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Jahrestag des 11. September 2001: Trauer, Schmerz, Erinnerung

Angehörige, Präsident Barack Obama und sein Vorgänger George W. Bush haben der fast 3000 Opfer der Anschläge des 11. September 2001 gedacht. Ein Tag des Innehaltens.

Trauer, Schmerz, Erinnerung: Mit bewegenden Feiern haben die USA der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 gedacht. Höhepunkt war eine Zeremonie am Ground Zero in New York, wo die Namen aller 2977 Opfer verlesen wurden. Sechs Schweigeminuten markierten die grauenvollsten Augenblicke der Terrorattacken vor zehn Jahren. Im Zentrum der Feiern standen die Hinterbliebenen - nicht die Politik. Präsident Barack Obama verlas lediglich einen Psalm.

Vor zehn Jahren hatten islamistische Terroristen in einer Kommandoaktion vier Passagierflugzeuge entführt. Mit zwei Jets rasten sie in das World Trade Center und brachten beide Zwillingstürme zum Einsturz. Ein dritter Flieger stürzte auf das Pentagon. In einem Flugzeug leisteten die Passagiere Widerstand und brachten es bei Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania zum Absturz - später stellte sich heraus, dass die Entführer es ins Weiße Haus oder in den Kongress lenken wollten.

Stille Trauer ohne Pathos

Es war eine "stille Trauer" ohne falsches Pathos. Die Hinterbliebenen selbst verlasen die Namen der Toten. "Wir vermissen Dich. Wir lieben Dich. Es geht uns gut und unsere Kinder sind großartig, aber Du fehlst uns so", sagte ein Angehöriger. Auch Deutsche waren damals unter den Opfern. Jeder Name dauerte etwa eine Sekunde. Oftmals sprachen die Trauernden mit gebrochener Stimme, wischten sich Tränen aus dem Gesicht.

Politische Töne vor dem Pentagon

Politische Töne gab es dagegen bei einer Feier im Verteidigungsministerium (Pentagon) vor den Toren Washingtons, wo damals 184 Menschen starben. "Wir werden nicht aufhören, bis Al Kaida ... völlig zerstört ist", sagte Vize-Präsident Joe Biden vor Soldaten. Al Kaida habe damals "einen Giganten geweckt", sagte Verteidigungsminister Leon Panetta mit Blick auf den Anti-Terror-Kampf der USA.

Obama legte später auch einen Kranz in Shanksville nieder, wo es 40 Opfer gegeben hatte. Bereits am Vortag hatte Bush dort erklärt: "Die Lektion des 11. September ist, dass das Böse wirklich existiert - aber auch der Mut." Der Widerstand sei "eine der mutigsten Taten in der amerikanischen Geschichte".

Extreme Sicherheitsvorkehrungen

Zugleich war der Tag der Trauer von neuen Terrordrohungen überschattet. New York glich am Sonntag einer Stadt im Belagerungszustand. Auch in Washington gab es Straßensperren, U-Bahn-Passagiere wurden kontrolliert. Angeblich handelte es sich um eine Bedrohung mit Al-Kaida-Hintergrund.

Obama rezitierte in New York einen Psalm über das Gottvertrauen: "Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres". George W. Bush, der bei den Anschlägen vor zehn Jahren regierte, las aus einem tröstenden Brief seines fernen Amtsvorgängers Abraham Lincoln an eine Mutter vor, die im Bürgerkrieg fünf Söhne verloren hatte.

Beide Staatsmänner wurden in New York von ihren Ehefrauen Michelle und Laura begleitet. Zu Beginn sag ein Jugendchor die Hymne der USA. Gegen Ende sang der Musiker Paul Simon passend seinen Welterfolg von 1965 "The Sound of Silence" (Der Klang der Stille).

Gedenkpark eröffnet

Die Angehörigen der Opfer bekamen zum ersten Mal einen gemeinsamen Ort für ihre Trauer: Im Schatten des neu entstehenden gewaltigen Büroturms "1 WTC" wurde ein Gedenkpark eröffnet. Kern sind zwei quadratische Becken an den Stellen, an denen die Zwillingstürme standen. An ihren 60 Meter langen Kanten stürzt Wasser fast zehn Meter in die Tiefe. An den Rändern sind die Namen der Opfer eingraviert, auch von jenen sechs Menschen, die bei einem ersten islamistischen Anschlag auf den Komplex 1993 starben.

Bereits am Vortag hatte sich Obama zufrieden über den zehn Jahre langen Kampf gegen den Terrorismus. "Die USA sind stärker und Al Kaida ist auf dem Weg zur Niederlage", sagte er am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkrede. Osama bin Laden und andere Al-Kaida-Führer seien getötet worden, die USA seien heute sicherer als vor zehn Jahren, die Sicherheitskräfte gestärkt.

DPA/fgüs / DPA