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PR-Debakel des Präsidentschaftsbewerbers : Biden entschuldigt sich bei mutmaßlichem Belästigungs-Opfer - doch das lässt ihn abblitzen

Es sollte ein geschickter Schachzug nach seiner Bewerbung um die demokratische Präsidentschaftskandidatur werden: Reumütig rief Joe Biden bei der Professorin Anita Hill an, die vor Jahren eine Schlammschlacht um sexuelle Belästigung über sich ergehen lassen musste. Doch die ließ die PR ins Leere laufen.

Joe Biden, ehemaliger Vizepräsident der USA, spricht am Bahnhof mit Journalisten.

Seit Donnerstag offizieller Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten in den USA: Joe Biden

DPA

Fast 30 Jahre nach der rüden Befragung eines mutmaßlichen Opfers sexueller Belästigung im US-Kongress hat der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden sein Bedauern geäußert. Biden telefonierte kürzlich mit der Juraprofessorin Anita Hill, wie sein Wahlkampfteam bestätigte. Er habe ihr dabei sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, was sie über sich habe ergehen lassen müssen.

Biden habe in dem Telefonat auch seine Bewunderung für all das ausgesprochen, was sie getan habe, "um die Kultur rund um sexuelle Belästigung in diesem Land zu ändern".    

Im Nominierungsverfahren von Clarence Thomas 1991 hatte dessen ehemalige Mitarbeiterin Hill ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen, während Thomas Hills Vorgesetzter im US-Bildungsministerium war. Die Untersuchungen zu Thomas' mutmaßlicher sexueller Belästigung arteten in einer Schlammschlacht aus. Die Juristin wurde in den Vernehmungen der Falschaussage bezichtigt und schließlich 1996 von der University of Oklahoma, wo sie als Dozentin lehrte, entlassen. Joe Biden, der als Vorsitzender des Justizausschusses im US-Senat die Untersuchungen leitete, fiel damals vor allem wegen seiner Passivität auf.

Hill bestätigte der "New York Times", dass Biden sie angerufen habe. Sie betonte zugleich, seine Ausführungen hätten sie nicht zufriedengestellt. "Ein Sorry ist nicht genug", sagte Hill dem US-Blatt. Solange der Ex-Vizepräsident nicht die volle Verantwortung für die damaligen Vorkommnisse übernehme, könne sie ihn nicht in seiner Kandidatur unterstützen.   

Joe Biden seit Donnerstag im Rennen um Kandidatur für Demokraten

Der Vizepräsident unter Barack Obama (2009 bis 2017) hatte am Donnerstag seine Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten verkündet. Seine Bewerbung war seit einigen Wochen erwartet worden.

Zuletzt war der 76-Jährige durch Vorwürfe von Frauen unter Druck geraten, die berichtet hatten, er habe sie in früheren Jahren in unziemlicher Weise berührt. Eine Frau etwa sagte, Biden habe sie ohne ihre Zustimmung auf den Hinterkopf geküsst.

Video: Biden will Kandidatur ohne Obamas Unterstützung schaffen

Weitere Quellen: "New York Times"

np / AFP