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Spannungen vor dem G7-Gipfel: "Sensationsgieriger Ton": Bolsonaro attackiert Macron wegen Amazonas-Waldbrände

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat sich wegen der verheerenden Feuer im Amazonasgebiet eine Einmischung von außen verboten und Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron scharf kritisiert.

Die Präsidenten von Frankreich und Brasilien, Emmanuel Macron (l.) und Jair Bolsonaro, während des G20-Gipfels im vergangenen Juni

Brasiliens ultrarechter Staatschef Jair Bolsonaro hat dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Donnerstag auf Twitter eine "kolonialistische Mentalität" vorgeworfen, weil dieser die Feuer zum Thema des G7-Gipfels in Biarritz machen will. Das habe "im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr" habe, schrieb Bolsonaro. Er beschuldigte Macron zudem, eine "innere" Angelegenheit Brasiliens und anderer Staaten im Amazonasgebiet "instrumentalisieren" zu wollen, um "persönlichen politischen Profit" daraus zu schlagen. Macrons "sensationsgieriger Ton" trage nicht zur Lösung des Problems bei, schrieb Bolsonaro.    

Der französische Präsident hatte die schweren Waldbrände im Amazonasgebiet am Donnerstag als "internationale Krise" bezeichnet. Die "Lunge unseres Planeten" stehe "in Brand", schrieb Macron auf Twitter. Er werde mit den anderen G7-Mitgliedern beim Gipfel in Biarritz am Wochenende "über diesen Notfall sprechen".     

Weltweite Sorge

Allerdings veröffentlichte Macron dazu ein Foto eines brennenden Waldes, das nicht die derzeitigen Feuer zeigt: Es wurde von einem bereits 2003 verstorbenen Fotografen aufgenommen. In den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Fotos, die frühere Waldbrände zeigen.

Die schweren Waldbrände im Amazonas-Regenwald haben weltweit Sorgen ausgelöst. UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Feuer. "Inmitten der globalen Klimakrise können wir es uns nicht leisten, einer wichtige Sauerstoffquelle und einem Ort der Biodiversität zu schaden."    

"Fridays for Future" kritisiert Jair Bolsonaro

Das genaue Ausmaß der Waldbrände ist nur schwer zu erfassen. Laut dem brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE brachen in ganz Brasilien binnen 48 Stunden fast 2500 neue Brände aus. Demnach gab es seit Jahresbeginn bereits mehr als 75.000 Waldbrände - ein Zuwachs von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hauptgrund ist die Waldrodung. Der Klimaskeptiker Bolsonaro hat dagegen wiederholt Umweltschutzgruppen für die Waldbrände verantwortlich gemacht.  

Die von der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg initiierte Bewegung "Fridays for Future" warf Bolsonaro vor, mit seiner Umweltpolitik zu den Feuern beizutragen. Dessen Regierung sehe den Amazonas-Regenwald lediglich als "Milchkuh". Unter dem Schlagwort "SOS Amazonas" rief die Bewegung dazu auf, am Freitag vor diplomatischen Vertretungen Brasiliens in aller Welt zu demonstrieren. Ecuadors Staatschef Lenín Moreno bot Bolsonaro derweil an, Feuerwehrleute zu entsenden, um die Waldbrände zu bekämpfen.

tis / AFP