Israel und die ermordeten Teenager Das Gesetz der Rache


Drei israelische Teenager sind ermordet worden, und Israel übt Vergeltung. Das kann es, weil der Mehrheit der Menschen in meinem Land Rache ebenso wichtig scheint wie Frieden.
Ein Gastbeitrag von Avi Albers Ben Chamo

Im Nahen Osten gibt es ein Gesetz aus der Antike, das bis heute eine große Rolle spielt: den Kodex Hammurapi, das Gesetz der Vergeltung.

Einen Tag nachdem bekannt wurde, dass die drei israelischen Teenager, die vor 19 Tagen im Westjordanland verschwunden sind, ermordet wurden, steht heute auf Facebook zu lesen, wie die Mehrheit der Menschen nach Rache schreit. Sie fordern eine harte, endgültige Reaktion auf das fürchterliche Sterben. Jetzt.

Neue israelische Stimmen

Ja, es gibt auch andere Stimmen, die neuen israelischen Stimmen, die sich schon länger auf das innere Israel konzentrieren, die die politische Situation kritisieren, die sich ständig verschlechternde Lebensqualität, eine Wirtschaft, die die Massen ausbeutet, um einige wenige reich zu machen. Diese Stimmen sind in den vergangenen Jahren lauter geworden. Sie haben zu Sozialprotesten geführt, und sie gehören Menschen aus allen Teilen der israelischen Gesellschaft. Aber sie sind noch immer nicht die Mehrheit.

Die Mehrheit will Drama. Das war schon immer so. Überall, nicht nur in Israel. Dicke Zeitungsschlagzeilen über Probleme in den Entwicklungsländern, Überschwemmungen in den USA, Gräueltaten im Irak - all das sind immer ein guter Kriegsersatz zum Kaffee am Morgen. Menschen lieben Adrenalin, der Konfrontationskurs liegt in den Genen. Die Zivilisation deckt es ab mit dünnem Vlies.

Der perfekte Mix aus Angst und Rache

Es wäre naiv, darauf zu warten, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu verspricht, von nun an alles dafür zu tun, um weitere Gewalt in der Region auf beiden Seiten zu verhindern. Netanjahu, so wie die Amerikaner in Irak, so wie die Vertreter der Waffenindustrie in den USA, in Israel, in Deutschland und so wie jeder Actionblockbusterregisseur in Hollywood, sie alle wissen, was die Mehrheit will. Und sie geben ihr Bestes, um uns tagtäglich ihren perfekten Mix aus Angst und Rache zu liefern. Damit die wahren Probleme, das, was zwischen uns und unseren Regierungen und deren Lobbyisten und was in unseren kleinen Leben, falsch läuft, verblassen.

An einem Tag wie diesem, während die meisten Israelis auf Facebook ihre Rachefantasien verbreiten, schweigen die oben erwähnten neuen Stimmen. Die Vergangenheit lehrt, dass die Mehrheit die Wahrheit nicht hören will. Nämlich dass Frieden weniger gut zu verkaufen ist. Sie interessiert sich deshalb mehr für die beruhigenden Versprechungen der Religion und den aufregenden Kampf für eine sogenannte bessere Zukunft.

Es hat 400 Jahre gebraucht, bis der Nordirlandkonflikt sich auf den heutigen Status-Quo abgekühlt hat. Ich hoffe, dass das 66-jährige Israel mit weniger auskommt.


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