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Irak: Zwei Deutsche vermisst

Das Auswärtige Amt hat bestätigt, dass zwei deutsche Sicherheitsleute der Bagdader Botschaft vermisst werden.

Das Auswärtige Amt hat bestätigt, dass zwei deutsche Sicherheitsleute der Bagdader Botschaft vermisst werden. Eine Sprecherin sagte, sie seien bereits vor einigen Tagen verschwunden. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Entführung.

Nach ARD-Informationen handelt es sich um Beamte der Sondereinheit GSG-9, die in einem Fahrzeug-Konvoi auf dem Weg von Amman nach Bagdad überfallen wurden. Danach sollen die beiden Deutschen bereits seit Mittwoch verschwunden sein. Andere Autos des Konvois sollen die Botschaft demnach später erreicht haben.

In der umkämpften irakischen Stadt Falludscha haben die US-Streitkräfte den Aufständischen eine beiderseitige Waffenruhe angeboten. Er hoffe, die Rebellen über die Öffentlichkeit zu einem Ende der Gewalt bewegen zu können, sagte US-General Mark Kimmitt in Bagdad. In Bakuba nördlich von Bagdad wurden nach Angaben der Streitkräfte mindestens 40 Iraker getötet.

Zu den blutigen Auseinandersetzungen sei es gekommen, nachdem Widerstandskämpfer am Freitagabend Granaten und Schüsse auf Behörden und eine Polizeistation abgefeuert hätten, berichtete ein Militärsprecher. Die Gefechte hätten sich schließlich über die gesamte Stadt ausgedehnt. Unter den Toten waren nach Krankenhausangaben mindestens elf Zivilisten, zudem wurden 35 Personen verletzt. Auch mehrere amerikanische Soldaten wurden verwundet.

Mindestens 460 tote Iraker in dieser Woche

In Falludscha beschoss ein US-Kampfhubschrauber mutmaßliche Stellungen von Aufständischen, ferner gab es schwere Artilleriegefechte. Der irakische Regierungsrat forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Ranghohe Politiker verhandelten in der Stadt mit den Aufständischen über ein Ende des Blutvergießens. Bei den Kämpfen dieser Woche kamen über 460 Iraker ums Leben, davon mehr als 280 allein in Falludscha. Zudem wurden fast 50 US-Soldaten getötet.

Kerbela soll verschont werden - noch

In der Stadt Kerbela wollten US-Truppen und Widerstandskämpfer während des Wochenendes auf Gefechte verzichten. Wegen der Feierlichkeiten zum El-Arbain-Fest halten sich hunderte Pilger in Kerbela auf.

Von den Geiseln keine Spur

Von den entführten ausländischen Geiseln fehlte weiterhin jede Spur. Die Entführer hatten am Donnerstag in einer Videobotschaft gedroht, die drei zu töten, wenn Japan seine Truppen bis (zum morgigen) Sonntag nicht aus Irak abziehe. Der radikale schiitische Geistliche Muktada el Sadr wies jegliche Verantwortung für die Geiselnahmen zurück. In der nordirakischen Stadt Kirkuk entführten Unbekannte drei irakische Sicherheitsleute, zwei weitere wurden getötet.

Zur Vorbereitung der Rettung der drei Geiseln entsandte Japan eine Sondereinheit in seine diplomatische Vertretung nach Jordanien. Rund 1.000 Demonstranten forderten in Tokio einen sofortigen Abzug der japanischen Truppen. Sollte Japan den Forderungen nachgeben, werde dies eine Welle weiterer Entführungen nach sich ziehen, warnte dagegen der australische Ministerpräsident John Howard. US-Vizepräsident Dick Cheney traf in Tokio ein, um erneut für die Irak-Koalition zu werben.

Blitzbesuch von Berlusconi

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi besuchte am Samstag die italienischen Truppen in Nassirijah, wie sein Büro mitteilte. Thailand kündigte an, seine Soldaten aus Irak möglicherweise abzuziehen, wenn den Soldaten wegen der schlechten Sicherheitslage keine humanitären Einsätze mehr möglich seien.

Harte Kritik an Bush

Der Nahost-Sonderbotschafter der früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George Bush senior, Dennis Ross, warf der Regierung von US-Präsident George W. Bush schwere Versäumnisse in Irak vor. In der "Stuttgarter Zeitung" sagte Ross, es zeige sich jetzt, dass Washington mit vielen falschen Einschätzungen in den Krieg gezogen sei. Durch die Entlassung aller irakischer Sicherheitskräfte sei zudem ein Vakuum entstanden, dass die US-Truppen nicht hätten füllen können.

AP/DPA / AP / DPA
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