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Israelische Reaktionen: "Ich bin froh, dass er tot ist"

Nach der Nachricht vom Ableben Jassir Arafats war für viele Israelis Freude das vorherrschende Gefühl. Israels Militärführung wies jedoch ihre Soldaten an, keine Freude über seinen Tod zum Ausdruck zu bringen.

Betont zurückhaltend bis kritisch hat Israel auf den Tod von Jassir Arafat reagiert. In vielen Erklärungen wurde der palästinensische Präsident für den Tod von Israels bei Terroranschlägen verantwortlich gemacht. Aus Sorge über mögliche Unruhen wurden die israelischen Truppen im Westjordanland und im Gazastreifen verstärkt und die Zugänge zu Israel abgeriegelt.

"Historischer Wendepunkt"

Ministerpräsident Ariel Scharon sprach in seiner Erklärung nur von einem "historischen Wendepunkt", ohne den Verstorbenen namentlich zu nennen. Er hoffe, dass die Palästinenser sich jetzt gemeinsam darum bemühten, "den Terrorismus zu stoppen". Dies sei eine Vorbedingung für weitere Schritte im Friedensprozess.

Nach den Worten von Außenminister Silwan Schalom ist Israel unter bestimmten Voraussetzungen bereit zur Wiederaufnahme eines Friedensdialogs mit den Palästinensern. Schalom sagte dem israelischen Armee-Rundfunk: "Wenn sie (die Palästinenser) eine Führung zulassen, die nicht den Pfad des Terrors unterstützt und die jene Verpflichtungen erfüllt, die die Palästinenser selbst übernommen haben...denke ich, dass sie eine israelische Regierung vorfinden werden, die bereit ist, Schritte auf sie zuzugehen und viele Dinge zu tun, um einen Dialog zu bekommen." In Israel war Arafat, der einst zusammen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Itzchak Rabin den Friedensnobelpreis erhielt, bis zuletzt als entscheidendes Friedenshemmnis bezeichnet worden.

"Korrupter Politiker"

Der ehemalige Regierungschef Ehud Barak, der in den USA vergeblich mit Arafat über einen Friedensvertrag verhandelte, beschrieb den PLO-Chef als einen korrupten Politiker. Dessen schwerste Sünde sei es gewesen, "die Seelen junger Palästinenser mit einem brennenden Hass auf Israel vergiftet zu haben". Jetzt hätten es die Palästinenser in der Hand, der Gewalt abzusagen und zu Verhandlungen zurückzukehren. Oppositionsführer Schimon Peres sagte: "Der größte Fehler Arafats war, sich dem Terror zuzuwenden." Seine größten Leistungen habe er beim Versuch vollbracht, Frieden zu schaffen.

Die Militärführung wies die israelischen Soldaten an den Kontrollstellen in den palästinensischen Gebieten an, keine Freude über den Tod Arafats zum Ausdruck zu bringen. Für viele Israelis war dies jedoch am Donnerstag offenbar das vorherrschende Gefühl. "Wenn ein Mörder am jüdischen Volk stirbt, ist dies ein Grund zum Feiern", sagte der 36-jährige Dani Rakoff. "Ich bin froh, dass er tot ist." Auch Justizminister Josef Lapid sagte über Arafat: "Ich habe ihn gehasst wegen des Todes tausender von Israelis." Und er habe ihn "gehasst, weil er nicht zugelassen hat, dass der Friedensprozess vorankommt." Von den Palästinensern ausgehend habe sich der Terror in der ganzen Welt ausgebreitet, sagte der Minister.

Friedensaktivist Avnery befürchtet Rückschlag

Der israelische Friedensaktivist Uri Avnery befürchtet nach dem Tod Arafats einen Rückschlag für den Nahost-Friedensprozess. Der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Donnerstagsausgabe) sagte Avnery, Arafats mögliche Nachfolger hätten nicht annähernd dessen Statur und moralische Autorität. Diese Autorität hätte es Arafat ermöglicht, sein Volk dazu zu bringen, einen Frieden mit Israel zu akzeptieren. "Ich sehe vorläufig keine Führung, die das zustande bringen kann."

Avnery, der 1982 während des Libanonkrieges als erster Israeli offiziell Kontakt zum damaligen Guerilla-Führer Arafat aufgenommen hatte, warf Israels Ministerpräsident Ariel Scharon zugleich vor, die zu erwartende Uneinigkeit bei den Palästinensern ausnutzen zu wollen. "Wenn Arafat nicht mehr da ist, wird Scharon hoffen, dass das palästinensische Volk nicht mehr im Stande ist, sich zu widersetzen. Da irrt er sich. Der Widerstand wird weitergehen."

AP / AP