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Eine wichtige Angabe fehlt: Fällt Ihnen am Rücktrittsschreiben von Justizminister Sessions etwas auf?

Justizminister Jeff Sessions hat auf Bitten von US-Präsident Donald Trump seinen Rücktritt erklärt. Dieser Schritt wurde erwartet - und womöglich hatte Sessions ihn schon länger vorbereitet, wie sein Schriftsatz zeigen könnte.

Justizminister Jeff Sessions hat seinen Rücktritt eingereicht

Keine 24 Stunden nach den US-Kongresswahlen hat Donald Trump durchgegriffen und seinen Justizminister zum Rücktritt gedrängt (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). Sein Durchgreifen kommt nicht überraschend: Jeff Sessions war dem US-Präsidenten wegen der Russland-Ermittlungen schon lange ein Dorn im Auge - immer wieder attackierte er den obersten Chefankläger der USA mit scharfen Twittersalven oder schimpfte in der Presse über den 71-Jährigen.

Jeff Sessions selbst erklärter Rücktritt - den man auch als Rausschmiss auslegen kann - kommt daher nicht überraschend. Womöglich auch nicht für Sessions selbst, wie sein Rücktrittsersuchen zeigen könnte.

Wann hat Jeff Sessions das Schreiben verfasst?

In Sessions Ersuchen steht eigentlich alles, was obligatorisch dazu gehört: Dank, Bedauern, Eigenlob. Nur das Datum fehlt, was auf ähnlichen Schreiben zu finden ist (etwa hier und hier).

Das schriftliche Rücktrittsersuchen von Justizminister Jeff Sessions an US-Präsident Donald Trump

Das schriftliche Rücktrittsersuchen von Justizminister Jeff Sessions an US-Präsident Donald Trump

AFP

Das wirft besonders in Sessions Fall Fragen auf. Natürlich: Wann hat Session dieses Schreiben verfasst? Und: Hat er es womöglich schon länger vorbereitet? Auch eigentlich unklar: Wann ist das Rücktrittsersuchen tatsächlich bei US-Präsident Donald Trump eingegangen? Darüber lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur spekulieren. 

Während die Sender am Mittwochmorgen noch analysierten, warum Trumps Republikaner die Kontrolle über das Repräsentantenhaus verloren haben und ihre Mehrheit im Senat behaupten konnten, nahmen die Ereignisse hinter den Kulissen offenbar längst ihren Lauf. Trumps Stabschef John Kelly soll Sessions angerufen und ihm zum Rücktritt aufgefordert haben. Das berichteten die "New York Times" und andere US-Medien. Noch am Mittag gab Trump eine Pressekonferenz, bei der er eine Frage zu Sessions unbeantwortet ließ. Wenig später verkündete er bei Twitter, dass der Minister geht. 

Über Trumps Motive lässt sich zu diesem Zeitpunkt auch nur spekulieren. Hat er sich eines unliebsamen Ministers entledigt, weil er sein Kabinett ausschließlich mit Getreuen füllen will? Oder steckt womöglich mehr dahinter? Ist es am Ende gar der Versuch eines Befreiungsschlags von den Russland-Ermittlungen? So viel ist sicher: Loyalität ist Trump wichtig und Sessions hat es sich früh mit dem Präsidenten verscherzt.

Das Finale einer Fehde

Ein Rückblick. Im März 2017 zog sich der Minister aus den Russland-Untersuchungen des FBI zurück, weil er persönlich befangen war. Als oberster Chefankläger hat er die Aufsicht über die Bundespolizei und wäre damit eigentlich auch für die Untersuchung zuständig, die sich mit der Frage beschäftigt, ob es bei der mutmaßlichen Einmischung Russlands in die Präsidentschaftswahl geheime Absprachen zwischen Trumps Wahlkampflager und Moskau gab. 

Sessions hat sich während des Wahlkampfes mit dem damaligen russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, getroffen und das später vor dem Senat verschwiegen - während er unter Eid stand. 

Als das rauskam, überließ Sessions die Ermittlungen seinem Stellvertreter Rod Rosenstein. Es war Rosenstein, der zwei Monate später Robert Mueller zum Sonderermittler ernannte, um die Untersuchung zu führen. Ein Schritt, der dadurch ausgelöst wurde, dass Trump den FBI-Chef James Comey gefeuert hatte. 

Trump hat Sessions das alles nie verziehen. Immer wieder attackierte er ihn. Es spielte keine Rolle, dass der Minister ansonsten in Bereichen wie der Einwanderungspolitik eifrig die harte Linie Trumps umsetzte. Er war in Ungnade gefallen. 

Nun hat Sessions seinen Rücktritt eingereicht, ob aus freien Stücken oder nicht. Trump installiert kommissarisch Sessions Stabschef Matthew Whitaker auf dem Posten, einen Mann, der ihm gegenüber als loyal gilt. Und nährt damit Spekulationen, er könne der ihm so verhassten Untersuchung ganz den Riegel vorschieben wollen. 

Justizminister Jeff Sessions hat seinen Rücktritt eingereicht
fs / Maren Hennemuth / Can Merey / DPA