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Waldbrände am Amazonas: Üble Attacke gegen Macrons Ehefrau: Bolsonaro tritt nach Streit mit Frankreich nach

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist sauer, weil sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron die Amazonasbrände zum Thema des G7-Gipfels in Biarritz gemacht hat - und zeigt dies auf sehr hässliche Weise.

Die Präsidenten von Frankreich und Brasilien, Emmanuel Macron (l.) und Jair Bolsonaro, während des G20-Gipfels im vergangenen Juni

Nach dem Streit um die Thematisierung der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet beim G7-Gipfel in Biarritz hat die brasilianische Regierung Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und dessen Ehefrau Brigitte mit üblen Kommentaren angegriffen. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro machte sich am Sonntag einen Facebookbeitrag zu eigen, in dem ein Nutzer über das Äußere von Frankreichs "Première dame" herzog und die Differenzen zwischen Macron und Bolsonaro mit dem "Neid" des französischen Präsidenten auf die junge Frau des 64 Jahre alten Bolsonaros erklärte.

Der Nutzer Rodrigo Andreaca hatte in einem Posting bei dem Onlinedienst eine unvorteilhafte Aufnahme der 66-jährigen Brigitte Macron neben ein Bild der strahlenden 37 Jahre alten Gattin Bolsonaros gestellt. Dazu schrieb er: "Versteht ihr jetzt, warum Macron Bolsonaro bedrängt?" Er wette, dass Macron neidisch auf Bolsonaro sei. Brasiliens Präsident setzte einen belustigten Kommentar unter den Post. "Demütige den Typen nicht", schrieb er. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, ob der Kommentar von Bolsonaro selbst abgegeben wurde, wollte sich ein Sprecher zunächst nicht äußern.

Brasilianer nennen Macron "Schweinehund" und "Idiot"

Auf Twitter machte sich überdies Brasiliens Bildungsminister Abraham Weintraub über Macron her. Dieser sei bei den Waldbränden nicht "auf der Höhe". "Er ist nur ein opportunistischer Schweinehund, der die Unterstützung der französischen Agrarlobby sucht." Macron hatte wegen der Umweltpolitik Bolsonaros eine Blockade des Freihandelsabkommens mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur angekündigt.

Die Präsidenten von Frankreich und Brasilien, Emmanuel Macron (l.) und Jair Bolsonaro, während des G20-Gipfels im vergangenen Juni

Bereits am Freitag hatte der Sohn des brasilianischen Staatschefs, Eduardo Bolsonaro, beim Kurzbotschaftendienst Twitter ein Video der "Gelbwesten"-Proteste in Frankreich mit dem Kommentar geteilt: "Macron ist ein Idiot."

Jair Bolsonaro hatte sich zuvor mit Blick auf die Brände jegliche Einmischung aus dem Ausland verbeten. Dass Macron beim G7-Gipfel in Abwesenheit der Länder der Amazonas-Region über die Waldbrände sprechen wolle, offenbare eine "kolonialistische Mentalität", kritisierte der ultrarechte brasilianische Staatschef. Macron wolle eine "innere" Angelegenheit Brasiliens und anderer Staaten im Amazonas-Gebiet politisch "instrumentalisieren", behauptete Bolsonaro.

Proteste gegen Jair Bolsonaro in Rio de Janeiro

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. Insgesamt wurden mehr als 79.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Dieses vom brasilianischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt ein C-130 Flugzeug, dass Wasser abwirft, um die Brände im Amazonasgebiet zu löschen.

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Präsident hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Zahlreiche Menschen protestierten am Sonntag gegen Bolsonaros Umweltpolitik. An einer Demonstration im Stadtteil Ipanema in der Millionenmetropole Rio de Janeiro beteiligten sich Künstler, Umweltaktivisten und Politiker. "Der Amazonas bleibt, Bolsonaro geht", skandierten sie. Der populäre Sänger Caetano Veloso sagte dem Nachrichtenportal G1: "Ich bin hier, um die Flagge des Umweltschutzes hochzuhalten. Die Brände im Amazonasgebiet zeigen, wie wichtig das ist."   

mad / AFP / DPA