Irak-Krise Enthauptung statt Erschießung


Offenbar gibt es - außer der maximalen Schockwirkung - einen Grund dafür, dass die Terroristen im Irak ihre Opfer nicht erschießen, sondern enthaupten. Ihre Taten sollen im Sinne islamischen Rechts als legitim erscheinen.

Das Ergebnis ist in beiden Fällen der Tod eines unschuldigen Zivilisten. Dennoch verbreitet die Enthauptung ausländischer Geiseln durch islamische Extremisten im Irak und in Saudi-Arabien noch weit größeren Schrecken als ein Kopfschuss auf offener Straße. Wahrscheinlich ist dieser psychologische Effekt auch ein wichtiger Grund dafür, dass sich Fanatiker wie die Gruppe El Tawhid wa el Dschihad, die sich im Irak zur Enthauptung des Südkoreaners Kim Sun Il und des Amerikaners Nick Berg bekannt hat, ebenso für diese grausame Methode entschieden haben wie die aus dem El-Kaida-Umfeld stammenden Mörder des Amerikaners Paul Johnson in Saudi-Arabien.

Denn als Druckmittel zur Durchsetzung politischer Forderungen können die Islamisten die Geiselnahme mit anschließender Enthauptung nicht ernsthaft eingesetzt haben. Dafür waren ihre Forderungen zu unrealistisch. Selbst wenn sich die saudiarabische Führung zur Freilassung Dutzender Extremisten bereit erklärt hätte, die zweite Forderung der Johnson-Geiselnehmer - alle Nicht-Muslime sollten sofort die Arabische Halbinsel verlassen - wäre schon praktisch unerfüllbar.

Enthauptung als Mittel im Kampf gegen "Ungläubige"

Doch es gibt noch einen zweiten Grund dafür, dass die Terroristen ihre Opfer nicht erschießen und ihnen stattdessen wie Opferlämmern die Kehle durchschneiden. Denn die Enthauptung wird als Mittel im Kampf gegen "Ungläubige" und als Hinrichtungsmethode in mehreren Schriften über die Frühzeit des Islam erwähnt. Und die Extremisten legen schließlich großen Wert darauf, ihre Taten als legitim im Sinne des islamischen Rechts darzustellen. So heißt es etwa in einer "Philosophie des Heiligen Krieges", die auf einer Extremisten-Seite im Internet zu finden ist, zum Umgang mit Gefangenen: "Der Imam (Prediger) hat die Wahl (den erwachsenen männlichen Gefangenen) köpfen zu lassen oder ihm einen Arm und ein Bein abzutrennen."

Die arabischen Regierungen und islamischen Religionsgelehrten, die die Geiselmorde in den vergangenen Tagen verurteilt haben, stoßen sich denn auch nicht an der Methode der Terroristen. Sie argumentieren vielmehr, dass der Islam das Töten von Gefangenen generell nicht erlaubt. Selbst diejenigen, die sich auf die Interpretation der Extremisten einlassen, wonach ausländische Zivilisten in Saudi-Arabien oder im Irak als Gefangene betrachtet werden können, sprechen den Terroristen jede Legitimität ab. "Der Islam ruft zur Gerechtigkeit auf und fordert, Mitleid und Gnade bei der Behandlung von Gefangenen zu zeigen", betonen Religionsgelehrte des angesehenen Kairoer Islam-Instituts Al-Azhar.

"Barbarischer Akt"

"Wir schämen uns, weil diese Terroristen diesen abstoßenden und unmenschlichen Akt im Namen unserer Religion und Kultur begangen haben", erklärt der Informationsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Abdullah bin Said Al Nahjan, nach der Ermordung des Amerikaners in Riad. Die jordanische Regierung spricht von einem "barbarischen Akt" und verweist darauf, dass Abu Mussab el Sarkawi, dessen Gruppe für die Enthauptung des Südkoreaners verantwortlich sein soll, in Jordanien bereits vorher in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden sei.

Anne-Beatrice Clasmann/DPA DPA

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