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Italien: "Krieg via Internet"

In Italien wächst die Terrorangst. Das Terrornetzwerk Al Kaida verbreitet immer wieder neue Drohungenen im Internet. Furcht zu verbreiten ist zu einem wesentlichen Teil des Terror-Krieges geworden.

Im Wochenrhythmus drohen das Terrornetzwerk Al Kaida oder mit diesem in Verbindung gebrachte Gruppen derzeit Italien mit Anschlägen. Mal heißt es im Internet, Ministerpräsident Silvio Berlusconi stehe "ganz oben auf der (Feindes-)Liste". Mal wird ein Inferno wie am 11. September 2001 angekündigt. Jetzt stellte die "Brigade Abu Hafs al Masri" ein Ultimatum: Falls Rom nicht innerhalb von 15 Tagen seine Truppen aus dem Irak abziehe, gebe es eine "blutige Botschaft". Italien hat den Terror schon einmal verspürt: Im Herbst schlug ein Selbstmordkommando im Militär-Hauptquartier in Nassirija im Südirak zu - 19 Italiener starben. Das Grauen ist unvergessen.

"Wir haben unsere Zellen mobilisiert"

"Wir haben unsere Zellen in Rom und in anderen italienischen Städten mobilisiert", heißt es in der Erklärung der "Brigade" an die arabischsprachige Zeitung "Al-Quds Al-Arabi" in London. Zwar prüfen Experten derzeit noch die Echtheit der Drohung. Aber die Zeitung "La Repubblica" (Rom) schreibt, für "Ferragosto", den Feiertag am 15. August, sei bereits Alarm ausgelöst. Zumindest eines habe der "Krieg via Internet" erreicht: "Furcht zu verbreiten ist ein Faktor im Krieg gegen den Westen".

Zusätzliche Angst schürt die tödliche Bombenserie gegen christliche Kirchen im Irak. Der Vatikan ist fassungslos, zum ersten Mal seien im Irak gezielt Christen angegriffen worden. Ein römischer Kommentator meint: Christen würden zum "Sündenbock", weil islamische Fanatiker sie trotz der Friedenspolitik von Papst Johannes Paul II. einfach mit dem Westen und den Amerikanern gleichsetzten.

"Zentrum der Christenheit"

Geheimdienste in Rom warnen seit langem vor einem Angriff auf den Vatikan, das "Zentrum der Christenheit": Kaum ein anderes Gebäude sei so symbolträchtig wie die Kuppel des Petersdoms. Wer eine Messe auf dem Petersplatz besucht, muss Sicherheitskontrollen wie auf einem Flughafen über sich ergehen lassen, bei Großereignissen stehen Scharfschützen auf den Dächern, die Kanaldeckel werden versiegelt.

Ein neues Szenario des Grauens liefern die Geheimdienste in ihrem Bericht: Sie fürchten Chemiewaffen-Attacken. Dass potenzielle Terroristen bereits im Land sind, davon sind die Fahnder in Rom überzeugt. Besonders Mailand und Umgebung gelten als Hochburgen der islamischen Zellen, die Selbstmord-Attentäter in den Irak entsenden. Mehrfach gab es Festnahmen.

Italien steht fest an der Seite der USA

Hintergrund der Drohungen: Rom, wenn auch nicht am Feldzug gegen den Irak beteilt, steht fest an der Seite der USA. Stolz nannte Berlusconi US-Präsident George W. Bush seinen Freund, nach dem Krieg schickte er 3.000 Soldaten in den Irak. Und immer wieder betont Berlusconi: Einschüchtern lasse er sich nicht, dem Druck der Gewalt werde er sich nicht beugen.

Peer Meinert/DPA / DPA