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Kampf gegen den Klimawandel: Europäische Umweltminister beraten sich vor dem Weltklimagipfel

Dass die europäischen Delegationen am Abend des 18. Dezember in Kopenhagen die Champagnerkorken knallen lassen können, wird immer unwahrscheinlicher. Nur noch knapp 14 Tage bleiben bis zum Beginn des zweiwöchigen UN-Klimagipfels in der dänischen Hauptstadt.

Dass die europäischen Delegationen am Abend des 18. Dezember in Kopenhagen die Champagnerkorken knallen lassen können, wird immer unwahrscheinlicher. Nur noch knapp 14 Tage bleiben bis zum Beginn des zweiwöchigen UN-Klimagipfels in der dänischen Hauptstadt. Am Montag kamen in Brüssel die europäischen Umweltminister ein letztes Mal zu Vorbesprechungen zusammen. Von Optimismus war am Rande der Konferenz wenig zu spüren.

Für Deutschlands neuen Umweltminister Norbert Röttgen war es das erste Ministerratstreffen mit seinen europäischen Amtskollegen. "Mit einer Stimme" werde Europa sprechen und seine "Vorreiterschaft" im Kampf gegen den Klimawandel in die Waagschale werfen, versichert der CDU-Mann im Gleichklang mit den anderen EU-Ministern. "Kopenhagen muss ein Erfolg werden" - andernfalls drohten dem Planeten "katastrophale Folgen".

Hinter den Kulissen ist die Stimmung düster. Dass sich die Protagonisten China und die USA - verantwortlich für gut 40 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes - wie von der EU gewünscht auf konkrete Zahlen festnageln lassen, bezweifeln Diplomaten. Längst ist klar, dass sich die Staatengemeinschaft in Kopenhagen nicht auf einen rechtsverbindlichen Klimavertrag einigen wird. Angestrebt wird nun ein politisch bindendes Abkommen, das in den Folgemonaten mit Details gefüllt wird. Grund ist vor allem, dass US-Präsident Barack Obama sein Klimaschutzgesetz noch nicht durch den Senat gebracht hat.

Ein solches Zwei-Stufen-Vorgehen wäre erstmal kein Drama: Auch das Kyoto-Protokoll, dem das Kopenhagener Abkommen nach 2012 folgen soll, wurde erst viele Monate nach der Konferenz von Kyoto mit allen Details ausformuliert. Und doch: Die wichtigsten Reduktionsziele standen im Dezember 1997 fest.

Wann also kann Kopenhagen als Erfolg und wann als gescheitert betrachtet werden? Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat erst jüngst versprochen, die EU werde nichts vorgaukeln und nicht so tun, als ob. Auch EU-Neuling Röttgen will es genau wissen und gibt sich etwa mit Blick auf Russlands Zusagen, den CO2-Ausstoß um bis zu 25 Prozent zu senken, kritisch. Ist doch im Osten nach dem Zusammenbruch der Schwerindustrie die Luftverschmutzung ohnehin zurückgegangen. "Es hilft nicht, etwas schönzurechnen", mahnt Röttgen.

Am Rande des Brüsseler Ministertreffens wird deutlich, was für Europa die Erfolgskriterien sind: konkrete Zahlen. Um wie viel wollen die Industriestaaten ihren Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß reduzieren, wie viel zahlen Industrie- und Schwellenländer der Dritten Welt für Klimamaßnahmen, welche Maßnahmen ergreifen Entwicklungs- und Schwellenländer. Das alles soll das Kopenhagener Abschlusskommuniqué enthalten. Dafür müssen die Europäer aber noch so manche harte Nuss knacken - neben China und den USA vor allem Indien.

Dass mit rund 60 Staats- und Regierungschefs nicht einmal ein Drittel der 192 von den dänischen Gastgebern eingeladenen Staaten auf Chefebene vertreten sein werden, ist auch nicht eben ermutigend. Mag Obama - nach seinem Wahlsieg als großer Klima-Hoffnungsträger gefeiert - zuletzt noch (erfolglos) in Kopenhagen für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2016 in seiner Heimat Chicago geworben haben - für den Weltklimagipfel hat er bislang kein Zeitfenster gefunden.

"Wir kennen die Probleme", mahnt Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich. "Aber trotzdem haben die USA eine Schlüsselrolle, auch (in den Verhandlungen) mit China."

Es ist Schwedens unerschütterlicher Umweltminister Andreas Carlgren, der als amtierender EU-Ratsvorsitzender in Kopenhagen für Europa verhandeln wird. Er hat die Hoffnung auf Erfolg in Kopenhagen noch nicht aufgegeben. "Wir müssen noch gewaltig Druck machen", sagt er. "Aber wir wissen auch, dass das Teil des Spiels ist."

DPA / DPA