Iran Atomforscher angeblich zur CIA übergelaufen


Der US-Geheimdienst spricht angeblich von einem "Coup" im Kampf gegen Teherans Atomprogramm: Schahram Amiri, iranischer Atomwissenschaftler, der vergangenes Jahr spurlos verschwand, arbeitet amerikanischen Medien zufolge nun für die CIA.

Ein im vergangenen Jahr während einer Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien verschwundener iranischer Atomwissenschaftler ist einem Medienbericht zufolge zum US-Geheimdienst übergelaufen. Wie der US-Fernsehsender ABC berichtet, ist Schahram Amiri mittlerweile für die CIA tätig. US-Geheimdienstler bezeichneten die Abwerbung demnach als "Coup" bei den Bemühungen Washingtons, das iranische Atomprogramm zu torpedieren. Die CIA habe Amiris Seitenwechsel von langer Hand geplant, berichtet ABC unter Berufung auf Geheimdienstkreise.

Laut ABC hatte die CIA bereits vor der Pilgerreise über einen Mittelsmann Kontakt zu Amiri aufgenommen und ihm eine Umsiedlung in die USA angeboten. Der Wissenschaftler habe dem Geheimdienst bereits wertvolle Informationen über das iranische Atomprogramm geliefert, berichtet der Nachrichtensender. Die CIA wollte sich dazu nicht äußern.

Teheran: US-Regierung hat Wissenschaftler verschleppt

Der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki hatte der US-Regierung im Herbst vorgeworfen, Amiri "verschleppt" zu haben. Dem Iran vorliegende Beweisstücke besagten, "dass die Amerikaner eine Rolle bei Schahram Amiris Entführung gespielt haben", sagte Mottakis damals laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Seiner Darstellung zufolge lieferte Saudi-Arabien den Wissenschaftler an die USA aus.

Amiri arbeitete bis zum Sommer für die Malek-Aschtar-Universität in Teheran, eine Hochschule, die den iranischen Revolutionsgarden nahesteht. Iranische Medien bezeichneten Amiri nicht als Atomwissenschaftler, sondern lediglich als Forscher oder Physiker. Die ultrakonservative iranische Zeitung "Dschavan" hatte im Oktober von einer Verwicklung der CIA in den Fall geschrieben. Saudiarabische Agenten verhörten Amiri demnach am 31. Mai bei seiner Ankunft am Flughafen. Drei Tage später habe er sein Hotel in Medina verlassen, ohne je zurückzukommen.

Weitere Sanktionen immer wahrscheinlicher

US-Präsident Barack Obama rechnet derweil damit, dass innerhalb weniger Wochen neue Sanktionen gegen den Iran beschlossen werden. Nach einem Gespräch mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy zeigten sich beide Politiker am Dienstag entschlossen, noch im Frühjahr eine Einigung über die Strafmaßnahmen zu erreichen. Von den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates ist vor allem China gegen Sanktionen. Das Land hat enge Wirtschaftsbeziehungen zum Iran.

Die Regierung in Teheran ist bislang nicht auf einen Kompromissvorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA eingegangen, atomaren Brennstoff im Ausland anreichern zu lassen. Damit soll der Bau von Atomwaffen durch den Iran verhindert werden. Das Land bestreitet indes die Absicht, an solche Waffen gelangen zu wollen.

Auch die Außenminister der G-8-Staaten verlangten mehr internationalen Druck auf Teheran. Sie riefen den Iran "auf eindringlichste Weise" zur Zusammenarbeit mit der sogenannten Sechsergruppe auf, die aus den fünf ständigen Sicherheitsratsmitgliedern und Deutschland besteht und die mit der Regierung in Teheran über das Atomprogramm verhandelt. Zum Abschluss des zweitägigen G-8-Treffens im kanadischen Gatineau erklärte Kanadas Chefdiplomat Lawrence Cannon am Dienstag, die Ministerrunde wolle den Dialog mit Teheran offenhalten, rufe aber auch die internationale Gemeinschaft dazu auf, "geeignete Schritte zu unternehmen, um den Druck auf den Iran zu erhöhen".

AFP/APN/Reuters Reuters

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