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Wirbel um "Lynchmord": Biden attackiert Trump wegen dessen Wortwahl - und muss sich hinterher entschuldigen

Joe Biden hat Donald Trump heftig kritisiert, weil dieser das Impeachment-Verfahren gegen sich als "Lynchmord" bezeichnet hatte. Dabei hat der demokratische Präsidentschaftsbewerber aber eine Kleinigkeit übersehen.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden

Wer im Porzelanladen sitzt ... Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden

AFP

US-Präsident Donald Trump hat das von den Demokraten anvisierte Amtsenthebungsverfahren gegen sich am Dienstag auf Twitter als "Lynchmord" bezeichnet - und musste dafür scharfe Kritik einstecken. Auch Trumps möglicher Gegner bei den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr, Joe Biden, empörte sich über den Vergleich des Präsidenten. "Ein Impeachment ist kein 'Lynchen', es ist Teil unserer Verfassung. Unser Land hat eine dunkle, beschämende Geschichte des Lynchens und es ist abscheulich, diesen Vergleich überhaupt in Betracht zu ziehen. Es ist widerwärtig", twitterte der frühere US-Vizepräsident.

CNN erinnert Joe Biden an seine eigenen Worte

Dabei hatte Biden aber offenbar vergessen, dass er selbst vor Jahren mit seiner Wortwahl nicht weniger zimperlich war als Trump jetzt. Wie der US-Sender CNN berichtete, benutzte er in seiner Zeit als Senator des US-Bundesstaates Delaware ebenfalls den Begriff, als er zum Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton befragt wurde.

"Selbst wenn der Präsident angeklagt werden sollte, wird die Geschichte hinterfragen, ob dies nur ein parteiischer Lynchmord war oder nicht, oder ob es etwas war, das tatsächlich dem Standard, der sehr hohen Messlatte gerecht wurde, die von den Gründern für ein anklagbares Vergehen festgelegt wurde", sagte Biden im Oktober 1998 in einem CNN-Interview.

Biden entschuldigt sich via Twitter

Und Biden war nicht der einzige Demokrat, der in dem Zusammenhang den umstrittenen Ausruck, der in den USA historisch mit der brutalen und rassistisch motivierten Ermordung Tausender Schwarzer in den Südstaaten in Verbindung gebracht wird, verwendete, wie die "Washington Post" berichtete. Mindestens fünf demokratische Abgeordnete hätten damals von "Lynchmord" oder "Lynchmob" gesprochen, darunter auch Danny K. Davis und Gregory Meeks. Beide hätten das Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton als "Lynchmord" auf dem Boden des Repräsentantenhauses bezeichnet.

US-Demokrat: Joe Biden fordert Trumps Amtsenthebung

Dennoch kritisierten auch Davis und Meeks Trumps aktuellen "Lynching"-Tweet: "Der höchste Amtsträger sollte über diese Worte nachdenken. Der ländliche Süden, in dem ich geboren wurde, hat eine getrübte und schmerzhafte Geschichte", twitterte Davis.

"Ich erwarte nicht, dass Trump sensibel genug ist, um das Gewicht dieses Wortes zu erkennen oder zu sehen, wie beleidigend und verletzend es ist, es hier anzuführen", schrieb Meeks.

Biden hat sich unterdessen noch am Dienstagabend für seine Aussage vor mehr als 20 Jahren entschuldigt. "Es war nicht richtig, das Wort zu verwenden und es tut mir leid", erklärte der demokratische Präsidentschaftsbewerber auf Twitter. "Trump hingegen wählte seine Worte heute bewusst, als er das Wort Lynchmord benutzte, und schürt weiterhin täglich die Rassenspaltung diesem Land."

Quellen: CNN"Washington Post", Twitter