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Kaukasus-Konflikt: Georgien bittet Weltgemeinschaft um Hilfe

Die Anerkennung von Abchasien und Südossetien durch Russland hat für Unverständnis in Georgien und im Westen gesorgt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem der schwersten Konflikte in der Nachkriegszeit. Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili rief die Weltgemeinschaft zum Handeln auf.

Nach der Anerkennung der abtrünnigen georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien durch Russland hat Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili die Weltgemeinschaft zum Handeln aufgefordert. Das russische Vorgehen sei eine unverhohlene Herausforderung für die Weltordnung, sagte Saakaschwili der Nachrichtenagentur Reuters. Es liege nun "an uns allen, die russische Aggression zurückzudrängen. Wenn sie damit durchkommen, werden sie weitermachen ... sie werden auch andere benachbarte Länder angreifen." Die internationalen Reaktionen zeigten ihm, dass die Menschen die Realitäten begriffen hätten.

Lob für Merkel

In einem Interview der "Bild"-Zeitung lobte Saakaschwili Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer entschlossenen Haltung gegenüber Russland. Die deutsche Regierungschefin habe "harte Worte" gefunden - "sie versteht, wie die Russen sind. Sie hat schließlich unter ihnen gelebt. Sie weiß, dass Lügen für sie ein normales Mittel der Kommunikation ist, und dass sie sehr brutal sein können." Saakaschwili warf Russland erneut vor, den Krieg im Kaukasus begonnen und schwere Kriegsverbrechen verübt zu haben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem der schwersten Konflikte seit dem Ende des Kalten Krieges. In der Auseinandersetzung seien "zu viele mit dem Streichholz unterwegs, statt den Feuerlöscher zu bedienen", sagte der SPD-Vize am Dienstagabend bei einer SPD-Veranstaltung in Brandenburg/Havel. Er wolle gemeinsam mit anderen Amtskollegen dazu beitragen, dass man wieder zur Vernunft zurückkehre.

In einem Gastkommentar für die "Bild"-Zeitung kritisiert Steinmeier: "Die Spirale der Provokationen muss aufhören, und zwar sofort! Sonst kann die Lage schneller außer Kontrolle geraten als wir glauben." Steinmeier warnte: "Wenn wir nicht aufpassen, gerät die gesamte Sicherheitsarchitektur in Europa ins Wanken - mit unabsehbaren Folgen für uns alle."

Russland dagegen hat in dem Konflikt nach den Worten von Präsident Dmitri Medwedew keine andere Wahl gehabt, als die abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien anzuerkennen. Der Westen habe durch sein Vorgehen im Kosovo mit zu dem Konflikt beigetragen, schrieb Medwedew in einem Beitrag für die "Financial Times". Ungeachtet der Warnungen Russlands hätten westliche Staaten allzu eilig die unrechtmäßige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien anerkannt. "Wir haben stets darauf hingewiesen, dass es danach unmöglich sein würde, den Abchasen und Osseten (und Dutzenden anderen Gruppen in der Welt) zu sagen, dass das, was für die Kosovo-Albaner gut war, für sie nicht gut genug sein soll."

Russland habe den Angriff georgischer Truppen in Südossetien zurückschlagen müssen, um Leben zu retten, schrieb Medwedew. "Wir wollten diesen Krieg nicht."

Die USA haben darauf verzichtet, mit einem Kriegsschiff humanitäre Hilfe in die georgische Hafenstadt Poti zu bringen. Die "Dallas" werde nun nicht in Poti anlegen, sondern im weiter südlich gelegenen Hafen Batumi, teilte ein Sprecher der US-Botschaft in Tiflis mit. In den Außenbezirken von Poti sind russische Truppen postiert, die vor allem im Norden die Straßenverbindung in die abtrünnige Region Abchasien kontrollieren.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters