irak und Saudi-Arabien

DPA

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