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Iranischer TV-Sender Aschtiani soll nicht gesteinigt werden


Neue Wendung im Fall Aschtiani: Die Steinigung der des Ehebruchs angeklagten Iranerin sei ein "symbolisches Urteil" gewesen, hieß es am Freitagabend in einer Sondersendung des staatlichen Senders Press TV. Auch Sakineh Mohammadi-Aschtiani selbst kam in dem Beitrag zu Wort - ob sie ihr Statement freiwillig gab, ist fraglich.

Die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilte Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani soll nach Darstellung des staatlichen iranischen Fernsehens nicht gesteinigt werden. Eine solche Strafe sei nicht vorgesehen, berichtete der Nachrichtensender Press TV am Freitagabend. "Das war 2006 ein symbolisches Urteil, das im Gericht auch nicht von allen Richtern bestätigt wurde", hieß es in einer Sondersendung zu dem Fall.

Mohammadi-Aschtiani räumte in der Sendung erneut eine außereheliche Beziehung zu einem Verwandten ein, dem sie auch geholfen habe, ihren Ehemann zu töten. Inwieweit das Geständnis erzwungen wurde, ist unklar. Die zweifache Mutter war 2006 verhaftet und zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Das Urteil löste weltweit heftige Proteste aus, Teheran hatte die Steinigung aber im Juli vorläufig ausgesetzt.

Der englischsprachige Sender wies darauf hin, dass die iranische Justiz 2005 befohlen habe, keine Steinigungen mehr vorzunehmen. Diese Anweisung sei aber bis zum Prozess gegen Mohammadi-Aschtiani nicht richtig in den Gesetzesrahmen integriert worden.

Aschtiani legt erneut Geständnis ab

Die weiterhin in der Stadt Täbris inhaftierte Aschtiani wurde von ihrem Sohn nach Hause begleitet, um die Aufnahmen für die Sendung zu machen. Dort wurde der angebliche Mord von Dezember 2005 nachgestellt, ein Schauspieler agierte als Aschtianis Mann. Auf den Videoaufnahmen erklärt die 43-Jährige, sie habe ihren Ehemann mit einer Spritze betäubt, anschließend habe ihr Liebhaber den Bewusstlosen mit einem Stromschlag getötet. Sie habe sich aber kurz nach dem Mord "wegen Gewissensbissen" der Polizei gestellt und ein Geständnis abgelegt. Danach sei der Liebhaber verhaftet worden, und auch er habe ein Geständnis abgelegt. Während des halbstündigen Programms wurden auch Interviews mit Aschtianis Sohn und ihrem Anwalt gezeigt. Es war bereits das vierte Mal, dass die Verurteilte im Fernsehen gezeigt wurde. Am Freitag war sie erstmals in ihrem Haus zu sehen, außerdem wurde zum ersten Mal ihr Gesicht gezeigt. Amnesty International verurteilte die Ausstrahlung des angeblichen Geständnisses, weil sie die internationalen Standards eines fairen Prozesses verletze.

Keine neuen Bilder von deutschen Journalisten

Von den beiden im Iran inhaftierten deutschen Journalisten gab es keine neuen Bilder. Man habe mit den beiden Männern eine halbe Stunde lang im Gefängnis reden können, sie hätten aber nicht vor der Kamera sprechen wollen, berichtete der staatliche Sender. Sie hätten bestritten, ein Interview mit dem Sohn und dem Anwalt von Mohammadi- Aschtiani geführt zu haben. Ein Foto zeige aber, dass dies nicht stimme. Das Bild zeigte einen deutschen Reporter angeblich im Büro des Anwalts mit einem eingeschalteten Rekorder.

Die Deutschen wurden in der Sendung als Opfer einer Kampagne der in Köln lebenden Menschenrechtlerin Mina Ahadi dargestellt. Ahadi habe auch das Interview mit dem Sohn von Mohammadi-Aschtiani arrangiert, hieß es. Ihm habe sie über den Anwalt ausrichten lassen, dass das Interview eine positive Auswirkung auf den Fall seiner Mutter haben würde. Deshalb habe er dem Interview trotz Bedenken zugestimmt.

Die beiden Journalisten, ein Reporter und ein Fotograf der "Bild am Sonntag", waren am 10. Oktober bei dem Versuch verhaftet worden, in der nordwestiranischen Provinz Aserbaidschan den Sohn und den Anwalt von Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Seitdem sitzen sie im Gefängnis der Provinzhauptstadt Täbris. Vor drei Wochen waren sie noch gemeinsam mit Mohammadi-Aschtiani im iranischen Staatsfernsehen vorgeführt worden.

Menschenrechtlerin Ahadi als Schuldige

Der Sender führte auch ein Interview mit dem Oberstaatsanwalt der Provinz Aserbaidschan, Mussa Khalolohai, der der iranischen Menschenrechtlerin Ahadi und ihrem ermordeten Ehemann unterstellte, als Mitglied einer linken militanten Kurdengruppe an dem Mord von über 2000 Zivilisten beteiligt gewesen zu sein. Laut Khalolohai habe sie versucht, über die westlichen Medien ihrer "Hetzkampagne gegen den Iran" mit dem Fall Mohammadi-Aschtiani eine neue Richtung zu geben. Ahadi habe außerdem Press TV in Köln ein Interview versprochen, dann aber die Telefonate des Senders nicht mehr beantwortet. Ahadi lebt seit 1996 in Deutschland, hat aber die österreichische Staatsbürgerschaft. 2001 gründete sie auch das Internationale Komitee gegen Steinigung.

Am Anfang der Sondersendung bei Press TV hieß es, dass "jede Angelegenheit zwei Seiten" habe und der Sender versuchen wolle, die Ereignisse im Fall Mohammadi-Aschtiani chronologisch zu rekonstruieren, um an die Wahrheit zu kommen. Laut Press TV sieht der Westen in der Frau eine Unschuldige, aber sie sei faktisch schuldig an der Ermordung ihres Mannes. Nach Meinung von Beobachtern war das Programm des englischsprachigen Satellitensenders, der als Sprachrohr des Irans für die Außenwelt gilt und kaum von iranischen Zuschauern verfolgt wird, eine Botschaft der Regierung an den Westen, die Frau nicht ohne Kenntnis der Fakten zu verteidigen und aus ihr keine Heldin zu machen.

mlr/DPA/APN DPA

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