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Iran nach US-Entscheid Eine brennende US-Flagge im Parlament und markige Worte für Donald Trump

Parlamentarier im Iran verbrennen eine US-Flagge aus Papier
Parlamentarier im Iran verbrennen am Tag nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen eine US-Flagge aus Papier
© Uncredited / AP / DPA
An Tag eins nach Trumps Exit aus dem Nuklearabkommen überwiegt im Iran die Sorge vor der Zukunft. Die konkurrierenden politischen Eliten des Landes haben indes begonnen, die Lage für ihre Zwecke auszuschlachten. 

Die Abgeordneten im grün vertäfelten Sitzungssaal des iranischen Parlaments fanden dramatische Gesten heute angebracht. Hinter dem Rednerpult setzten zwei Mitglieder des Majles mit einem Feuerzeug einen papierne US-Flagge in Brand. Neben ihnen legte ein Mullah mit weißem Turban Feuer an ein Stapel von Zetteln, der das Atomabkommen symbolisieren sollte. Dazu ertönten die immer gleichen Rufe durch die große Halle: "Marg bar Amrika, marg bar Amrika - Tod Amerika, Tod Amerika".

"Das Verbrennen der US-Flagge gehört zum Alltag in Iran und harsche Kritik an den USA ist seit Jahren ein Allgemeinplatz der iranischen Politik. Aber dies war das erste Mal, das im iranischen Parlament etwas verbrannt wurde", hielt der Korrespondent der Nachrichtenagentur AP nüchtern fest. Doch das wahre Drama spielte in den Wohnzimmern und Fabrikhallen, den Straßen und Moscheen des Landes.

An Tag eins nach Trumps Exit aus dem Nuklearabkommen überwiegt in Teheran die Sorge vor der Zukunft. Der Rial, die iranische Währung, die schon in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren hatte, fiel gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten jemals notierten Wechselkurs. Die Zukunft des 80-Millionen-Volks, ohnehin seit Jahren geplagt von Inflation und Massenarbeitslosigkeit, verdunkelt sich weiter.

Präsident Rohani um Schadensbegrenzung bemüht

Irans konkurrierende politische Eliten haben indes begonnen, die Lage für ihre Zwecke auszuschlachten. Der Chef der Revolutionsgarden gratulierte der Nation zum "teuflischen Ausstieg" der USA aus dem Nuklearabkommen. Kurz zuvor hatten mit Iran alliierte Houthi-Rebellen im Jemen vier Raketen auf die saudische Hauptstadt Riad abgeschossen. Patriot-Raketen aus US-Produktion fingen sie ab.

Irans Präsident Hassan Rohani wiederum bemühte sich in Schadensbegrenzung – in der Hoffnung, dass die noch möglich ist. Er will den Atom-Deal in den kommenden Wochen gemeinsam mit den Europäern, Russen und Chinesen auf eine neue Basis stellen und fortführen. Vom Erfolg dieser Verhandlungen hängt sehr wahrscheinlich seine politische Zukunft ab. Und möglicherweise auch der Kurs des Landes auf lange Sicht.

Ajatollah Ali Khamenei findet markige Worte

Denn der Machtkampf hinter den Kulissen in Teheran ist im Kern ein Kampf um die Nachfolge des greisen Obersten Führers, Ajatollah Ali Khamenei, der in allen politischen Fragen das letzte Wort hat. Spätestens seit Abschluss des Atomabkommens galt Rohani als aussichtsreicher Kandidat. Scheitert der Deal, sinkt sein Stern. Zur Freude der Hardliner.

Khamenei selbst scheint nicht mehr das Abkommen zu glauben. "Ich vertraue den Amerikanern nicht. Und den Europäern vertraue ich auch nicht. Wenn sie uns keine Garantien geben, können wir das Abkommen nicht fortführen." Seine markigsten Worte aber sparte er für den US-Präsidenten auf: "Der Körper dieses Mannes wird lange zu Asche geworden sein, zum Fraß für Würmer und Ameisen. Die Islamische Republik aber wird weiterbestehen."


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