Irak Sturm auf Falludscha


Der Angriff auf Falludscha hat begonnen. Irakische Soldaten und US-Marineinfanteristen nahmen das Zentralkrankenhaus und zwei Euphrat-Brücken ein. Die härtesten Kämpfe stehen noch bevor.

Die "New York Times" schrieb in ihrer Internetausgabe, US-Soldaten hätten am späten Sonntagabend und am frühen Montagmorgen zudem andere wichtige Ziele in dieser "ersten Phase der lange erwarteten Invasion der Stadt" unter ihre Kontrolle gebracht. Bis zu 15 000 US-Soldaten und irakische Truppen belagerten Falludscha, schrieb das Blatt weiter.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtete in der Nacht zum Montag unter Berufung auf Beamte des Verteidigungsministeriums in Washington, dass die Besetzung der Klinik den Beginn der geplanten Offensive zur Eroberung Falludschas darstelle. Jedoch sei unklar, ob die Erstürmung der Stadt selbst in den nächsten Stunden beginnen werde, hieß es bei CNN weiter. Dazu wollten sich die Beamten des Pentagon, die anonym bleiben wollten, nicht äußern. Sie erklärten die Besetzung Krankenhauses sei eines der ersten Ziele der Offensive gewesen.

Zweistündiger Beschuss des Krankenhauses

Der britische Fernsehsender BBC meldete, die Soldaten seien ein Stück weit in den Westteil der Stadt vorgestoßen. Das US-Militär gehe davon aus, dass die härtesten Kämpfe noch bevorstünden. BBC zeigte Bilder von bewaffneten und maskierten Rebellen.

Die Truppen seien am Sonntag gegen 21.00 Uhr im Süden und Westen auf Falludscha vorgerückt, schrieb die "New York Times". Nach rund zweistündigem Beschuss durch Panzer, Artillerie und Flugzeuge vom Typ AC-130, die mit schweren Maschinenkanonen bewaffnet sind, hätten US- Spezialeinheiten und irakische Soldaten das Krankenhaus eingenommen.

Aufständische wehren sich mit Mörsergranaten und Maschinengewehren

Die Korrespondentin des US-Fernsehsenders CBS, die mit den US- Truppen unterwegs ist, berichtete die Soldaten würden aus der Stadt mit Mörsergranaten und Raketen beschossen. Die Soldaten rückten im Schutze der Dunkelheit vor und versuchten Sprengfallen zu umgehen. Dutzende Explosionen seien in der Stadt zu hören. Ziele in der Stadt seien mit Leuchtkugeln markiert worden. Die Rebellen setzten Maschinengewehre ein.

Starke US-Verbände hatten im Vorfeld der seit langem erwarteten Offensive gegen die Rebellenhochburg Positionen in den Außenbezirken der Stadt eingenommen. Alle Zufahrtswege waren abgeriegelt worden. In der Stadt werden bis zu 5000 Aufständische vermutet. Auch der jordanische Topterrorist Abu Mussab al-Sarkawi soll dort Unterschlupf gefunden haben.

Warnnung vor der Offensive

UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte vor einer Großoffensive gegen Falludscha gewarnt. In Briefen an die Regierungen in Washington und London sowie in Bagdad hatte Annan erklärt, die Erstürmung der Stadt könne den Zorn der Iraker weiter anfachen und die für Januar geplanten Wahlen unmöglich machen.

Am Sonntag hatte die irakische Übergangsregierung nach einem blutigen Wochenende mit über 60 Toten für zwei Monate den Ausnahmezustand ausgerufen. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ijad Allawi sagte am Sonntag in Bagdad, die Maßnahme gelte ab sofort im ganzen Land mit Ausnahme der drei Kurdenprovinzen im Norden. Die Regierung habe sich zu diesem Schritt entschlossen, da die Gewalt weiterhin zunehme und ihr mittlerweile täglich auch Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Über Einzelheiten und Auswirkungen des Beschlusses werde Allawi an diesem Montag genauer informieren, sagte der Sprecher weiter. Eine Ausgangssperre sei noch nicht erlassen worden.

DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker