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Katar 2022 Was (israelische) Journalisten bei der WM in Katar erleben

Journalisten in Doha / Katar
Während der WM sind die Augen der Weltöffentlichkeit auf Katar gerichtet – trotz oder gerade wegen aller Kritik
© Michael Kappeler / DPA
Zur Fußball-WM in Katar sind auch Journalisten aus verschiedensten Ländern angereist. Willkommen sind sie aber nicht, wie mehrere Beispiele zeigen.

Sie wollten nur ein paar Fans befragen, doch daraus wird nichts: Videos, die die Produzentin des arabischen Nachrichtensenders "Al Jazeera" auf Twitter geteilt hat, zeigen, wie israelische Journalisten in Doha abgewimmelt werden. In einer Aufnahme spricht ein Journalist drei libanesische Fans auf arabisch an. Als er sich als Israeli zu erkennen gibt, wenden sich die drei Männer umgehend von ihm ab. Im Weggehen rufen sie ihm noch zu, dass es Palästina hieße und nicht Israel.

Ähnliches zeigt eine Aufnahme des Senders "Doha News". Als der Befragte erfährt, dass es sich um einen israelischen Sender handelt, wimmelt er den Journalisten ab. Auf die Frage, warum die Männer nicht mit den Journalisten sprechen wollen, gibt es keine Antwort.

Dänisches Fernsehteam wird von Sicherheitskräften bedroht

Doch nicht nur israelische Journalisten werden in dem Wüstenstaat an ihrer WM-Berichterstattung gehindert. Während einer Live-Reportage in Katar wurde ein dänisches Fernsehteam von lokalen Sicherheitskräften bedrängt. Die Männer sollen versucht haben, den Dreh zu behindern, obwohl das Team gültige Akkreditierungen und eine Genehmigung vorweisen konnte.

Die Sicherheitskräfte sollen zudem gedroht haben, die Kamera des Teams vom Sender TV2 zu zerstören. In dem Video hört man den Journalisten sagen: "Du kannst die Kamera kaputt machen, willst du sie kaputt machen? Sie drohen uns, indem Sie die Kamera zerschlagen?" Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (DPA) sollen sich die WM-Organisatoren vor Ort bereits beim Sender und dem Fernsehteam vor Ort entschuldigt haben.

"Den Turnierorganisatoren ist ein Vorfall bekannt, bei dem ein dänisches Sendeteam während einer Live-Übertragung in einem der Touristenziele von Katar versehentlich unterbrochen wurde. Nach Einsicht in die gültige Turnierakkreditierung und Drehgenehmigung der Crew erfolgte eine Entschuldigung durch den Sicherheitsdienst", zitiert die DPA aus einer entsprechenden Stellungnahme.

Katars Prestige-Sender hat mit Pressefreiheit wenig zu tun

Dass ausländische Journalisten in Katar nicht wirklich willkommen sind, ist keine Überraschung. Besonders gilt dies für israelische Journalisten. Das streng muslimisch geprägt Katar erkennt den Staat Israel offiziell nicht an. Die beiden Länder unterhalten auch keine diplomatischen Beziehungen miteinander, allerdings ist es Israelis gestattet, an der WM vor Ort in Katar teilzunehmen. Die israelische Regierung befürchtet allerdings, dass ihre Staatsbürger Opfer von Gewalt werden könnten und hat den Fans deshalb geraten, ihre Herkunft nicht öffentlich zur Schau zu stellen. "Spielen Sie Ihre israelische Präsenz und Ihre israelische Identität im Interesse Ihrer persönlichen Sicherheit herunter", sagte zuletzt der ranghohe israelische Diplomat Lior Haiat.

In Sachen Pressefreiheit rangiert Katar auf den hinteren Rängen. Daran kann auch der einflussreiche Nachrichtensender "Al Jazeera" nichts ändern. Für die Region hatte der Sender, der auch Minderheiten und Oppositionelle zu Wort kommen ließ, bei seiner Gründung in den 1990er Jahren etwas Fortschrittliches. Doch das trügt: Mitfinanziert vom Emirat gilt der Sender eher als Propaganda-Plattform. Investigative Berichterstattung ist nicht erwünscht, die Zensur steht auf der Tagesordnung.

Quellen: Twitter, "Die Zeit", "Israel heute", mit Material von DPA

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