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Joe Biden und Boris Johnson Wenn der Trump-Bezwinger auf den "Trump-Klon" trifft

Joe Biden, links, und Boris Johnson in einer Bild-Kombo
Joe Biden (l.) nannte Boris Johnson einst einen "physischen und emotionalen Klon" von Donald Trump
© Nicholas Kamm and Toby Melville / various sources / AFP
Der Ton zwischen Joe Biden und Boris Johnson war in der Vergangenheit nicht gerade herzlich. Umso gespannter darf man auf das Treffen der beiden Staatschefs beim G7-Gipfel sein.

Joe Biden und Boris Johnson treffen sich an diesem Donnerstag zum Auftakt der Europareise des US-Präsidenten. Zwischen beiden Politikern war das Verhältnis bisher nicht gerade unkompliziert. Biden bezeichnete den britischen Premierminister einmal als "physischen und emotionalen Klon" des damaligen US-Präsidenten Donald Trump und sieht Johnsons Brexit-Politik kritisch. Doch beide Politiker haben auch ein Interesse, die historische Partnerschaft ihrer Länder zu vertiefen.

Nach Bidens Amtsantritt als US-Präsident im Januar war Johnson der erste europäische Regierungschef, den der neue US-Präsident anrief. Biden wolle "die besonderen Beziehungen zwischen unseren Ländern stärken und die transatlantischen Bindungen neu beleben", erklärte das Weiße Haus im Anschluss. Johnson wiederum veröffentlichte ein Foto von sich lachend und mit hochgekrempelten Hemdsärmeln am Telefon und schrieb dazu: "Großartig, heute Abend mit Präsident Joe Biden zu sprechen."

Der US-Demokrat und der konservative Tory-Politiker waren sichtlich bemüht um gute Stimmung, denn in der Vergangenheit gab es einige Misstöne. Biden und sein Lager sahen Johnson mit einiger Skepsis. Dem Premier hängt bis heute an, dass er 2016 dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama wegen seines "teilweise kenianischen" Hintergrunds eine "angeborene Abneigung gegen das britische Imperium" attestierte. Biden war damals Obamas Stellvertreter.

Boris Johnson wurde in New York geboren – wie Donald Trump

Ende 2019 sorgte Biden als Präsidentschaftsbewerber dann für Aufsehen, als er Johnson nach dem Tory-Sieg bei der Parlamentswahl in Großbritannien als "physischen und emotionalen Klon" Trumps bezeichnete. Vergleiche zwischen Trump und dem ebenfalls in New York geborenen Johnson hatte es viele gegeben, nicht nur wegen ihrer ähnlichen Haare, sondern auch wegen ihrer Politik, ihres populistischen Politikstils und ihres häufig lockeren Umgangs mit der Wahrheit. Trump war zudem ein großer Fan von Johnsons Brexit-Politik - ganz im Gegensatz zu Biden.

Der neue US-Präsident, der immer wieder stolz und leidenschaftlich auf seine irischen Wurzeln verweist, mahnt eine Einhaltung des Karfreitagsabkommens an, mit dem 1998 der Nordirland-Konflikt beigelegt worden war. Im vergangenen Herbst warnte Biden unmissverständlich, zwischen Irland und dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland dürfe keine harte Grenze entstehen. Sonst gebe es keinerlei Aussichten auf das von Johnson erhoffte Freihandelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien.

Trump hatte Johnson ein solches Abkommen nach dem Brexit versprochen - die Biden-Regierung scheint es bei dem Thema aber nicht besonders eilig zu haben.

Joe Biden und Bors Johnson kooperieren beim Thema Klimaschutz

Besser klappt die Zusammenarbeit bei Themen wie Klimaschutz und Corona. Biden wie Johnson sehen den Kampf gegen die Erderwärmung als dringliche Aufgaben an und setzen, wie auch beim Kampf gegen die Corona-Pandemie, auf internationale Kooperation.

Johnson begrüßte bei seinem Telefonat mit Biden im Januar die Rückkehr der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 und zur Weltgesundheitsorganisation, denen Trump den Rücken gekehrt hatte. Auch mit Blick auf das von Trump häufig attackierte Verteidigungsbündnis Nato dürfte die Zusammenarbeit zwischen London und Washington fortan wieder besser laufen.

Biden dürfte zudem nicht entgangen sein, wie scharf und deutlich Johnson Trump nach der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar kritisierte. "Ich verurteile es vorbehaltlos, Menschen zu einem so schändlichen Verhalten wie im Kapitol anzustiften", sagte Johnson damals. Dass der Kongress Bidens Sieg bei der "freien und fairen" Präsidentschaftswahl vom 3. November nach der Kapitol-Erstürmung noch bestätigt habe, sei ein "Sieg der Demokratie".

Und so dürfte das Treffen zwischen Biden und Johnson am Vortag des G7-Gipfels in der südwestenglischen Region Cornwall weitgehend harmonisch verlaufen - allen früheren Misstönen zum Trotz.

anb AFP

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