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US-Reporter: Jim Acosta, die "furchtbare Person" von CNN und Trumps persönliches Feindbild

Er wird beschimpft und ausgebuht, als "Feind des Volkes" und "furchtbare Person" diskreditiert: Jim Acosta, Reporter beim US-Sender CNN, ist zum persönlichen Feindbild des US-Präsidenten geworden. Was hat Trump gegen ihn? 

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Wenn Donald Trump kritisch hinterfragt, seine Regierung mitunter in Zweifel gezogen wird, schlägt der US-Präsident verbal um sich. Das erfahren selbst seine politischen Mitstreiter regelmäßig, aber auch Journalisten. Einer von ihnen heißt Jim Acosta, er ist Chefkorrespondent im Weißen Haus für den US-Sender CNN.

Acostas Wikipedia-Eintrag umfasst zwei wesentliche Überschriften. Unter der ersten wird seine durchaus beachtliche "Medienkarriere" nachgezeichnet. Unter der zweiten werden "Präsident Trumps Pressekonferenzen" behandelt, auf der Acosta in der Regel zugegen ist - und oftmals mächtig einstecken muss.

Die Jüngste verdient vielleicht einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

Trumps Angriffe scheinen bei seiner Basis zu verfangen

Es scheint, als sei Jim Acosta zur Zielscheibe von Donald Trump geworden; zum personifizierten "Fake News"-Feindbild des US-Präsidenten. Am Mittwoch erreichte Trumps persönlicher Feldzug, der nun knapp zwei Jahre andauert, seinen Höhe- bzw. Tiefpunkt. Trump nannte Acosta einen "Feind des Volkes", weil er für CNN arbeite, beschimpfte ihn als "furchtbare, unverschämte Person" und bügelte seine (Nach-)Fragen ab. Mittlerweile wurde ihm sogar die Akkreditierung entzogen, sein Pressezugang zum Weißen Haus. 

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Es ist nicht das erste Mal, dass Acosta die geballte Wut und Giftigkeit von Trump zu spüren bekommt. Nicht zuletzt haben die wüsten Angriffe des US-Präsidenten auf CNN im Allgemeinen und Jim Acosta im Besonderen dazu geführt, dass der Reporter bei Trumps Wahlkampfveranstaltungen ausgebuht, niedergebrüllt und beschimpft wird.

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Mittelfinger und "CNN sucks!"-Schreie: Journalist Jim Acosta wird auf Veranstaltung mit Trump beschimpft

Es scheint, als habe Trump sein Feindbild auch bei seinen Anhängern installiert. Vor Kurzem wurde das CNN-Büro in New York gar Adressat einer Briefbombe, wie viele weitere Trump-Kritiker auch. Die explosiven Sendungen wurden offenbar von einem glühenden Anhänger des US-Präsidenten verschickt, dessen Wagen auch "CNN Sucks"-Sticker (CNN ist scheiße) zierten.

Über Trumps Angriffe gegen CNN und speziell gegen Jim Acosta lässt sich reichlich spekulieren. Ein naheliegende Deutung ist: Acosta, immerhin seit 24 Jahren im Journalismus tätig und ein erfahrener Korrespondent, stellt unbequeme Fragen, die Trumps Kompetenz und Politik infrage stellen. Und er lässt dabei nicht locker.

CNN-Reporter Jim Acosta darf keine Frage stellen

Wie am 11. Januar 2017, also noch vor Trumps offizieller Amtseinführung wenige Tage später. Es ist die erste offizielle Pressekonferenz von Trump nach seinem Wahlsieg. Berichte über eine mögliche Wahlkampfeinmischung Russlands schweben über ihm wie ein Damoklesschwert. Auch Acosta, zu diesem Zeitpunkt seit zwei Tagen der CNN-Chefkorrespondent für das Weiße Haus, will eine Frage stellen. Aber er darf nicht. Trump werde dem Reporter keine Frage gestatten, Acostas "Organisation" - gemeint ist CNN - sei "schrecklich". Der Reporter lässt nicht locker. Trump auch nicht: "Ruhe. Seien Sie nicht unhöflich", so Trump zu ihm. "Ich werde Ihnen keine Frage gestatten. Sie sind 'Fake News'."

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Dieses Muster ist bekannt. Statt in einer breiten und sachlichen Debatte mit Argumenten zu überzeugen, zieht Trump Zweifler und vermeintliche Widersacher in Misskredit. Das hat schon die "unehrliche" Hillary Clinton, seine Gegenkandidatin bei den Präsidentschaftswahlen, zu spüren bekommen - und führte nun wohl zum nebulösen Rücktritt seines Justizministers Jeff Sessions.

Der Verdacht liegt nahe, dass sich Trump auch Acosta - offenbar ebenfalls ein unliebsamer Widersacher in seinem Kosmos - entledigen will. Zumindest im kollektiven Gedächtnis seiner Anhänger- und Wählerschaft. Immerhin ist es Acosta, der für CNN - jenen Sender, den Trump wohl gern zusammenschlagen würde - die Pressekonferenzen des Präsidenten besucht und offenbar unangenehme Fragen stellt. 

Jim Acosta, die "furchtbare Person" von CNN und Trumps persönliches Feindbild

Jim Acosta (Archivbild), Chefkorrespondent des US-Senders CNN im Weißen Haus - und Feindbild von US-Präsident Donald Trump

AFP

CNN wertet den Ausschluss seines Reporters als "Vergeltung" für Acostas herausfordernde Fragen. Acosta hatte am Mittwoch Trumps Darstellung einer "Invasion" von Migranten aus Zentralamerika hinterfragt und dann Fragen zu den laufenden Russland-Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller gestellt. "Wenn Sie Fake News in die Welt setzen, was CNN tut, dann sind Sie der Feind des Volkes", warf ihm Trump daraufhin vor. CNN müsse sich schämen, einen Menschen wie Acosta zu beschäftigen. "Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person", fuhr der Präsident den in den USA bekannten Reporter an.

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fs