Italienische Geiseln Berlusconis brisante Versprechen


Syrien soll geholfen haben, die zwei im Irak entführten Italienerinnen freizulassen. Dafür wollte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Syrern eine Art diplomatischen Ritterschlag erteilen - wovon er nun nichts mehr wissen will.
Von Luisa Brandel und Björn Erichsen

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Freilassungen der beiden italienischen Geiseln Simona Toretta und Simona Pari im Irak nur mit der Hilfe Syriens erreicht. Das berichtet die römische Zeitung "La Repubblica". Berlusconi soll in einem persönlichen Brief an den syrischen Staatschef Bashar Assad umfangreiche Zugeständnisse an das Land gemacht haben. Wie die Zeitung weiter schreibt, ist Syrien nun verstimmt darüber, dass der italienische Premier seinen Versprechungen nicht nachkomme.

Die angebliche Million Lösegeld wurde nie bestätigt

Die beiden italienischen Helferinnen der Organisation "Un ponte per" (Eine Brücke für) waren am 7. September gemeinsam mit zwei irakischen Mitarbeitern in Bagdad von einer Islamistengruppe entführt worden. Die Geiselnehmer forderten den sofortigen Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak, was die italienische Regierung abgelehnt hatte. Nach fast dreiwöchiger Geiselhaft und zahlreichen zum Teil widersprüchlichen Bekennerschreiben waren die beiden Frauen am 27. September von ihren Entführern wieder freigelassen worden und sind anschließend nach Rom zurückgekehrt. Kurz vor der Freilassung hat die kuwaitische Zeitung "al Rai al Aam" darüber berichtet, dass an die Entführer ein Lösegeld in Höhe von einer Million Dollar gezahlt worden sei. Eine derartige Zahlung ist von italienischer Seite allerdings nie offiziell bestätigt worden.

"La Repubblica" berichtet, dass Syrien dem italienischen Geheimdienst "Sismi" die entscheidenden Kontakte vermittelt habe, durch die eine Rückkehr der beiden Geiseln nach Italien möglich wurde. Als Gegenleistung habe Berlusconi eine Reihe von öffentlichen Erklärungen zugesichert, die von hoher politischer Brisanz wären, so sie denn stimmen: Er soll sich in dem Brief an Assad bereit erklärt haben einzugestehen, dass die Beteiligung Italiens am Krieg im Irak ein Fehler gewesen ist. Ebenfalls hätte er erklären wollen, dass es sich bei den radikalen Gruppen im Irak nicht ausschließlich um Terroristen handele, sondern auch um bewaffneten, religiösen Widerstand. Damit würde er die Taten der islamistischen Gruppen zumindest zum Teil legitimieren.

Angesichts des wachsenden innenpolitischen Drucks während der Entführung habe sich der italienische Ministerpräsident nicht nur hinsichtlich der Situation im Irak, sondern auch gegenüber Syrien zu weitreichenden Zugeständnissen hinreißen lassen, berichtet La Repubblica weiter. So habe er sich bereit erklärt, dass international weitgehend isolierte Syrien als "befreundetes Land" einzustufen und versprochen, sich bei der Uno einzusetzen, den Druck der internationalen Gemeinschaft auf Syrien zu verringern. Laut der UN-Resolution 1559 wird das Land dazu aufgefordert, seine Truppen aus dem Libanon abzuziehen.

Syriens Rolle im Libanon unangemessen

Berlusconi hat bisher keine Anstalten unternommen, seine Zugeständnisse einzulösen. Syrien drängt aber darauf, die Gegenleistung für die Freilassung der beiden italienischen Frauen nun zu erhalten. Würde sich Italien tatsächlich in auch nur einem dieser Punkte auf Damaskus zu bewegen, wären außenpolitische Spannungen garantiert: Vor einer Woche hatte US-Außenminister Collin Powell die Syriens Rolle im Nachbarland Libanon als "unangemessen" bezeichnet und sich zudem entschlossen gezeigt, den politischen Druck auf die Regierung in Damaskus zu erhöhen. Die vermeintlichen Zugeständnisse Berlusconis dürften daher für große Unruhe im italienisch-amerikanischen Verhältnis sorgen.


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