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Fünf-Sterne-Bewegung und Lega: Der perfekte Schwiegersohn und der Scharfmacher - die Gewinner der Italien-Wahl

Die Parlamentswahl in Italien hat keinen klaren Sieger, aber mehrere Gewinner hervorgebracht. Die besten Ergebnisse haben wohl das Mitte-Rechts-Bündnis und die Fünf-Sterne-Protestbewegung erzielt. Die Spitzenfiguren Luigi Di Maio und Matteo Salvini im Porträt.

Der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung Luigi Di Maio (l.), und der rechte Lega-Chef Matteo Salvini

Der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung Luigi Di Maio (l.), und der rechte Lega-Chef Matteo Salvini

AFP / Getty Images

Populisten, Euroskeptiker und rechte Parteien haben bei der Parlamentswahl in Italien die meisten Stimmen auf sich vereint: Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung um Spitzenkandidat Luigi Di Maio wurde Teilergebnissen zufolge mit knapp 32 Prozent stärkste Partei. Das rechte Parteienbündnis von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi kommt demnach auf rund 37 Prozent, wobei die fremdenfeindliche Lega vor Berlusconis Forza Italia (FI) landete. Matteo Salvini, Chef der rechten Lega, hat damit Anspruch auf den Chefposten im Bündnis. Die beiden Gewinner des Abends im Porträt.

Luigi Di Maio - ein neuer Stern am Himmel

Wie der Spitzenkandidat einer Protestpartei sieht er eigentlich nicht aus: adretter Anzug und Krawatte, weiße Zähne, schwarzes Haar. Der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, wirkt eher wie der perfekte Schwiegersohn. Mit nur 31 Jahren hat er bei der Parlamentswahl in Italien die Sterne zur stärksten Partei gemacht. Er will als jüngster Ministerpräsident in der Geschichte des Landes in den Regierungspalast einziehen. Und das, obwohl viele Wähler ihn für einen Mann mit unklarem Profil hielten.

Di Maio ist das komplette Gegenteil des Parteigründers und Kabarettisten Beppe Grillo. Moderat und nicht auf Krawall gebürstet, so trat er im Wahlkampf auf. Das große "V" im italienischen Originalnamen MoVimento5Stelle steht für "Vaffanculo" - "Leck mich am Arsch". Doch Fluchen ist Di Maios Sache nicht. "Bei uns ist kein Platz für Leute, die Hassreden, eine rassistische, homophobe oder vorverurteilende Sprache benutzen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur einmal.

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Di Maio hat als Studienabbrecher mit Erfahrungen als Kellner und Steward im Fußballstadion eine typische Sterne-Karriere hingelegt: ungewöhnlich und wenig politisch. Gerne von seinen Gegnern wegen grammatikalischer Fehler hochgenommen, gelang ihm so der Aufstieg in der Anti-Establishment-Partei. Dennoch hielt sich der Vorwurf, dass er nur als Grillos "Marionette" vorgeschickt wurde und nicht das nötige Gewicht für das Amt eines Partei- und gar Regierungschefs hat.

2013 kam er ins Parlament und wurde dann zum stellvertretenden Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt, der jüngste in der Geschichte der Republik. International leistete er sich einen Fehltritt, als er Pinochet als Diktator Venezuelas statt Chiles bezeichnete. 

Innenpolitisch versuchte die Partei - die sich weder als links noch rechts positioniert - im Wahlkampf mit Di Maio auch konservativere Wähler zu erreichen. Di Maio, aufgewachsen in Neapels Vorort Pomigliano d'Arco, verkörpert diesen Wandel der Partei. Vor Unternehmern sagte er im Wahlkampf, dass die Fünf-Sterne-Bewegung nicht länger "populistisch" sei. Von einem Referendum über einen Verbleib Italiens in der Eurozone, eigentlich immer Versprechen der Sterne, rückte er ab.

Zwar sitzen die Sterne im Europaparlament mit Parteien wie der AfD in einer Fraktion. Di Maio sagte aber der dpa, von der Alternative für Deutschland und fremdenfeindlichen Parteien sei man "Lichtjahre" entfernt. Zu seinen politischen Vorbildern zählte er den als wenig aufregend geltenden spanischen Regierungschef Mariano Rajoy. Und in einem Interview bekannte er, dass seine Eltern hohe Erwartungen an ihn hatten, er aber "nicht besonders charismatisch" gewesen sei. 

Matteo Salvini, der Scharfmacher auf der Piazza

Es ist erst ein paar Jahre her, da machte sich Matteo Salvini alle naselang Feinde im italienischen Süden. Der Mailänder schimpfte über den "Gestank" der Neapolitaner, sagte, die Mentalität der Süditaliener sei Lichtjahre von der der Norditaliener entfernt. Seit er mit seiner Partei Menschen im ganzen Land mobilisieren will, sind nicht mehr die Süditaliener, sondern die Migranten Ziel seiner verbalen Attacken.

Der 44-Jährige unterzog die Anfang der 90er Jahren gegründete Separatisten-Partei Lega Nord einem grundlegenden Wandel. Nachdem der zweifache Familienvater 2013 Parteichef geworden war, nutzte er die aufkommende Flüchtlingskrise für seine politischen Ziele und wurde das Gesicht einer landesweiten rechten Bewegung. Vor der Parlamentswahl strich er das identitätsstiftende "Nord" endgültig aus dem Namen der Partei. Es ist auch Salvinis Verdienst, dass er die Partei von 4 Prozent (2013) ersten Hochrechnungen zufolge auf mehr als 17 Prozent hievte. 

Statt wie sein Verbündeter im Wahlkampf, Silvio Berlusconi, durch TV-Shows zu ziehen, stand Salvini lieber in Daunenjacke auf den Plätzen - den Piazze - des Landes: Er war wohl einer der umtriebigsten Politiker in den vergangenen Wochen. Nach eigener Aussage hielt er 3000 Kundgebungen ab und legte 15.000 Kilometer zurück. Und auch auf Facebook und Twitter verbreitete er seine spitzen Forderungen und radikalen Parolen: Sie reichen von "Invasion stoppen" bis zu "Niemals die Türkei in Europa". 

Der Blick auf Salvinis politische Freunde verrät, welchen Kurs er sich für Italien wünscht: Er nennt Ungarns umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orban sein Vorbild und freute sich als einer der ersten über den Wahlerfolg der AfD in Deutschland. Migranten sind für ihn "Kriminelle", der Islam eine Gefahr. Roma-Angehörige wollte er "mit dem Bagger" aus deren Siedlungen vertreiben. 

Salvini brach sein Geschichtsstudium ab und arbeitete als Journalist. Auf der politischen Bühne präsentiert er sich als einer, der durchgreift. Als katholischer Traditionalist, der auf die Bibel schwört, weil andere auf den Koran schwören. Als Bürgernaher, der die "Letzten in der Gesellschaft zu den Ersten" macht.

fin / DPA