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Neue Regierung: Kanada macht knallharten Sikh-Kämpfer zum Verteidigungsminister

Justin Trudeau, der "Kennedy Kanadas" und neuer Regierungschef macht ernst mit seinen liberalen Wahlversprechen. Sein Land nimmt syrische Flüchtlinge auf und ernennt einen Sikh als neuen Verteidigungsminister.

Dies ist kein Hochzeitsfoto und auch keine Szene aus einer romantischen Komödie, sondern nur Kanadas neuer Regierungschef Justin Trudeau mit seiner frischvereidigten Umweltweltministerin Catherine McKenna

Dies ist kein Hochzeitsfoto und auch keine Szene aus einer romantischen Komödie, sondern nur Kanadas neuer Regierungschef Justin Trudeau mit seiner frischvereidigten Umweltweltministerin Catherine McKenna

Was Justin Trudeau nach seinem Sieg sagte, hätte auch aus dem Satzbaukasten für junge, charismatische Wahlgewinner stammen können. "Ich werde der Premierminister aller Kanadier sein. Es ist Zeit für Veränderungen in diesem Land, echte Veränderungen." So ähnlich klang das auch bei Tony Blair und so ähnlich klang das bei Barack Obama. Zufall ist das nicht, denn wie die beiden Kollegen aus Großbritannien und den USA eilt Trudeau, frischvereidigter Premierminister Kanadas, der Ruf als Strahlemann und Hoffnungsträger voraus. Und ähnlich die Briten und Amerikaner haben die Kanadier einen Konservativen ab- und einen waschechten Linken ins Amt gewählt.

Wahlversprechen Flüchtlingsaufnahme: erfüllt

Den Wählern hatte der 43-Jährige eine "positive Politik" versprochen, die er sich so vorstellt: Aufnahme von syrischen Flüchtlingen, höhere Steuern für Reiche, staatliche Konjunkturprogramme, Abzug von Kampfjets aus Syrien und dem Irak, neue, unverbrauchte Gesichter für die Regierung, die Hälfte des Kabinetts soll aus Frauen bestehen. Mit diesen Versprechen löste der Sunnyboy eine regelrechte "Trudeau-Mania" aus, und bislang wird er den Erwartungen gerecht: Nur einen Tag nach seiner Vereidigung kündigt er die Aufnahme von 25.000 Flüchtlingen an.


Sein spektakulärster Coup aber ist eine Personalie: die Ernennung eines gewissen Harjit Sajjan zum Verteidigungsminister. 45 Jahre ist der Mann alt, ein echter Soldat im Rang eines Oberstleutnants, drei Kampfeinsätze in Afghanistan, einer in Bosnien. Und: der erste Sikh, der ein kanadisches Regiment kommandiert hat und der erste Sikh in der westlichen Welt, der einen Ministerposten bekleidet.

Schnell zum Militär, schnell Karriere gemacht

Sajjan stammt ursprünglich aus dem Bundesstaat Punjab in Indien, seine Eltern wanderten nach Vancouver aus, als er fünf Jahre alt war. Direkt nach der Schule ging Sajjan zum Militär, wo er schnell Karriere machte und mehrfach ausgezeichnet wurde. Bevor er vor wenigen Wochen für die Liberalen ins Parlament gewählt wurde, bekämpfte er als Polizist Bandenkriminalität. Sajjan trägt, wie es die Sikh-Religion vorsieht, den traditionellen Turban - sowohl als Soldat in der militärischen Variante, wie jetzt auch als Minister in Zivil. Wie zum Beweis, dass er als Veteran Ahnung von seinem Job als Verteidigungsminister hat, kursiert ein Bild von ihm im Netz, dass den Soldaten Sajjan in voller Kampfmontur im Einsatz zeigt - lächelnd und mit Sonnenbrille. Als "Badass" wird er bezeichnet, als knallharter Kerl.